SR-Test JPK 1030: Erfolgreicher Shorthand Offshore Racer mit Olympiapotenzial

Flying Frenchman

Außerhalb Frankreichs sind die rasanten Yachten von Jean Pierre Kelbert noch ein Geheimtipp. Die neue JPK 1030 zielt besonders auf Einhand- und Zweihandregatten.

Die JPK 1030 tritt keine leichte Nachfolge an. Sie folgt der JPK 1010, die ihrerseits 2010 die Ur-JPK 960 ersetzte. Mit der 960 von 2003 machte sich die französische Werft erstmals einen Namen, indem sie unter anderem 2006 die Transquadra-Regatta über den Atlantik und 2007 sowohl die Einhand- als auch die Zweihand-Wertung des Fastnet Race gewann. Auch ihre Nachfolgerin 1010 fuhr Sieg um Sieg ein. Was gibt es da noch zu verbessern, könnte man fragen.

Was, wenn die Nachfolgerin nicht an diese Erfolge anknüpfen kann? Aber das Yachtdesign steht nicht still, und ein Vergleich zeigt deutliche Unterschiede: Die JPK 1030 ist leichter und schmaler als die 1010. Zudem ist die Länge der Konstruktionswasserlinie länger und die Spantkurve voller; die Bordwand fällt fast senkrecht ab. Die Yacht soll schneller ins Gleiten kommen und trotzdem mit kleiner Crew auch auf hoher See beherrschbar bleiben.

Offshore-Schmiede JPK

Die Rechnung ging auf: Baunummer 1 gewann das Fastnet Race 2019. Die Erfahrung, die sich auf der Werft in Larmor-Plage in der Nähe von Lorient in der Bretagne angesammelt hat, zahlt sich aus. Werftchef Jean Pierre Kelbert sieht seine Nische in der Lücke zwischen schnellen, aber teuren Einzelbauten und bezahlbaren, aber eher schweren Cruiser-Racern von Serienwerften. JPK legt Kleinserien auf – mit konkurrenzfähigen Segeleigenschaften und nur der nötigsten Ausrüstung.

JPK 1030 unter Gennaker vor La Rochelle

JPK 1030 unter Gennaker vor La Rochelle © François van Malleghem

Gründer Kelbert kommt ursprünglich vom Windsurfen und war Ende der 80er-Jahre zweimal Europameister. Seinen Betrieb JPK Composites gründete er in den 90ern, um Surfbretter herzustellen. In einem Preiskampf Anfang der 2000er kam ihm der Gedanke, lieber auf Rennyachten zu setzen. Er traf dann den Autodidakten Jacques Valer, der bereits erfolgreiche Yachten designt hatte. Valer zögerte zunächst, aber inzwischen ist ihre Zusammenarbeit eine wichtige Grundlage des Erfolgs von JPK.

Kernkompetenz Infusionsverfahren

Jacques Valer arbeitete lange Jahre als Seemann, als Decksoffizier bei der französischen Handelsmarine. Schon als Jugendlicher zeichnete und baute er sich ein Boot. Später entwarf er in seiner Freizeit immer wieder teils erfolgreiche Einzelbauten für Freunde und Bekannte. Schließlich gab er 1990 die Seefahrt auf und widmete sich dem Yachtdesign. Der F-18-Katamaran, den er für Freunde entwarf, war so schnell, dass Hobie ihm den Riss abkaufte und den Tiger daraus machte.

Das breite, flache Heck der JPK 1030 mit Doppelruderanlage

Das breite, flache Heck der JPK 1030 mit Doppelruderanlage © François van Malleghem

Mit der JPK 960 setzten Valer und Kelbert dann zusammen Maßstäbe im Yachtdesign. Sie verband gute Kreuzeigenschaften mit der Fähigkeit, auf raumen Kursen schnell ins Gleiten zu kommen und einem konkurrenzfähigen IRC-Rating. Trotzdem blieb das Boot beherrschbar auch für kleine Amateurcrews. Entscheidend war und ist, dass Kelbert in der Produktion frühzeitig auf das Infusionsverfahren gesetzt hat, das der Werft eine genaue Gewichtskontrolle und leichte, steife Rümpfe ermöglicht.

