Streiflicht: SBF See nur ohne körperliche Mängel. Seekrankheit ist egal

Wer röchelnd auf dem Salonfußboden sitzt...

Sportbootführerschein See. Man muss für seinen Erwerb topfit sein. Aber Seekrankheit ist egal. © www.seefieber.de

Wer einen Sportbootführerschein See machen will, muss sich ärztlich untersuchen lassen. Bei dieser Untersuchung werden das Seh- und Hörvermögen getestet. Jemand, der in diesen Punkten bestimmte Mindestanforderungen nicht erfüllt, kann keinen Sportbootführerschein erwerben, da man der Meinung ist, dass eine sichere Verkehrsteilnahme mit z.B. einer rot/grün Schwäche nicht möglich ist.

Aber auch wer „sonstige, die Tauglichkeit beeinträchtigende Befunde“ hat, kann ungeeignet zum Führen eines Sportbootes sein. Das entsprechende Formular enthält beispielhaft eine Liste von körperlichen Mängeln bzw. Krankheiten, die vom Erwerb des Sportbootführerscheins ausschließen oder zur Auflagen bei dessen Vergabe führen können. Genannt sind folgende:

  • Anfallsleiden jeglicher Ursache
  • Krankheiten jeglicher Ursache, die mit Bewusstseins- und/oder Gleichgewichtsstörungen einhergehen
  • Erkrankungen oder Schäden des zentralen Nervensystems mit wesentlichen Funktionsstörungen, insbesondere organische Krankheiten des Gehirns oder des Rückenmarks und deren Folgezustände, funktionelle Störungen nach Schädel- oder Hirnverletzungen, Hirndurchblutungsstörungen
  • Störungen oder erhebliche Beeinträchtigungen der zentralnervösen Belastbarkeit und/oder der Vigilanz
  • Gemüts- und/oder Geisteskrankheiten, auch außerhalb eines akuten Schubes
  • Diabetes mellitus mit nicht regulierbaren, erheblichen Schwankungen der Blutzuckerwerte
  • erhebliche Störung der Drüsen mit innerer Sekretion, insbesondere der Schilddrüse, der Epithelkörperchen oder der Nebennieren
  • schwere Erkrankungen der blutbildenden Systeme
  • Bronchialasthma mit Anfällen
  • Erkrankungen und/oder Veränderungen des Herzens und/oder des Kreislaufes mit Einschränkungen der Leistungs- bzw. Regulationsfähigkeit, Blutdruckveränderungen stärkeren Grades, Zustand nach Herzinfarkt mit erheblicher Reinfarktgefährdung
  • Neigung zu Gallen- oder Nierenkoliken
  • Gliedmaßenmissbildungen sowie Teilverlust von Gliedmaßen mit Beeinträchtigung der Greiffähigkeit und/oder der Stand- bzw.Gangsicherheit
  • Erkrankungen bzw. Unfallfolgen, die zu erheblicher Einschränkung der Beweglichkeit, Verlust oder Herabsetzung der groben Kraft eines für die Durchführung der Tätigkeit wichtigen Gliedes führen
  • Chronischer Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholkrankheit, Betäubungsmittelsucht und/oder andere Suchtformen.

Deutlich wird bei dieser Auflistung, dass sicher gestellt werden soll, dass nur jemand ein Sportboot führt, der dazu körperlich und geistig in der Lage ist. Der in der Praxis vielleicht wichtigste Fall, in dem jemand nicht mehr in der Lage ist ein Sportboot sicher zu führen, ist der der Seekrankheit.

Wer röchelnd auf dem Salonfußboden sitzt und Blut und Galle in die Pütz spuckt, steht in Bezug auf seine Qualitäten als Schiffsführer auf einer Stufe mit Alkoholikern, Spastikern, und Armamputierten. Wer bei Windstärke vier vor lauter Seekrankheit sein baldiges Ende herbeisehnt, kann, folgt man dem Grundgedanken der  Tauglichkeitsuntersuchung, kein Schiffsführer sein.

ONSAILCTM
Nun wird es schwer sein, die Anfälligkeit für Bewegungskrankheit zu diagnostizieren oder deren Ausmaß zu messen. Aber schwierig zu diagnostizieren sind auch Suchtkrankheiten oder Störungen der zentralnervösen Belastbarkeit. Und die tauchen ausdrücklich in der Liste der Ausschlusskriterien auf.

