Suez-Kanal Blockade: Heck der “Ever Given” vom Ufer befreit – Wie es zum Auflaufen kam

Es bewegt sich was

UPDATE: Das gestrandete Containerschiff “Ever Given” ist auf dem Weg aus dem Suezkanal. Die Befreiungsversuche waren waren nun doch erfolgreich. 

Die aktuelle Position der “Ever Given”

Die Spekulationen über das Freikommen des 400 Meter langen Container-Riesen “Ever Given” reichten von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen. Und zahlreiche Reedereien, die im bis auf 400 Frachter angewachsenen Stau vor dem Suezkanal steckten, verloren schon die Nerven. Sie schickten ihre Kapitäne auf den wochenlangen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung.

Aber nun sind am frühen Montag Morgen rund um die Unglücksstelle laute Schiffshörner ertönt. Die Besatzungen der zehn beteiligten Schlepper feiern mit dem anbrechenden Tag einen Erfolg. Es bewegt sich was. Das Heck des Schiffes sitzt nicht mehr am westlichen Ufer des Kanals fest.

Bagger haben rund um die Uhr mindestens 27,000 Kubikmeter Sand und Schlamm abgegraben und gesaugt, die Schlepper zogen und drückten. Schließlich half offenbar die Springflut mehr als erwartet.

Allerdings hat „Ever Given“ längst noch nicht den Weg freigegeben. Denn der Bug hängt weiterhin fest. Er hat sich offenbar auf massiv steinigen Untergrund geschoben, der nicht abgebaggert werden kann.

Das Heck der “Ever Given” ist von der westlichen Kanalbegrenzung befreit. Reicht der Platz aus, um die Passage teilweise freizugeben?

Deshalb ist es immer noch unklar, wann der Kanal wieder für den Verkehr geöffnet werden kann. Jüngste Berichte sprechen von “mehreren Tagen”. Danach dauere es mindestens weitere drei Tage, bis der Stau vor den Kanalenden aufgelöst ist.

Der Rumpf des Frachters soll Schäden erlitten haben. So sei einer der Ballasttanks im Vorschiff beschädigt. Die Schraube dreht aber wieder frei, heißt es vom Bergeunternehmen. Auch Maschine und Ruder sind einsatzfähig. Wenn der Frachter wieder freischwimme, soll er nach Angaben des japanischen Eigentümers aus eigener Kraft seinen Weg fortsetzen können.

Bis dahin blockiert das Schiff mit der 25-köpfigen rein indische Besatzung weiterhin den für Europa wichtigsten Handelsweg nach China. Insgesamt werden jeden Tag in beide Richtungen Güter im Wert von 9 Milliarden Dollar verschifft. Entsprechend groß sind schon jetzt die Schäden für die Weltwirtschaft.

14 statt 8 Knoten

Über die Ursache für den Unfall wird weiterhin spekuliert. Ein SR-Leser mit professionellem Insider-Wissen schreibt: “Es ist auffällig, dass die Ever Given im Kanal fast 14 Knoten läuft. Erlaubt sind für Containerschiffe maximal 8,6 Knoten. Gründe hierfür könnten z.B. starker Seitenwind sein. Indem man die Fahrstufe erhöht, bekommt man mehr „Druck“ auf das Ruder und kann so das Schiff u.U. stabilisieren. Außerdem verringert eine höhere Geschwindigkeit auch den „Drift-Winkel“. Leider nimmt dadurch aber auch der sog. Bank effect zu. Dabei handelt es sich um ein Ansaugen des Schiffes (vor allem des Hecks) an das Ufer. Ich gehe davon aus, dass dieser Effekt schlussendlich zum Querschlagen geführt hat.”

Im Übrigen hält der Leser den aufgezeichneten Kurs vor dem Einlaufen in den Kanal, der Ähnlichkeit mit einem Geschlechtsteil hat, tatsächlich für einen Zufall. Er glaubt, der SO-Wind habe dazu geführt, dass die Warteposition nur ungenau gehalten werden konnte. “In jedem Fall schließe ich ein bewusstes ‘Zeichnen’ des Brückenteams schon wegen den beengten Verhältnissen zwischen den Schiffen aus.”

Auf dem Ankerherz-Blog berichtet Kapitän Volker Busenbender über die Rolle, die der Sandsturm gespielt haben könnte. “Der Sandsturm, verbunden mit starken östlichen Winden, zwang die Ever Given einen gewissen „Vorhaltewinkel“ zu fahren. Die Gefahr einer Drift ist dabei imminent. Die Ever Given hat zurzeit eine Decksladung von neun bis zehn Containern gestapelt über die gesamte Schiffslänge, bedeutet 26 Meter hoch. Was eine Windangrifffläche von von ca. 15.000 m2 ergibt…Die Kurskorrektur nach Steuerbord ist offensichtlich zu heftig ausgefallen, wie wir jetzt wissen. Die Ever Given landete in der rechten Böschung. Der starke Ostwind hat das Heck folglich an die linke Kanalseite geweht.”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Suez-Kanal Blockade: Heck der “Ever Given” vom Ufer befreit – Wie es zum Auflaufen kam“

  1. avatar Jan Dwornig sagt:

    Hapag Lloyd denkt, dass es bis Spätsommer dauert bis der Verkehr wieder normal läuft. Die Häfen stehen Kopf und die Händler warten auf ihre Ware. Ich habe das mal versucht zusammenzufassen. Haftung nach Havarie im Suez

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