Speedsegeln: Austria-65-Knoten-Projekt nimmt Form an – schneller mit Luvkrängung

V_REX der Lüfte

Ein Renner auf Foils, der in der Theorie bis zu 65 Knoten schnell segeln soll. Der Österreicher Peter Steinkogler tüftelt schon seit 2007 an seinem Projekt – ein 10-Meter-Prototyp wird in Kürze zu Wasser gelassen. 

Es gibt sie ja zuhauf, diese Projekte unter Segeln und neuerdings auch auf Foils, mit denen etwa ultimative Geschwindigkeiten erreicht oder – anderes Genre – Fracht möglichst emissionsfrei von A nach B transportiert werden sollen. Etwas übersichtlicher wird diese Projektvielfalt, wenn die Aspekte Speed, Fracht und Emissionsreduktion auf einen Nenner gebracht werden. 

Was lange währt, wird endlich gut: Steinkoglers Projekt V_REX nimmt Formen an © V_REX

Der Österreicher Peter Steinkogler verfolgt bereits seit Jahren mit seinem „V_REX“ ein zunächst ausschließlich auf Speed ausgerichtetes Konzept, das für die (noch etwas weiter entfernte) Zukunft im V_REX CARGO gipfeln soll. SegelReporter berichtete bereits 2016 über Steinkoglers Vision.

Schneller dank Luv-Krängung: V_REX © V_REX

Gute Nachrichten: Nach relativ langer Anlaufzeit wird derzeit ein 10 m langer Prototyp des V_REX gebaut, der noch in diesem Sommer in Aktion der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. 

Die Moth-Segler und Windsurfer machen’s vor!

Steinkoglers Idee von einer effizienteren Nutzung der Foils wird im Prinzip schon längst von Windsurfern und Moth-Seglern angewendet. Neben dem aero- und hydrodynamischen Design des V_REX basiert Steinkoglers Konzept auf einer extremen Luv-Krängung des foilenden Bootes. Steinkogler will auf seinem futuristischen Renner  die physikalischen Kräfte, die vor allem auf die Lee-Foils einwirken, effizienter, d.h. für zusätzlichen Vortrieb nutzen.

Auf den Punkt gebracht: Da der Segeldruck (gut nachvollziehbar hoch am Wind) bei konventionell geriggten Kats oder Trimaranen zu Ungunsten der leeseitigen Auftriebskräfte wirkt und somit den Leeschwimmer bei Krängung ins Wasser drückt, wird die Geschwindigkeit zwangsläufig reduziert. 

Windkanal-Test © V_REX

Das gilt ebenso für Foils: Sobald das Boot auf den Lee-Foil steigt, wirken enorme Kräfte auf das Anhängsel – Foil-Brüche in den America’s Cup-Testphasen und etwa bei den Ultim-Trimaranen zeugen davon. Dabei kommt es vor, dass die Foils das Zwei- bis Dreifache des Bootsgewichtes bei Krängung durch Auftrieb kompensieren müssen. Foilende Ultim-Trimarane der letzten Generation gleichen diesen Druck beispielsweise durch konsequenteren Einsatz der Foils unter dem Hauptrumpf aus – die „Monster der Meere“ segeln so, kaum auf den Foils, nahezu permanent aufrecht. Dennoch müssen weiterhin die Leefoils ein deutlich höheres Gewicht tragen als die „Kollegen“ unter dem Hauptrumpf.

Hauptsache wenig Wasserwiderstand

Steinkogler hat nun seinen V_REX so konzipiert, dass alle Komponenten darauf ausgerichtet sind, den Wasserwiderstand zu verringern. Und dazu zählt eben auch eine Reduktion des Drucks auf den Lee-Foil bzw. den Lee-Schwimmer – indem man ihn „anhebt“. 

Steinkogler will folgerichtig den Lee-Foil entlasten, indem er auf dem am Wind segelnden Boot Mast und Segelfläche Richtung Luv neigt. Ganz ähnlich wie dies etwa die Moth-Segler schon seit langer Zeit (freilich auf einem Rumpf und Foil, aber mit dem gleichen Prinzip) praktizieren – das Segel wirkt so nicht nur für den Vor- sondern auch für den Auftrieb. 

Schnittig © V_REX

Die Idee zu seinem mittlerweile patentierten Konzept hatte der ehemals erfolgreiche Tornado-Segler Steinkogler bereits 2007. Einige Jahre später begeisterten sich auch die Professoren an der TU in Graz und das Hydrodynamische Institut in Athen für Steinkoglers mittlerweile zum Entwurf ausgearbeiteten V_REX. Mit strukturellen Berechnungen, Windkanal-Tests und Computer-Simulationen kam man sogar auf einen möglichen Maximal-Speed von 65 Knoten – Weltrekord-verdächtig. 

Viel Begeisterung – wenig Geld 

Doch wie so häufig bei derartigen, noch so vierversprechenden Projekten: Es fehlte an Geld für die Realisierung eines Prototypen. 

Alles eine Frage der Berechnung © V_REX

Erst 2020 konnte mit dem Bau des V_REX begonnen werden, der jedoch in diesem Sommer noch zu Wasser gelassen werden soll. Doch müssen noch einige finanzielle Löcher bis zur Fertigstellung aufgefüllt werden. Dass dabei deutlich kleinere Brötchen gebacken werden, als bei anderen Kampagnen mit gewissen Foil-Innovationen („mal eben schnell 500.000 Euro bereitstellen für eine neues Paar Foils auf einem IMOCA“), zeigt eine derzeit laufende Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne, bei der 5.000 Euro angepeilt sind! Nicht mehr und nicht weniger.

Website V_REX

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Michael Kunst

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