Strandung: Swan 57 auf dem Riff – Wie man ein fünf Meter großes Loch stopft

Hübscher Leckpfropfen

Der 57 Fuß Ketsch “Eolia” schien verloren, nachdem sie vor Fidschi Inseln aufgelaufen war. Ein gut fünf Meter breites Loch hatte sich in den Rumpf gerieben. Aber der Eigner will seine Swan nicht aufgeben.

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Der “Leckpfropfen” nimmt Formen an. ©  Leanne Tucker

Dabei ärgerte er sich maßlos, das Schiff bei Musket Cove auf die Felsen gesetzt zu haben. Einhand war er auf Suva zu einem Törn gestartet und dann an einem der vielen nicht verzeichneten Riffe hängen geblieben. Danach war er eine Zeitlang mental und physisch außer Gefecht gesetzt, denn die ersten Schleppversuche runter vom Felsen funktionierten nicht bei ablaufendem Wasser.

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Holzgardine über dem Plastik-Rumpf gespannt. © Leanne Tucker

Dennoch schien das Schiff einigermaßen intakt, und die Helfer wollten auf höheres Wasser warten. Aber die Rettungsversuche scheiterten und die Steuerbordseite der Swan rieb sich im Wellengang immer weiter auf. Das Schicksal der Yacht erinnert an das Vestas-Unglück beim Volvo Ocean Race.

Schließlich bildete sich ein etwa fünf Meter großes Loch, ein Stück vom Kiel brach ab und das Ruder wurde beschädigt. “Eolia” schien ihr Leben auszuhauchen. Aber der Eigner wollte dann doch nicht loslassen. Er beauftragte ein Bergungsunternehmen, und das macht sich gerade dran, das Schiff zu retten. Es gelang, bei hohem Wasserstand unter dem Einfluss des Vollmondes, das Schiff auf die unbeschädigte Seite zu drehen.

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Die gestrandete Swan 57 © Leanne Tucker

Die folgende Maßnahme allerdings erscheint erstaunlich. Die Bilder belegen, dass ein neues Stück Außenhaut aus Holz über das Loch gespannt wird. Damit soll es gelingen, die Swan über Wasser zu einer Werft in Port Denarau zu bringen. Sicher ist, dass das Unternehmen teuer wird. Aber ein solcher Sparkman&Stevens Klassiker ist es wohl wert, gerettet zu werden.

Gescheiterter Versuch, die Swan vom Riff zu schleppen:

Sharing this post from our mate Jack Hargraves”Just back from unsuccessful attempt to salvage nice Swan 57? from outside reef out from Musket Cove. Lots of wind but not enough water. Will have to stay there another two or three days for bigger tides. Multi-lingual mixup. Many chiefs.Single handed coming from Suva .1am. Not much damage so far.”

Posted by John Hembrow on Dienstag, 25. August 2015

Hintergrund: Ärger um die Swan 57 Konstruktion

Die Konstruktion des Zweimasters begann 1977 und bezeichnete das Ende der befruchtenden Partnerschaft zwischen der finnischen Nautor Werft und dem legendären Konstruktionsbüro Sparkman & Stephens. Olin Stephens war der Designer und er zeichnete bei der 57 Linien, die sie immer noch zu einem echten Hingucker machen. Aber nach den ersten Baunummern gab es Probleme mit der Steifigkeit des Rumpfes und Nautor beschwerte sich bei S&S. Die Konstrukteure wiesen allerdings die Verantwortung zurück und monierten ihrerseits Missinterpretationen bei den Spezifikationen. Die Schiffe seien einfach falsch gebaut worden. Über diesen Streit entzweiten sich die erfolgreichen Partner. Nautor lieferte dennoch bis 1984 49 Swan 57 aus, ließ aber nie wieder ein Schiff von Sparkman & Stephens zeichnen.

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Position der Strandung.

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Hoch und trocken © Leanne Tucker

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“Eolia” liegt auf der Seite und reibt langsam die Außenhaut auf. © Hargraves

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Die Ausrüstung wird aus der Yacht geholt. © Hargraves

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Mit Lang´booten wird das Schiff leer geräumt. © Hargraves

Tipp: Jan van der Bank

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Strandung: Swan 57 auf dem Riff – Wie man ein fünf Meter großes Loch stopft“

  1. avatar Markus sagt:

    Oje, so etwas schmerzt!

    Habe heuer im Sommer in Griechenland leider auch einen gestrandete Katamaran live mit ansehen müssen…
    Da bekommt man Gänsehaut – ein Alptraum!

    Hoffe, die können diese schöne Yacht wieder seetauglich machen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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