Speedrocket-Rekord: Was machen Bayerns Speed-Projekt, “Hydroptère” und die Kiter

Die Konkurrenz

Nach dem Weltrekord scheint für die Konkurrenz nicht überall die Sonne © vestas

Nach dem Weltrekord scheint für die Konkurrenz nicht überall die Sonne © vestas

Des einen Triumph ist des anderen Frust: Als Paul Larsen auf seiner Speedrocket den 500m-Weltrekord mit 65,37 kn Anfang Dezember in eine neue Dimension schraubte,  war anderen Projekten der Wind aus den Segeln genommen – buchstäblich. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da war der Griff zur Krone des Speedsegeln – höchste Durchschnittgsgeschwindigkeit über eine Strecke von 500 m –  mit der seglerischen „Schallmauer“ von „50 kn und mehr“ verbunden. In diesem Geschwindigkeitsbereich fuhr sich Paul Larsen vor Wochen bestenfalls warm, um schließlich mit über 67 kn im Peak… aber lassen wir das!

ist Derzeit auf Hochsee-Modus umgebaut: Hydroptère im High-Speed-Modus © Launay

Ist derzeit auf Hochsee-Modus umgebaut: Hydroptère © Launay

Die Tragflügel gestutzt

Bleiben wir bei „den anderen“: Die Französische Hydroptère-Kampagne rund um Skipper Thébault und seinem Dreamteam Parlier, Vincent und dem „fremdelnden“ Le Cam („muss mal eben schnell bei der Vendée Globe ein paar Euro verdienen!“) hat nun nach einem ziemlich verhunzten Sommer ein Problem mehr.

Malheur No. 1: Da sich kein geeignetes Wetterfenster in Position brachte, um wie vorgesehen den prestigeträchtigen Transpac-Rekord von Los Angeles nach Honolulu zu brechen, waren die Franzosen gezwungen, die letzten Monate an der kalifornischen Küste auf und ab zu cruisen. Um für die Sponsoren das Logo in den Wind zu halten und kleine „Rekordchen“ einzustellen, von denen keiner so richtig was wissen wollte (wie etwa die schnellste sm in der Bucht von San Francisco).

Nach dem Verlust des Sponsors DCNS ist "Hydroptère II" meilenweit von der Realisierung entfernt.  © VPLP

Nach dem Verlust des Sponsors DCNS ist “Hydroptère II” meilenweit von der Realisierung entfernt. © VPLP

Aber rüber nach Hawaii ging es nun mal nicht, und irgendwann kam, was kommen musste. Die französische Kriegsgeräte-Schmiede DCNS, bis dahin einziger potenter und somit Haupt-Sponsor der Hydroptère, stieg aus dem Projekt aus. Ohne Ankündigung, ohne wenn und aber.

Also müssen sich die „Fliegenden Segler“ nach neuen Finanziers umschauen. Die renommierte Multihull Werft VPLP zeichnete zwar schon eine mögliche zweite “Hydroptère”-Version mit Flügelrigg, aber das ist wohl sehr optimistisch gedacht. Nach wie vor liegt der Tri in San Francisco und Alain Thébault sammelt Geld ein, um doch noch 2013 den Pazifik-Rekord brechen zu können. Dabei soll ihn sein Weg auch zur boot nach Düsseldorf führen.

Dabei bremst besonders Malheur No 2: “Hydroptère” hat ihr bis dato wichtigstes Argument – schnellstes Segelschiff der Welt – gerade eben an die Larsen’sche Segelrakete verloren.