Regatta steht im Vordergrund

Seit der ersten 960 hat die Werft rund 200 Boote verkauft. Der Betrieb ist moderat gewachsen. Heute arbeiten knapp über 30 Menschen in Larmor-Plage und etwa 20 neue Boote verlassen jedes Jahr die Werft. Bei manchen JPK-Modellen wie den Fast Cruisern 38 und 45 überwiegt eher der Fahrtenaspekt, was sich in einer immer noch leichten, aber etwas komfortableren Ausstattung ausdrückt. Bei anderen JPKs dagegen steht der Sport im Vordergrund. So auch bei der neuen 1030.

Der Bugspriet der JPK 1030 verschwindet in einer Garage unter Deck

Der Bugspriet der JPK 1030 verschwindet in einer Garage unter Deck © François van Malleghem

Am Testtag weht es vor La Rochelle mit 4-5 Windstärken aus West. Manche Boote tragen ein Reff im Großsegel, die JPK 1030 dagegen Vollzeug. Werftchef Kelbert zeigt, was geht. Sein Boot verträgt eine Mütze voll Wind und läuft mit 7,2 Knoten fast mit Rumpfgeschwindigkeit Höhe. Sehr bequem ist das nicht. Die Yacht krängt stark und fällt hin und wieder ziemlich in die Wellentäler. Aber wir kommen schnell voran und die 1030 bleibt immer unter Kontrolle.

Wasserballast für mehr Stabilität

Dafür ist unter anderem der optionale Wasserballast verantwortlich. Die zwei Tanks mit je 300 Litern Inhalt liegen in den Achterkabinen. Die Mechanik ist denkbar einfach: Im Cockpitboden befinden sich zwei Stöpsel mit Augen aus Tauwerk. Kurz vor der Wende wird am luvwärtigen Auge per Zugstange das Ventil darunter geöffnet und in knapp 30 Sekunden strömt das Wasser auf die Leeseite. Dann folgt die Wende. Trotz des kurzzeitig fehlenden Ballasts bleibt das Boot gut kontrollierbar.

Am Wind profitiert die JPK 1030 vom optionalen Wasserballast

Am Wind profitiert die JPK 1030 vom optionalen Wasserballast © François van Malleghem

Später können wir abfallen. Krängung und Stampfen gehen zurück, die Geschwindigkeit steigt auf 8,5 Knoten. Schon an der Kreuz, aber jetzt erst recht ist es ein Vergnügen, die JPK 1030 zu steuern. Konstrukteur Jacques Valer ist eine gut ausbalancierte und kursstabile Yacht gelungen. Der Kiel und die Doppelruderanlage lassen das Boot segeln, als folge es einer Rinne im Meer. Die Testyacht verfügt über einen T-Kiel, das ist die Option – Standard ist eine einfache Flosse.

Offshore-Disziplin bei Olympia 

Auch wenn wir das Boot zum Test mit deutlich mehr Personen segeln – gedacht ist es für kleine Crews: Shorthanded Sailing. Mit einem Auge schielt JPK damit auf die neue olympische Disziplin namens Mixed Two Person Offshore Keelboat, die bei den Spielen in Frankreich 2024 erstmals ausgetragen werden soll. Die JPK 1030 ist von Anfang an im Bewerberkreis für die neue Klasse gewesen und gehört nun auch zu den 12 Modellen, die am Auswahlverfahren teilnehmen.

Das Cockpit der JPK 1030 ist für zwei Personen auslegt

Das Cockpit der JPK 1030 ist für zwei Personen auslegt © François van Malleghem

Entsprechend ist das Cockpit auf kleine Crews ausgelegt. Die Arbeitsbereiche sind klar getrennt. Achtern kann der Rudergänger an der Pinne das Achterstag, die Großschot samt Feintrimm und den Traveller im Sitzen erreichen. Am Niedergang liegen alle Fallen und Strecker sowie die Winschen für die Vorsegel auf kleinen Podesten. Auf den ersten Blick liegen in der Plicht der 1030 viele Leinen, aber alles folgt einer durchdachten Ordnung. Große Fußrasten erleichtern beiden das Sitzen auf langen Schlägen.

