Speed-Weltrekord: SP 80 mit neuem Titelsponsor – „Foil-Guru“ Martin Fischer ist begeistert

80 Knoten – von der Vision zur Realität

Grünes Licht für den Bau eines Renners, der Gschichte schreiben könnte. Mit dem SP 80 wollen drei  junge Schweizer Ingenieure und ihr Team über 80 Knoten schnell segeln. Kann das funktionieren? Foil-Guru Martin Fischer meint: „Durchaus!“

Die meisten Rekorde sind nur mit dem nötigen Kleingeld zu realisieren. Das gilt vor allem dann, wenn der Rekord in der Kategorie „höher, weiter, schneller“ aufgestellt werden soll. Und im Besonderen, wenn es sich um einen Geschwindigkeitsrekord unter Segeln handelt. Denn Paul Larson hat 2012 mit seiner „Sail Rocket“ und den erreichten 65 kn die Messlatte so hoch gelegt, dass man nur noch mit außerordentlicher technischer Anstrengung über diese Marke hinaus kommen wird.

Nomen est omen – Die SP 80 soll die 80kn-Marke knacken © SP80

Vorbei die Zeiten, als noch Kite-Surfer mit relativ geringem finanziellem Aufwand die Szene beherrschten – heutzutage ist HighTech angesagt; und zwar vom Allerfeinsten… und Teuersten. Wenn auch der Kite weiterhin eine Rolle spielen wird.

Wieso nur 65, wenn 80 Knoten möglich sind?

Vorhang auf für das Projekt SP 80. Über das ambitionierte Schweizer Trio junger Ingenieure (Durchnittsalter 26 Jahre) hat SR bereits berichtet. Unter der Prämisse „wieso nur 65 Knoten, wenn über 80 Knoten möglich sind?“ arbeiten Xavier Lepercq, Mayeul van den Broek und Benoît Gaudiot derzeit an einer „Rakete“, die zwar nicht diesen Namen trägt, aber die Leistungen der Larson’schen „Sail Rocket“ bei Weitem übertreffen soll. Mehr als 50 Studenten und Ingenieure sind mittlerweile in dem Projekt involviert, der erste Prototyp im verkleinerten Maßstab ist bereits erfolgreich über den Genfer See gezogen worden und die Großen der Speed-Szene haben schon anerkennend die Augenbrauen nach oben gezogen (dazu später mehr). 

Das Team mit Prototypen im verkleinerten Maßstab © SP 80

Nun hat der Schweizer Edel-Uhrmacher „Richard Mille“ nach bereits zweijähriger Unterstützung des Projektes seine weitere Teilnahme als Titelsponsor angekündigt und genug Geld „in den Topf geworfen“, um wie geplant mit dem Bau der SP80 beginnen zu können. Für „Richard Mille“ passt SP80 perfekt in die Marken-Kommunikation, die wiederum seit jeher auf zeitliche Präzision bei Speedvergleichen jeder Art baute. 

Kavitation als Hürde

Der futuristische Look des SP 80-Renner erinnert an eine Kreuzung zwischen Boot und Flugzeug, Der Rumpf ist profiliert und ein spezieller Kite dient als Segel und Antrieb. Das Boot misst 7 m Länge und 6 m Breite und wiegt rund 150 kg. 

Wie schon Paul Larson auf seiner Sail Rocket oder Alain Thébault auf der „Hydroptère“ gibt es auch beim SP80-Projekt eine essentielle Hürde, die überwunden werden muss: Die Kavitation. 

Im Video erklärt Team-Member Annaelle Manon anschaulich, wie man der Kavitation ein Schnippchen mit einem speziell designten Foil schlagen kann oder zumindest möchte. 

Auch zum Antrieb gibt sich das junge Team selbstbewusst, kompetent und eindeutig: Nur mit einem Kite könne der bisherige Geschwindigkeitsrekord, der mit einem Wing-Sail erreicht wurde, überboten werden. Das Speeed-Potential, das mit Kites erreicht werde, sei enorm, wird im Video unten behauptet. Man sei dabei, völlig unkonventionelle und bisher im Wassersport noch nie genutzte Kite-Formen zu testen. 

Ein Kite ist ein Kite ist ein Kite?

Wie z.B. ein für die Energiegewinnung genutzter „fester Kite“. Übrigens, über Start und Landung des Kites muss sich das Team keine besonderen Gedanken machen. Nach den Regeln des World Speed Sailing Record können Boot und Pilot für die 500 Meter lange Rekordstrecke sozusagen „in Position“ gebracht werden, wenn nötig mit Hilfe von Motorbooten. 

Eine Art Ritterschlag erhielt das SP80-Team kürzlich bei einem Interview mit dem Deutschen Martin Fischer, der in der Speed- und America’s Cup-Szene als eine Art Guru u.a. für Foil-Technik gefeiert wird. Fischer zeichnete bereits 2016 ein Rekordboot, das dem SP80 verblüffend ähnlich sieht. 

Im Gespräch begeistert sich Fischer sehr für das SP 80-Design. Er habe sich nicht vorstellen können, dass es nur wenige Jahre später ein Team von Ingenieuren geben würde, das tatsächlich an einem solchen Boot arbeitet.

Lob vom Meister

Vor allem was die Themen “Stabilität und Kavitation” anbelangt, bescheinigt Martin Fischer den Schweizern eine vielversprechende Herangehensweise. Auch dass für das Team nur ein geschlossenes Boot in Frage komme, gefalle ihm – nicht nur wegen der Sicherheit für den Piloten, sondern auch im Sinne einer deutlich verbesserten Aerodynamik. Zudem lobt Fischer, dass man mit dem SP80 auf Back- und Steuerbordbug gleichermaßen segeln könne. Das erhöhe die Anzahl Testläufe und somit die Performance des gesamten Projektes. 

Fischer geht sogar so weit, dass er sich eine Art Serienanfertigung der SP 80 vorstellen könne. Natürlich nicht, um 80 kn schnell zu segeln. Aber warum nicht 40 kn? 

Spannend: Vor wenigen Monaten hat sich in Südfrankreich um Alexandre Caizergues ein konkurrierendes Projekt etabliert: Syroco.

Deren Konzept hat weniger Luftwiderstand – kein Rumpf berührt das Wasser – aber es erfordert eine aktive Steuerung der Flughöhe. Ihr Konzept ist daher weniger stabil, benötigt aber auch weniger Energie.

Womit sicher gestellt wäre, dass es spätestens im nächsten Jahr richtig prickelnd wird, was den Max-Speed unter Segeln respektive Kite anbelangt. 

Website SP 80

Website Syroco

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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