Wenn die Wassersportbürokraten schon der Meinung sind, bestimmte Menschen vom Erwerb des Sportbootführerscheins See zum Eigen- und Fremdschutz abhalten zu müssen, dann fände ich es nur konsequent, wenn auch Seekrankheitskandidaten diesen Schein nicht erwerben dürften.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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16 Kommentare zu „Streiflicht: SBF See nur ohne körperliche Mängel. Seekrankheit ist egal“

  1. avatar Backe sagt:

    Wenn chonischer Alkoholmissbrauch vom Erwerb eines Bootsführerscheins ausschließt, brauchen wir für die nächsten 50 Jahre keine Marinaneubauten mehr – da rund die Hälfte der mir bekannten Seglerschaft den Lappen und damit das Schiff abgeben müsste! ;.)

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  2. avatar Klaus sagt:

    und da hat doch eine vom Halswirbel abwärts gelähmte Britin sowohl den Ärmelkanal überquert, als auch Round Britain gesegelt. Die Bootssteuerung erfolgte über einen “Strohhalm” in den sie blies.
    Ei weiterer Brite hat im Rollstuhl per Kat den Atlantic überquert.

    Man kann sie beide nur beglückwünschen, dass sie keine Deutschen sind.

    P.S. Muss Heiko Kröger jetzt auf seine Teilnahme an den Paralympics beenden?

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  3. avatar Wilfried sagt:

    Tut mir leid das hier sagen zu müssen, aber diesen Beitrag empfinde ich als Zumutung und Arroganz des vermeintlich Seefesten gegenüber den anderen. Wir reden hier über den Sportbootführerschein, der benötigt wird um mit einem motorisierten Boot die Küstengewässer befahren zu dürfen. Dazu gehören sowohl geschützte als auch weniger geschützte Bereiche. Das ausgerechnet so eine Diskussion über weitere behördliche Gängelungsmöglichkeiten von dieser Seite ausgeht enttäuscht mich. Ich dachte, dass gerade hier nicht die Paragraphenreiter zu Hause sind.
    Ein Skipper mit Selbstverantwortung kennt seine Grenzen und kann sehr wohl entscheiden was er tut. Ich bin seit über 25 Jahren auf der See unterwegs und ja – ich bin nicht seefest. Ab einer gewissen Grenze kann ich nicht mehr unter Deck gehen außer ich lege mich zum schlafen. Deshalb nehme ich auch nicht an Events wie Skagenrund oder ähnlichem Teil.
    Und was machen wir denn mit allen sog. Blauwasserseglern die jedesmal zu Beginn des Törns zwei Tage Seekrank werden. Die sollten in Deutschland nicht mal in der Kieler Förde oder im kleinen Belt fahren dürfen. Warum schliesst man dann nicht auch gleich alle Autofahrer vom Führerschein aus, denen bei Nebel auf einer Passstraße schlecht wird?
    Mein Gott-stoppt so eine Schwachsinnsdiskussion. Die paar Segler die schon bei 4 Windstärken im Großen Belt kotzen werden mit dem Segeln sowieso nicht weitermachen weil es ihnen keinen Spaß macht. Und dann erklärt mir mal das Risiko das diese haben wenn sie mit einem Tuckerboot über die Förde fahren. Bitte erst das Gehirn einschlaten und überlegen wofür der SBF überhaupt gut ist. Außerdem- wo sind denn Unfallzahlen, die diese Diskussion sinnvoll machen. Die wesentlichen Risiken sind seglerische Inkompetenz und Blockade durch Angst.

    Aber wahrscheinlich sollte dieser Artikel eine Glosse oder Satire oder ironisch sein und ich habe das nicht mitbekommen. Für diesen Fall – Grabufke ist gelungener.

    Gruß Wilfried

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  4. avatar Uwe sagt:

    Hallo Wilfried,

    ich denke, dass Du mich missverstanden hast. Von mir aus soll skippern, wer will. Die geringen Unfallzahlen zeigen in der Tat, dass bei Wassersportlern ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein vorhanden ist – auch in Bezug auf die eigenen Grenzen. Es ging nur darum zum Ausdruck zu bringen, dass ich es seltsam finde, dass von offizieller Seite alle möglichen Gebrechen genannt werden, die einen SBF-See untauglich machen können, aber eben die Seekrankheit nicht. Nach dem Zweck der Tauglichkeitsuntersuchung ist das für mich schwer zu verstehen. Dennoch kann von mir aus alles bleiben wie es ist, zumal die ärztliche Prüfung in der Praxis nach meiner Erfahrung ohnehin oft ein Witz ist. Ich kenne jedenfalls Halbblinde und Halbtaube die diesen Test ohne Probleme bestanden haben.

    Gruß Uwe

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  5. avatar Marc sagt:

    In der Tat wurde der Artikel von meinem Vorposter wohl falsch verstanden. Es sollte wahrscheinlich eher eine ironische Betrachtung der Vorrausetzungen sein. Immerhin will man ja nur segeln und nicht zum Mond fliegen. Weiterhin sperrt der DSV so alle Leute mit Handycap aus.