Spaß unter Gennaker

Der sportliche Charakter der JPK 1030 zeigt sich unter anderem darin, dass der Steuermann kein Cockpitsüll hat, das ihn irgendwie schützt. Der Vorschoter kann sich immerhin am Niedergang auf einen der Sitze am Hauptschott kauern. Ergonomisch gut ist die abgeschrägte Kante, die den Schritt vom Cockpit an Deck erleichtert. Das Laufdeck wird auf dem Testboot von den Trimmleinen und dem Quertraveller des 3-D-Holepunkts eingenommen; Standard ist eine Genuaschiene.

Unter Gennaker kommt die JPK 1030 ins Gleiten

Unter Gennaker kommt die JPK 1030 ins Gleiten © François van Malleghem

Auf dem Rückweg können wir den Gennaker ziehen, und damit geht der Spaß erst richtig los. In voller Gleitfahrt brettert die JPK 1030 mit bis zu 12 Knoten die Küste hinunter. Das 9/10-Rigg an Deck ist aus Kohlefaser, ebenso eine Option wie die Segel. Standard ist die Kombination aus Alu und Dacron. In jedem Fall ist das Großsegel im Topp nicht ausgestellt, was ein einfaches Achterstag ermöglicht, mit dem sich auch der Carbonmast gut trimmen lässt.

Funktional, aber wohnlich

Unter Deck macht die JPK 1030 aus Sicht des Fahrtenseglers – wenig überraschend – einen spartanischen Eindruck. Aus umgekehrter Perspektive: Für eine Regattayacht ist das Interieur recht wohnlich und ansprechend gestaltet. Die Werft hat bei der Gestaltung klar berücksichtigt, dass im harten Einsatz nasse Segel und Leinen den Niedergang hinunter gewürgt werden. Die Polster sind entsprechend aus strapazierfähigem und schnelltrocknendem PVC, Holz wird nur sparsam eingesetzt.

Unter Deck ist die JPK 1030 spartanisch, aber bedingt fahrtentauglich ausgestattet

Unter Deck ist die JPK 1030 spartanisch, aber bedingt fahrtentauglich ausgestattet © Jan Maas

Durch die Kombination aus weißen Flächen, Fenstern und Farbtupfern wirkt der Innenraum trotz allem eher hell und freundlich als technisch. Seitliche Stufen im Aufbau erlauben schräg nach vorn gerichtete Fenster. Das schafft optisch Platz. Durch kleine Fenster im Aufbau ist zudem von drinnen ein Blick ins Rigg möglich. Das Schott zum Vorschiff ist offen, so dass die Kajüte als ein großer Raum erscheint. Bei Bedarf können alle Kojen mit Textilien abgetrennt werden.

Sitze zum Ausruhen

Originell sind die Sitze beiderseits des Niedergangs. Der Sitz in der Navigationsecke an steuerbord ist querschiffs ausgerichtet. So kann man darauf einerseits zum Arbeiten Platz nehmen, sich andererseits aber auf Steuerbordbug auch geschützt unter Deck ausruhen. Gegenüber in der Pantry befindet sich ein spiegelbildlich angeordneter Sitz, in diesem Fall mit einem zweiten Monitor ausgestattet, damit man aus beiden Positionen navigieren kann. Handläufe am Niedergang erleichtern den Weg rein und raus.

Zwei Sitze in Querrichtung dienen auch zum Ausruhen

Zwei Sitze in Querrichtung dienen auch zum Ausruhen © Jan Maas

Navi und Pantry bieten den nötigen Stauraum. Nur die Arbeitsfläche in der Pantry ist unter die Räder gekommen, wobei man realistischerweise annehmen kann, dass im Rennmodus kaum frisch gekocht werden wird. Wer mit der JPK 1030 auf Tour gehen will, wird sein Gemüse am Klapptisch schneiden müssen. Dort finden vier Personen samt Geschirr Platz. Wenn nur Getränke serviert werden, ist auch Raum für sechs. Mehr als genug für ein Boot, dass für kleine Crews gedacht ist.

