SR-Werftporträt: Zu Besuch bei Dufour Yachts in Frankreich – hier entsteht die Dufour 530

Auf und ab durch fünf Jahrzehnte

Seit 1964 hat Dufour Yachts Höhen und Tiefen erlebt: Mal war man innovativer Trendsetter, mal bankrott. Jetzt präsentierten die Franzosen das erste neue Modell seit der Übernahme durch die Katamaranbauer Fountaine Pajot im Jahr 2018.

Auf dem Werfthof warten Schiffe auf ihre Auslieferung an den Kunden © Jan Maas

Abseits der Fertigungsstraße steht ein Deck, das etwas anders aussieht als die anderen. Das Gelcoat ist nicht weiß, sondern klar. Im Ergebnis schimmert es in einem milchigen Oliv, das die Glasfasern darunter erkennen lässt. Anstelle von Teakauflagen oder Genuaschienen liegen Sperrholzplatten und Winkel an Deck. Eine Gruppe von Männern berät leise irgendein Detail. Was sie hier in Périgny, unweit von La Rochelle an der französischen Atlantikküste, ausarbeiten, ist das Deck für die Dufour 530, die in Düsseldorf erstmals präsentiert wurde.

Das neue Modell kommt in drei verschiedenen Varianten. Dufour nennt sie Easy, Ocean und Performance. Der Name ist Programm: Easy steht für leichte Bedienbarkeit und viel Komfort – also Charter, Ocean richtet sich an Fahrtensegler, Performance an Regattasegler. In jeder Version ist das Deck anders ausgerüstet. Easy zum Beispiel bedeutet, dass die Fallen auf das Cockpitsüll laufen, damit das Kajütdach als Liegefläche dienen kann. In der Ocean- und Performance-Variante soll das gleiche Kajütdach aber Fallenstopper und Fallwinschen aufnehmen.

Die Glasfasern werden digitalisiert zugeschnitten und anschließend von Hand an die richtige Position gelegt © Jan Maas

Wie muss also die Plattform aussehen, auf der diese verschiedenen Konzepte jeweils optimal funktionieren? Das herauszufinden, ist die Aufgabe der Männer, die mit Klebestreifen ihre Schablonen befestigen und mit Filzstiften Radien darauf anzeichnen. Die Idee ist, am Ende jede Version live testen zu können, bevor das erste echte Deck entsteht. Mit Winschen, Schienen und Schoten in den verschiedenen Positionen, um Zugwinkel, Kreuzungspunkte und Bewegungsfreiheit überprüfen zu können.

Das Laminieren erfolgt bei Dufour mit zwei Formen und Vakuum, was unüblich ist © Jan Maas

Der Rumpf der 530 ist in allen Modellvarianten der gleiche. Damit geht Dufour neue Wege, denn in der Vergangenheit hat die Werft einige Modelle nur als Performance-Yachten angeboten und andere nur in Cruising-Ausstattung. Bei der 530 unterscheidet sich der Performance-Rumpf nicht vom Easy- oder Ocean-Rumpf. Dafür hat Hausdesigner Umberto Felci dem Boot einen tieferen Kiel und einen größeren Segelplan verpasst: 2,80 Meter statt 2,30 und 83,5 Quadratmeter Großsegel statt 70. Nach und nach soll jetzt die gesamte Modellpalette in diesem Sinne überarbeitet werden.

Allen Varianten gemeinsam ist das Cockpit, das ein paar interessante Ideen aufweist. Zum einen verfügt die Dufour 530 an beiden Seiten über einen Durchgang aufs Laufdeck. Zwischen den Duchten und den Steuerständen befindet sich je eine zurückgesetzte Stufe, über die das Seitendeck betreten werden kann. Zum zweiten hat die Werft eine Option von der Dufour 63 übertragen: Der Platz zwischen den Steuerständen ist so groß, dass eine zusätzliche Liegefläche dazwischenpasst. Integriert ist dann die inzwischen typische Dufour-Outdoor-Grillstation mit Kühlschrank.

Das Deck einer neuen Dufour wird akribisch und mit Liebe zum Detail gefertigt © Jan Maas

Da das Cockpit auch von dort versorgt werden kann, wandert die Pantry unter Deck vom Niedergang weg nach vorne ans Hauptschott. Direkt am Niedergang befindet sich der Salon. Für das restliche Interieur bietet Dufour vier verschiedene Layouts fest. Am einen Ende der Skala liegt die Variante mit drei Kabinen und drei Nasszellen. Am anderen Ende liegt die Version mit sechs Kabinen und zwei Nasszellen, wobei zwei Kabinen im Salonbereich an Steuerbord liegen und mit Stockbetten ausgestattet, also recht knapp bemessen sind.

Jedenfalls gibt sich Dufour mit seinem neuen Modell Mühe, an die innovationsreiche Geschichte der Werft anzuknüpfen. Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist der Betrieb im Geschäft und hat vom Anfang des Wassersportbooms bis zur Post-Lehman-Brothers-Krise alle Aufs und Abs mitgemacht – und überlebt. Gründer und Namensgeber Michel Dufour machte sich 1964 mit großem finanziellen Risiko selbstständig, um seine Idee einer kleinen GFK-Yacht zu verwirklichen. Er hatte den neuen Werkstoff in seinem Job als Ingenieur bei einem Bahnzulieferer kennengelernt.

Der Innenausbau wird in Modulen gefertigt und anschließend in den Rumpf eingesetzt © Jan Maas

Der leidenschaftliche Segler war davon überzeugt, dass GFK das Material der Zukunft sein würde und der Meinung, das mit einem kleinen Kajütboot unter Beweis stellen zu können. 1965 präsentierte Dufour das Modell Sylphe, einen 6,50 Meter langen Küstenkreuzer mit vier Kojen und Ballastkiel. Der Erfolg gab ihm Recht: Er bekam sofort 20 Aufträge, und im zweiten Jahr baute Dufour bereits 60 Stück. Der eigentliche Durchbruch kam dann ein Jahr später. 1967 stellte Michel Dufour die Arpège vor, mit neun Metern Länge die große Schwester der Sylphe.

Nachdem die einzelnen Module des Innenbaus eingesetzt sind, wird das Deck auf den Rumpf gesetzt. Dieser Vorgang wird traditionell „Hochzeit“ genannt © Jan Maas

Heute gilt die Arpège als Archetyp der GFK-Serienyacht. Im Laufe der Zeit wurden 1.500 Einheiten gebaut und verkauft. Für die Produktion musste Dufour aus einer kleinen Werkstatt in eine eigens gebaute Fabrik auf dem heutigen Werftgelände in Périgny umziehen. Die Arpège symbolisiert wie kaum ein anderes Modell den Übergang von der rein handwerklichen zur zumindest teilweise industriellen Produktion im Bootsbau. Neue Techniken wie das Injektionsverfahren kamen hier zum Einsatz, ohne die ein Ausstoß von bis zu 300 Booten im Jahr gar nicht denkbar gewesen wäre.

Das Injektionsverfahren ist auch heute noch Standard bei Dufour. Das Kennzeichnende daran ist, dass zwei Formen verwendet werden, eine für die äußere Kontur und eine für die innere. In der Regel werden die Glasfasern auf die äußere Form aufgebracht, dann wird die innere Form mit der äußeren luftdicht verbunden. Schließlich wird das Harz unter Vakuum zwischen die Formen geleitet. Inzwischen wurde das Verfahren an sich mehrfach optimiert und verändert. Heutzutage werden beispielsweise die Glasfasern digitalisiert zugeschnitten und nur noch von Hand eingelegt.

Die Produktion mit zwei Formen und Vakuum ist relativ emissionsarm © Jan Maas

Das Injektionsverfahren ist relativ aufwendig, weil doppelt so viele Formen benötigt werden wie üblich. Deshalb lohnt sich das Verfahren nur in der Serienproduktion. Im Unterschied zum Handauflegeverfahren ist das Injektionsverfahren relativ emissionsarm. Außerdem erzeugt es durch die Verwendung der zwei Formen zwei sauber definierte Oberflächen. Im Vergleich zum Vakuuminfusionsverfahren produziert das Injektionsverfahren einen etwas niedrigeren Glasanteil, aber weniger Müll, weil keine Einwegschläuche und -folien zum Einsatz kommen.

Gründer Michel Dufour war nicht nur hinsichtlich der Verfahren und der Modelle innovativ. Dufour gehörte beispielsweise auch zu den ersten Werften, die ihre Boote segelfertig ausgerüstet anboten. Die nötige Kooperation mit Segelmachern und Ausrüstern war damals neu, aber in La Rochelle relativ leicht umzusetzen. Und als 1972 der neue Yachthafen Port de Minimes – mit 5.000 Liegeplätzen immer noch einer der größten der Welt – eröffnet wurde, gründete Michel Dufour mit dem Grand Pavois kurzerhand eine In-Water-Boat-Show in der neuen Marina.

Endkontrolle in der Fertigung der Einzelteile © Jan Maas

Kurz darauf wurde der Aufstieg der Marke Dufour jedoch jäh gestoppt. Ein großer Teil der Produktion war exportiert worden, auch in die USA. Als infolge der Ölkrise 1973 der US-Dollar an Wert verlor, brach der Exportmarkt ein und die Werft geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Der französische Industrielle und Segler Marcel Bich sprang zunächst mit einer Bürgschaft ein und übernahm die Werft schließlich 1976 ganz. Für eine Übergangszeit arbeitete Michel Dufour noch weiter in dem Betrieb. 1977 entstand mit der Dufour 2800 das letzte vom Gründer gezeichnete Boot.

Die 1980er-Jahre waren durch eine Folge von Pleiten und Neuanfängen gekennzeichnet. Dufour, einst eins der größten Unternehmen in La Rochelle, wies zeitweise nur noch 30 Beschäftigte auf. 1988 übernahm dann Olivier Poncin, der von der Werft Kirié kam, und brachte den Betrieb zurück auf die Erfolgsspur. In seine Zeit fallen zum Beispiel die Gründung der Katamaranwerft Nautitech und die Übernahme von Gib‘Sea. 2001 übernahm die italienische Werft Cantiere del Pardo das Ruder – der Beginn der Ära Felci als Hausdesigner von Dufour.

Seit den 1960er-Jahren hat die Werft ihren Sitz in Périgny © Jan Maas

Ab 2006 waren dann wechselnde Invest­ment-Gesellschaften Inhaber der Werft. Seit 2018 gehört Dufour Yachts aber wieder einem Eigentümer vom Fach, noch dazu einem aus der Region. Die Katamaranwerft Fountaine-Pajot übernahm den Betrieb zu 100 Prozent. Die Betriebe bleiben getrennt, man hofft auf Synergieeffekte in Einkauf, Forschung und Entwicklung. Die neuen Eigentümer haben 150 neue Stellen geschaffen und setzen auf steigende Stückzahlen. Derzeit wird der Produktionsprozess optimiert.

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