Strandkat-Weltumseglung: Bourgnon im Roten Meer – Piraten gingen längsseits

"Ziemlich Muffensausen"

Der Indische Ozean zeigte sich zahm, vielleicht zu zahm. Dann kamen die Piraten… und drehten ab. Jetzt kreuzt der Schweizer im Roten Meer.

Schon jetzt steht fest: Yvan Bourgnon wird mit seiner Weltumseglung auf seinem Strandkat in die Geschichtsbücher des Segelsports eingehen. Ganz egal, ob er die letzten Seemeilen hinauf zum Suezkanal und durchs Mittelmeer noch schafft oder nicht. Dieser Törn ist bis heute schon eine einzige irre Saga, ein seemännisches Meisterstück, ein Abenteuer par excellence.

Bourgnon im Modus "Hohe See" © bourgnon

Bourgnon im Modus “Hohe See” © bourgnon

Völlig egal, ob ihm irgendwo hinterm Horizont ein Medien-Boot folgt, das ihn im Seenotfall wohl retten könnte, völlig schnuppe, ob vielleicht der eine oder andere Streckenabschnitt etwas allzu theatralisch dargestellt wurde. Was der Schweizer geleistet hat (und weiterhin leisten wird), ist schlicht einmalig und so noch nie da gewesen: Auf einem offenen Strandkatamaran, ohne Schlupfkajüte, ohne GPS, alleine um die Welt! Das muss man sich mal vorstellen (und kann es übrigens bei SR nachlesen: einfach Yvan Bourgnon in Suchfunktion eingeben!)

Weiter, immer weiter

Nachdem er letztes Jahr seinen Kat auf die Felsen von Sri Lanka gesetzt hatte, baute er im Laufe des europäischen Winters ein neues Boot. Er finanzierte es per Crowdfunding und nahm Ende März den Indischen Ozean in Angriff. Ohne GPS, Navigation nur mit Sextant, mitten in ein Meer, in dem es nur so von Fischfangflotten wimmelt, die sich um alles scheren, bloß nicht um AIS, Radarüberwachung oder allein segelnde Schweizer.

Nickerchen auf dem Ausleger © bourgnon

Nickerchen auf dem Ausleger © bourgnon

„Die Wüste existiert nicht nur auf dem Land!,“ sagte Yvan bei einem seiner Audio-Berichte von Bord. „Ich stehe mitten im Nirgendwo. Ja, ich stehe. Es weht seit Tagen nicht ein Hauch, nichts! Die Sonne brutzelt gnadenlos und ich treibe mit seltsamen Strömungen mal hier und mal dorthin. Schicksal. Egal, ich habe ja Zeit. Wenigstens lassen die Götter des Sturms nicht mehr ihre schlechte Laune an mir aus!“

Aber die Geschwindigkeit war nicht das einzige Handicap auf diesem Abschnitt seiner Weltumsegelung. Schon nach wenigen Tagen produzierte der Salzwasserfilter nur noch sehr wenig Süßwasser, die Rationen mussten drastisch eingeschränkt werden. Und der Autopilot zickte ebenfalls wieder. „Fast schon Gewohnheitssache,“ kommentierte Bourgnon resignierend.

Vier Knoten

2233 Seemeilen segelte er zwischen Weligama auf Sri Lanka und Djibouti auf dem afrikanischen Kontinent. 25 Tage brauchte er für die Strecke und schaffte somit ein Etmal von 4,3 Knoten. „Die Geschwindigkeit war ein Witz für so eine Rakete wie meinen Kat,“ sagte er nach dem Anlanden in Somalia. „Ich habe erneut lernen müssen, wie wichtig Geduld und Muße auf so einer Reise sind!“

Ein Törn, der jetzt schon Legende ist © bourgnon

Ein Törn, der jetzt schon Legende ist © bourgnon

Muße, aus der man auch eine gewisse Nervenstärke filtern kann, die er zuletzt dringend benötigte. Bourgnon: „Auf Höhe der Insel Socotra hörte ich kurz nach Einbruch der Nacht ein starkes Motorengeräusch immer näher kommen.

Die Typen fuhren geradewegs auf mich zu, legten sich im Abstand von ein paar Metern längsseits. Ich duckte mich in meinen Ausleger – bloß keinen provozieren! Die Herren waren sich offenbar nicht einig , was sie mit dem Boot und mir anfangen sollen. Es wurde lautstark auf Arabisch diskutiert und gebrüllt und schließlich fuhren sie mit Volldampf wieder davon. Ich glaube, soviel Muffensausen hab ich auf der ganzen Reise in keinem Sturm oder sonst wo gehabt!“

Nach wenigen Tagen Pause in Djibouti ist Bourgnon nun im Roten Meer Richtung Suezkanal unterwegs. „Das könnte zumindest navigatorisch die schwierigste Passage werden,“ sagte er zum Abschied.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aus Bourgnons Website – die Piraten von Asterix und Obelix © uderzo

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aus Bourgnons Website – die Piraten von Asterix und Obelix © uderzo

Er rechnet mit permanentem Gegenwind, unzähligen Fischerbooten, Riffen, kleinen Inseln, Schiffsverkehr bis zum Abwinken und reichlich „sozialen“ Gefahren von Land aus. 2000 Seemeilen entlang Ländern, die weltweit in den Schlagzeilen stehen. Der Jemen im Krieg, entlang der eriträischen und somalischen Küsten sollte besser kein Notfall passieren, und im Sudan ist Anlanden von vornherein verboten. Die Küsten Saudi-Arabiens sind für ungläubige Touristen kategorisch geschlossen, nur Ägypten macht zumindest einen gastfreundlichen Eindruck.

„Es wird wild werden,“ rief Bourgnon, als er ablegte. „Aber genau deswegen bin ich ja unterwegs!“

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Seemännisches Meisterstück, Abenteuer par excellence © bourgnon

Seemännisches Meisterstück, Abenteuer par excellence © bourgnon

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Michael Kunst

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