Auf Regatta getrimmt

Mehr Schlafplätze passen auch gar nicht auf die JPK 1030. Das Vorschiff bietet in der gezeigten Variante die einzige Doppelkoje. Die Salonkojen können mit Leesegeln zu Seekojen gemacht werden. In den Achterkabinen gibt es zwei Rohrkojen. Wegen ihrer Lage hinter den Tanks für den Wasserballast werden sie in der Praxis wohl eher als Segellast dienen. In der Backbord-Achterkabine lässt sich optional eine zweite Doppelkoje einrichten. An Steuerbord geht dies wegen des WCs nicht.

Die Tanks für den Wasserballast liegen in den Achterkabinen der JPK 1030

Die Tanks für den Wasserballast liegen in den Achterkabinen der JPK 1030 © Jan Maas

Zum Waschen und Zähneputzen gibt es kein zweites Becken, dafür muss die Pantry herhalten. Unter Hygienegesichtspunkten ist das nicht ganz optimal gelöst. Für alles weitere ist man auf die Infrastruktur in den Häfen angewiesen. Stauraum für die persönliche Ausrüstung befindet sich unter und hinter den Kojen. Eine nennenswerte Bilge gibt es nicht. Der mitgeführte Proviant wird sich in der Regel in Grenzen halten und daher in die Pantry passen.

Fazit

Pro

  • Schnell, aber gutmütig
  • Gut organisiertes Cockpit
  • Konkurrenzfähiger Preis
  • Originelle Sitze unter Deck

Contra

  • Zugebaute Achterkabinen
  • Nur ein Waschbecken
  • Keine Arbeitsfläche in der Pantry

Kommentar

Schnell und unkompliziert, so zeigt sich die JPK 1030 zumindest in der Version mit T-Kiel und Wasserballast. Ein echter Renner, allerdings ohne die Zickigkeit, die mit der Ausrichtung auf Schnelligkeit verbunden sein kann.

Auch die Auslegung für kleine Crews funktioniert gut. Besonders die Ergonomie des Cockpits lässt die lange Erfahrung der Werft auf ihrem Feld deutlich erkennen: Alles ist am richtigen Platz und schnell und leicht zu bedienen.

In gewissem Maße ist die JPK 1030 auch fahrtentauglich. Lange Regatten wie die Transquadra erfordern einfach einen funktionierenden Lebensraum. Allerdings liegt der Komfort auf dem Niveau eines Weekenders.

Wer also auf dem Hin- oder Rückweg zur Regatta mal einen kleinen Abstecher machen möchte, findet hier ein interessantes Boot. Wer eine Familie zu berücksichtigen hat oder einen richtigen Urlaub machen möchte, braucht vielleicht etwas mehr Cruiser-Anteil.

JPK 1030

Technische Daten

Konstruktion: Jacques Valer
Werft: JPK Composites
CE-Konstruktionsklasse: A
Länge über alles: 10,34 m
Rumpflänge: 10,34 m
Wasserlinie: 9,06 m
Breite: 3,24 m
Tiefgang: 1,96 m
Verdrängung: 3,6 t
Ballast: 1,5 t
Wasserballast (optional): 2 x 300 kg
Segelfläche am Wind: 60 qm
Spinnaker/Gennaker: 95 qm/105 qm
Kojenzahl: 4 (+2)
Wassertank: 80 l
Motor: Volvo Penta D1-20 (18,8 PS)
Preis: ab 113.250 Euro (exkl. MwSt.)

Kontakt

JPK Composites
Z.A. de Kerhoas
56260 Larmor-Plage
Frankreich
www.jpk.fr
jpk.composites@wanadoo.fr

Frametraxx Banner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *