Sonar: Das vergessene Navigationshilfsmittel?

Blick voraus!

Unter Wasser nach vorne blicken? Das ist möglich! Bild: Navico

Warum donnern immer wieder Yachten auf die Felsen oder nehmen ein Stück Land in Anspruch? Mit modernen Hilfsmitteln lassen sich Sandbänke, Felsen und Molen doch eigentlich früh genug ausmachen? Eventuell liegt es daran, dass viele Segler ein Hilfsmittel gar nicht richtig nutzen.

Lote gehören bereits seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Navigationsinstrumenten. Gerade zu den Zeiten, als es noch keine vollständigen Seekarten gab, mussten sich die Schiffe vorsichtig mit Handloten in eine Bucht verholen. Das ging nicht immer gut. Im 20. Jahrhundert vereinfachten Echolote die Navigation, da kontinuierlich die Tiefe unter dem Kiel angezeigt werden konnte, anstatt zeitraubend das Bleilot zu schwingen und wieder einzuholen.

Übungen mit dem Handlot in der britischen Marine im zweiten Weltkrieg. Bild: IWM

Aktiv und Passiv

Sonar (Sound Navigation and Ranging)  wird in aktives und passives Sonar unterteilt und wurde ursprünglich für den militärischen Bereich entwickelt. Passives Sonar lauscht ausschließlich und sendet keine Signale, die auf die eigene Position schließen lassen könnten. Mit passivem Sonar ließen (und lassen) sich U-Boote verfolgen ohne Gefahr zu laufen, die eigene Position zu verraten.

An Bord von Booten und Yachten wird aktives Sonar verwendet. Hierbei wird ein akustisches Signal durch einen Geber ausgestrahlt. Als Trägermedium dient das Wasser, das Schall über weitere Strecken und zielgerichteter transportieren kann. Aus der Zeit, die das Signal zum Objekt und wieder zurück benötigt, lässt sich die Distanz errechnen. Durch diese Technologie war es möglich an der Küste stets die wahre Wassertiefe zu ermitteln. Doch anstatt ein Schallsignal vom Meeresboden zurückzuwerfen, erzeugten auch Fischschwärme ein Echo.

Fische erkennen

Für Angler wurde die Technik in Form der sogenannten Fishfinder weiterentwickelt, die ein detailliertes Bild des Untergrundes liefern und Fischschwärme im Wasser erkennen und anzeigen können. Profis können angeblich sogar erkennen, um was für Fische es sich handelt. Die Beschaffenheit des Untergrundes war und ist für Segler nur dahingehend von Interesse, um in einer Ankerbucht zu erkennen, ob Steine oder ein stark abfallender Grund das Ankern erschweren können. Wie also sollte Sonar noch bei der Navigation behilflich sein? Die Anwendungsgebiete waren schließlich erschöpft. Doch die Antwort lag eigentlich nahe. Warum nicht nach vorne schauen?

Voraus nicht nach unten

Schon 2014 stellte B&G die von ihnen ‚Forwardscan’ genannte Technik vor. Hierbei handelt es sich um ein vorausschauendes Echolot, das die Wassertiefe vor dem Boot ausgibt. Der Echolotkegel wird hierbei nach vorne ausgestrahlt, anstatt senkrecht nach unten. Unter den günstigsten Bedingungen lässt sich die Wassertiefe bis 100 Meter vor dem Boot darstellen. Allerdings ist die Reichweite abhängig von der aktuellen Wassertiefe. B&G gibt an, dass die Reichweite das Achtfache der aktuellen Tiefe beträgt. Bei einer Tiefe von drei Metern kann mit Forwardscan in etwa 24 Meter vorausgeschaut werden. Das reicht nicht unbedingt, um einem Container oder Stein im Wasser auszuweichen, gibt aber ein Plus an Sicherheit. Doch wer bei der Hafenansteuerung mit angepasster Geschwindigkeit fährt, kann richtig von der Technologie profitieren. Zusätzlich hängt die Genauigkeit natürlich auch vom Untergrund ab. Die Steinmole am Hafen reflektiert besser, als der weiche Schlamm im Watt. Bei Testfahrten, die wir unternommen haben, hat sich die Technik als recht zuverlässig erwiesen. Aber halt auch nur mit der richtigen Geschwindigkeit. Zwar sind die Angaben bei acht Knoten ebenfalls sehr genau, aber die Zeit zum Reagieren wird bei der hohen Geschwindigkeit einfach knapp. Wer den Luxus hat, auf einer Regatta auf einen Navigator zurückzugreifen, der nichts andres tut, als sich auf die Daten zu konzentrieren, kann aber durchaus profitieren. Freie Kurse unter Land könnten mit der Technik attraktiver werden.

