Speed-Weltrekord unter Segeln: SP80 erste Praxistests, um die 65,45 Knoten zu knacken

Der 80-Knoten-Segler

Der Fabelrekord im Speed-Segeln ist acht Jahre alt. Nun rast ein schweizer Team über den Genfer See um eine völlig neue Dimension zu erreichen. Der Prototyp arbeitet vielversprechend.

2012 gelang es dem Australier Paul Larsen mit seiner Vestas Sailrocket, den aktuell gültigen Geschwindigkeitsrekord unter Segeln auf 65,45 Knoten hochzuschrauben. Er erreichte auf der geforderten 500 Meter-Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 121km/h. Zuvor hatten die Kitesurfer die Bestmarke inne. Robert Douglas absolvierte die Strecke 2010 mit einem Schnitt von 55,65 Knoten.

So soll SP80 einmal Gas geben. © SP80

Seit Larsens Fabelrekord sind zahlreiche Versuche gescheitert, ein ausreichend großes Budget zu generieren, um einen erneuten Angriff auf Bestmarke unternehmen zu können. Aber ein Projekt aus der Schweiz unternimmt einen ernsthaften Versuch. Drei junge Ingenieure der renommierten Universität EPFL in Lausanne bilden ein Kernteam, das 2022 den Rekord brechen will.

Sailrocket, der aktuelle Rekordhalter. © vestas sailrocket

Dabei peilen sie nicht alleine die Bestzeit an, sondern glauben, gleich 80 Knoten erreichen zu können – deshalb der Name SP80. Das Team testet seit Juni 2020 einen verkleinerten Prototyp des Bootes auf dem Genfer See. Nun gibt es ein erstes Video, das einen vielversprechenden Versuch dokumentiert.

Vierzig Ingenieure

Die Gruppe, die von mehr als vierzig Ingenieuren und Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) unterstützt wird, testet einen 4,5 mal 3,5 Meter Prototyp, der halb so groß ist, wie das endgültige Boot später sein soll.

Highspeed-Test des Prototypen. © G. Fischer SP80

Es wurde im Rahmen von Studentenprojekten der EPFL gebaut und dient den Entwicklern als schwimmendes Labor. Verschiedenste Konfigurationen mit veränderten Rümpfen und Anhängen können getestet werden. Dabei wird der Prototyp von einem Motorboot so geschleppt, dass er die Kräfte eines Kite-Flügels unabhängig von den Windverhältnissen nachbildet.

Eine kleine Flosse hält das Gerät auf Kurs. © G. Fischer SP80

Benoit Gaudiot, Mitbegründer des Projekts, der die SP80 steuern soll, kann vom Motorboot aus, auf dem ein Steuerrad per Hydraulikkolben mit dem Prototyp verbunden ist, den Kurs bestimmen. So entwickelt er schon in der Frühphase der Tests ein Gefühl dafür, wie das Boot auf dem Ruder liegt.

Tests im Dunkeln bei Flachwasser auf dem Genfer See. © G. Fischer SP80

Ein Dutzend Tests sind bereits durchgeführt worden, und die Ergebnisse entsprechen den vorherigen Berechnungen. Sie validieren die Simulationen und demonstrieren die Stabilität und Kontrolle des Bootes bei hohen Geschwindigkeiten. Dafür erfanden die Ingenieure ein mechanisches Stabilisierungssystem, das sie schon patentieren ließen.

Vom Motorboot aus kann das “Schiff” gesteuert werden. © G. Fischer SP80

Im November und Dezember sind noch zahlreiche Testläufe auf dem Genfer See geplant. Gleichzeitig ist das Team auf der Suche nach Sponsoren, um das Betriebsbudget zu vervollständigen. Die Vorbereitung für 2021 geplanten Bau des Bootes haben begonnen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Speed-Weltrekord unter Segeln: SP80 erste Praxistests, um die 65,45 Knoten zu knacken“

  1. avatar Juergen m. sagt:

    Den Bildern nach ist SP80 mit einem Kite betrieben. Wo soll da der Rekord für das Segeln herkommen? Bei einem Segelboot erwarte ich schon einen Mast!

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