Und nach den aufwändigen Umbauten an dem Tragflächenmonster der Franzosen steht es außer Diskussion, sich wieder an die absoluten Geschwindigkeitsrekorde zu wagen. „Wir sind jetzt nun mal eben auf die Hochsee unterwegs und können daran zumindest kurzfristig nichts ändern,“ sagte Skipper Thébault kürzlich. Hört sich bedauernd an? War wohl auch so gemeint…

Aspiranten für den Weltrekord? © Grünwald

Aspiranten für den Weltrekord? © Grünwald

Kiter und Surfer lauern

Und die weiteren Projekte? Nun, die Kite- und Windsurfer sind sowieso in Lauerstellung, ob in den namibischen Hochgeschwindigkeitsbuchten oder auf den selbst gebuddelten Rennstrecken an der provenzalischen Mittelmeerküste. Sie müssen „nur“ rasen, rasen, rasen und eben auf den richtigen Wind am richtigen Tag hoffen. In Paul Larsens Umfeld ist jedenfalls zu lesen und hören, dass höchstens den Kite-Surfern eine theoretische Chance eingeräumt werde, wenn es um die Gefährdung des Rocket-Weltrekordes gehe. Höchstens…

Hat BSSA die Segel gestrichen?

Also Sailrocket forever? Moment mal, da war doch was… richtig! Die Bayerische Speed Sailing Association BSSA rund um den Bootsbauer Wolfram Schmucker hatte noch Anfang des Jahres auf der Boot 2012 ihr ehrgeiziges Projekt vorgestellt. Mit einem Technologieträger-Prototypen, der etwa halb so lang (5,50 m ) wie der spätere Rekordschlitten ist, versuchte man in erster Linie potentielle Geldgeber auf das Projekt aufmerksam zu machen – offenbar mit bescheidenem Erfolg.

BSSAs Technologie-Träger auf der boot in Düsseldorf 2012 © BSSA

BSSAs Technologie-Träger auf der boot in Düsseldorf 2012 © BSSA

In Folge dessen gestaltete sich die Saison 2012 für die bajuwarischen Speedsegler zurückhaltend. Projektleiter Wolfram Schmucker sagt gegenüber SR: „Natürlich waren wir mit diesem Technologieträger auch segeln, doch dabei gab es naturgemäß keine Rekordfahrten oder ähnlich Spektakuläres, das berichtenswert wäre!“

Man habe in erster Linie einzelne Bereiche des Bootes getestet oder das seglerische Verhalten des Foiler-Trimarans studiert. „Denn unser erster Anspruch ist es, ein richtiges Boot für Hochgeschwindigkeiten zu bauen. Damit sollen Halsen und Wenden gefahren werden, ähnlich wie bei der Hydroptère! Bei allem Respekt vor der Leistung der Speedrocket – aber eine Proa, die kaum Manöver fahren kann und wirklich nur für den einen Rekord gebaut wurde, war noch nie unser Ziel!“ Stellt sich natürlich die Frage, wie man dem erklärten Ziel, den „World Sailing Speed Record“ nach Deutschland zu holen, denn nun näher kommen wolle.

„Derzeit ist unser größtes Problem die Finanzierung – entsprechend schleppend kommen wir voran. BSSA hat immer noch keinen Hauptsponsor für das Projekt interessieren können,“ sagt Schmucker, der zudem vor einigen Wochen einen schweren Motorradunfall hatte, dessen Folgen noch nicht auskuriert sind. „Wir wollen aber im dritten Quartal 2013 den BSSA-Technologieträger so weit fertig haben, dass wir damit richtig schnell segeln können. Und hoffentlich stellen wir dann auf der boot 2014 unser Rekordfahrzeug mit Kavitationsprofilen und Starrflügelrigg vor!“ Hoffentlich!

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Speedrocket-Rekord: Was machen Bayerns Speed-Projekt, “Hydroptère” und die Kiter“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Ob das so cool ist, mit starrem Flügelrigg auf großen Wassern unterwegs zu sein, ohne Reff-Möglichkeit…

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  2. avatar Wilfried sagt:

    die Dimensionen haben sich einfach verschoben. Um mit 72 Fuß zu fliegen braucht man keine jahrelange Entwicklung mehr. Die Kenntnisse wie das geht sind jetzt einfach da. Hydroptere war ihrer Zeit weit voraus aber da gibt es nichts rätselhaftes mehr. Auch die Schallmauer der Kavitation konnte mit einem riesigem Satz übersprungen werden. Wer weiß, wo das nächste Limit ist?

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