Seekarte und Messung stimmen überein Bild: Navico

Doch unter Seglern kommt die Technik anscheinend nicht gut an. Angeblich soll die Nachfrage nach vorausschauendem Sonar so gering sein, dass selbst Werften wie Nautor bis vor kurzem keine Yachten mit dem vorausschauendem Echolot ausgestattet haben. 

Garmin hat mit FrontVü ein ähnliches System auf den Markt gebracht. Für das Aufsuchen von Ankerbuchten oder der Navigation in schmalen Gewässern, wie beispielsweise den Schären, verspricht die Technik einen Sicherheitsgewinn. Auf Regatten könnten theoretisch Uferbereiche ausgereizt werden. Noch verhindert das allerdings die Einschränkung, dass die Technologie nur bei langsamen Geschwindigkeiten entsprechend funktioniert. Garmin gibt als Obergrenze für sein System acht Knoten an.

In Testfahrten zeigte sich, dass das System sehr genau arbeitet. Bild: Navico

Warum nutzen Segler also nicht den Vorteil, sehen zu können, was sich voraus unter Wasser befindet? Ist die Technik zu teuer, zu ungenau oder einfach nur unnötig? Was meint ihr?!

 

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6 Kommentare zu „Sonar: Das vergessene Navigationshilfsmittel?“

  1. avatar meerkater sagt:

    Ob das zu teuer ist, ist schwer zu sagen, da in dem Artikel weder Geräte- noch Einbaukosten genannt werden.

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    • avatar Kai Köckeritz sagt:

      Stimmt! Straßenpreis liegt bei circa 700 Euro für den Geber bei B&G/Simrad. Falls nicht vorhanden, muss noch ein passender Plotter dazu.
      Bei Garmin kostet der Geber etwa 1.300 Euro.

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  2. avatar crossocean2001 sagt:

    Kann ich jedem Schären- und/oder Weltumsegler nur empfehlen. Ein komplettes System gibt es von Echopilot schon ab 1.200€. Habe ich selbst in den Schären und auf einem großen Törn genutzt (schon vor 19 Jahren!!) und habe so manche Grundberührung verhindern können und unsere Yacht auch in Gebiete lotsen können, welche nicht kartographiert waren (Turks&Caicos).
    Für den “normalen” Ostsee/Nordsee Segler passt meistens das Kosten/Nutzen-Verhältnis nicht, da das Kartenmaterial sehr genau ist.

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    • avatar Steve sagt:

      Wäre schon beim “bow to” Anlegen an einer Schäre oder auch allgemein unbekannten Häfen sehr hilfreich. Mit kleiner Crew bei viel Wind ist einfach niemand da, der auch noch – auf dem Bugkorb sitzend – die Unterwassersteine beobachten kann.

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  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    In den Schären und anderen Gewässern mit auf kurzer Distanz sehr unterschiedlichen Wassertiefen Steine usw kann ich mir den Nutzen sehr gut vorstellen.
    Auf der Elbe und Nordsee konnte ich bisher über die Veränderung der Wassertiefe immer recht gut antizipieren, wie es wohl vor dem Bug aussehen dürfte.

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  4. avatar Sven 14Footer sagt:

    Vielleicht müssen die Segler erstmal so ein Gerät in der Praxis ausprobiert haben, bevor sie den großen Nutzen erkennen?

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