    Einige Vorgaben wie rot/grün Schwäche halte ich auch für sinnvoll, andere wiederum sind reine deutsche Bürokratie. Und am Ende muss jeder Skipper selber wissen wie gut seine Fähigkeiten sind. Ich kenne erfahrene, langjährige Dickschiffsegler die ne Bavaria 46 bei 5 bft noch im Griff haben, damit perfekt an- und ablegen, sich bei mehr als 2 bft aber nicht mehr mit nem Kielzugvogel auf unseren kleinen See trauen.

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  6. avatar wilfried sagt:

    Puh, das beruhigt mich ja, dass ich euch nur falsch verstanden habe. Man sollte allerdings bei der Betrachtung berücksichtigen, dass es für fast alle Gebrechen, die ort stehen die Einschränkung der Mitnahme von Personene die dieses Gebrechen nicht haben möglich ist. Ich kenne ne Menge Leute, die so eine Eintragung haben und nur wenige denen der Führerschein ganz verweigert wird. Aber trotzdem muss ich hinzufügen. Berücksichtigt, dass der Schein für jedes Boot mir mehr als 5 PS auf Seegewässern notwendig ist und dazu gehören nunmal auch alle Buchten Fjorde und Belte auf denen man nicht seekrank werden kann.

    Gruß Wilfried

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  7. avatar Ludi sagt:

    und wie bekommen die nun die Gorch Fock nach Hause ?

    Achso… gilt ja nur für Sporboote…..

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  8. avatar Wilfried sagt:

    Ganz einfach, den Motor ausbauen dann ist alles gut.

    Gruß Wilfried

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  9. avatar Bla sagt:

    Super Polemik… Als Segel”reporter” hättest Du gerne ein wenig recherchieren dürfen, wie sich Seekrankheit ärztlich eingrenzen läßt. Soweit ich weiß gibt es hierüber kein fundiertes Wissen und wann die Seekrankheit auftritt hängt von so vielen Faktoren ab.
    Ich kann über diese ganze Schein-Verwaltung sowieso nur lachen. Ein Blick zu unseren Nachbarn im Westen zeigt, dass es sowieso das überflüssigste Thema des deutschen Seglerlebens darstellt. Bis 15 m Bootslänge darf ich in Holland alles fahren, was motorisiert nicht schneller als 20 km/h fährt. Um in Deutschland segeln zu dürfen erfülle ich nur die Mindestpflicht, alles andere ist nur für’s Ego gut.

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  10. avatar Bill sagt:

    Dumm, dümmer, Uwe!

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  11. avatar G. Brannt sagt:

    Also der Artikel ist wirklich schlecht.

    Die meisten der beispielhaft genannten Gebrechen sind nicht durch Meidung bestimmter Verhältnisse bzw. äußerlicher Umstände zu beeinflussen, Seekrankheit schon.

    Es steht ja z.B. nicht drin, daß Diabetiker ausgeschlossen sind, die ihren Status unter Kontrolle haben, sondern nur die mit _unkontrollierbaren_ Schwankungen.

    Ich habe noch nie jemanden erlebt, bei dem Seekrankheit unkontrollierbar war – an Land waren sie alle wieder fit. (Von “Landkrankheit” mal abgesehen.)

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  12. avatar Uli sagt:

    Hier werden wieder einmal diejenigen “ausgesondert” die aufgrund ihrer Behinderung eigentlich schon diesen faszinierenden Sport ausführen könnten. Ebenfalls finde ich, das das ein Schlag ins Gesicht derjenigen ist, die Ehrenamtlich den Behinderten das Segeln beibringen.
    Aber wie so oft, immer auf die Schwachen.
    Es ist bewundernwert, wie z.B. Blinden das Segeln auf dem Bodensee nähergebracht wird.
    Selbst in Holland besteht die Möglichkeit als Rollstuhlfahrer das Segeln zu erlernen. Aber leider wohnen wir in Deutschland.

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  13. avatar marcin sagt:

    der sbf see ist ein reiner motorboot schein, da kann es nicht genug auschlusskriterien geben. seekrankheit und humorlosigkeit gehören da unbedingt mit auf die liste

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    • avatar Olli sagt:

      Nee, nur wer humorlos ist, macht mit Scheinen überhaupt weiter. Besonders wichtig ist, daß Bassisten nur ohne Humor den SSS machen können. Sonst würde das deutsche Führerscheinwesen bestimmt den aufrechten Gang verlernen 🙂

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