Superyachten: Trend zum Motorboot – Markt für Segelyachten verliert Kunden

Fehlende Segelbegeisterung

Beim Life-Under-Sail-Summit diskutierten Chefs von Luxuswerften und andere Branchenexperten die Situation des Neubaumarktes von Segelyachten. Dieser steckt in der Krise. Grund dafür sei die Fokussierung vieler Werften auf teure Hochleistungsyachten.

Im November lud das auf den Superyachtbereich spezialisierte britische Medienhaus Boat International im Yacht Club de Monaco zum Branchentreffen, bei dem Vertreter von Luxuswerften wie Nautor’s Swan, Perini Navi, Southern Wind und Baltic Yachts zusammenkamen. Wichtiges Thema der Diskussionen unter den Experten war der schrumpfende Neubaumarkt von Luxussegelyachten.

“My Song” bei der Loro Piana Superyacht Regatta in Porto Cervo. © YCSS

Dem sogenannten Global Order Book zufolge, das die Auftragslage auf dem Superyachtmarkt abbildet und jährlich von Boat International herausgegeben wird, machen Segelyachten nicht einmal 10 Prozent der weltweiten Bestellungen im Superyachtbereich aus. 59 Segelyacht-Projekten weltweit stehen 748 Motoryachten gegenüber. Das wachsende Interesse an umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln schlage sich nicht auf die Käufe von Segelyachten nieder, so eine der Schlussfolgerungen.

12,5 Millionen für einen 100 Fußer

Als mögliche Gründe für diese Situation machten die Gäste in Monaco ganz verschiedene Punkte aus. Einer davon: die Fokussierung vieler Werften auf die Herstellung teurer Hochleistungsyachten. Steigende Preise würden potenzielle Eigner vom Markt verdrängen, beklagten Gäste wie etwa Fabrizio Sgariglia, Verkaufsleiter für Segelyachten bei Perini Navi.

Der 143-Fußer Wally “Esense” © Wally Yachts

Die Boote werden immer leistungsorientierter, was auch bedeutet, dass die Kosten steigen. Dabei müsse nicht jede Yacht aus Karbon gebaut werden. Aufgabe der Werften solle es sein, weniger leistungsorientierte Yachten zu entwickeln, die den Kunden trotzdem Segelspaß bieten würden. Zuletzt seien die Kosten für einen 100-Fußer, der früher für  8,5 bis 9,5 Millionen Euro gekostet habe auf gut 12,5 Millionen gestiegen.

Wer das Schrumpfen des Marktes aufhalten wolle, komme aber auch nicht drumherum, sich seine Konkurrenz genauer anzusehen, so die Meinung des Plenums. Und die sei nun mal der Motoryachtmarkt. Auf einer Motoryacht gibt es mehr Platz und Komfort als auf einer Segelyacht.

Negative Entwicklung stoppen

Ein Vorschlag: Mit komfortablen Katamaranen könnten Eigner von Motoryachten fürs Segeln gewonnen werden. Das sieht Wally-Vertreter Stefano de Vivo allerdings anders: „Wenn wir beim Komfort ansetzen, werden wir immer gegen Motoryachten verlieren. Genau deshalb haben wir ja bereits viele Segelyacht-Kunden an den Motorboot-Markt verloren.“

Dass diese Abwanderung von Kunden gestoppt werden muss, darin waren sich die Branchenexperten aber trotzdem einig. Aber nur, wenn gleichzeitig auch neue Kunden gewonnen werden können, sei es möglich, die negative Entwicklung zu stoppen.

Das Problem hier: die junge Generation. Die sei weniger segelbegeistert als viele ältere. Für Fabrizio Sgariglia gehört es daher zu den größten Herausforderungen, den Markt für den Käufer-Nachwuchs attraktiver zu machen: „Wir müssten die Leidenschaft für Segelyachten wieder aufleben lassen – die neue Generation hat aber keine Zeit für Leidenschaft.“

Ein Kommentar „Superyachten: Trend zum Motorboot – Markt für Segelyachten verliert Kunden“

  1. avatar Karl Fröhlich sagt:

    Auf dem Bild ist “My Song” zu sehen, nicht wie beschrieben 180 sondern 130 Fuß lang, dazu ist diese yacht bereits zerstört worden.
    MfG

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

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