+++ Sven Yrvind: Augen-OP und Behörden-Verbot – “alter Schwede” (75) baut 10 Fuß Yacht weiter +++

„Habe wieder den Durchblick!“

Sven Yrvind, Weltumseglung

Mann mit dem vollen Durchblick bei Mikroyachten © Yrvind

Der Schwede Sven Yrvind (75), der noch dieses Jahr mit selbstgebautem drei-Meter-Boot zur Nonstop-Einhand-Weltumseglung starten will, lässt sich auch von einer Augen OP nicht beirren. Auch wenn Behörden den Trip verbieten wollen. Nach EU-Recht sei das Schiff zu klein.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Sven geht es gut – wieder gut, besser gesagt. Denn zum Jahreswechsel musste sich der rüstige Segelrentner einer Augenoperation unterziehen. Er beschreibt das typisch kurz angebunden auf seinem Blog:

Zwei- statt einem Ruder = mehr Platz auf der Badeplatform! © Yrvind

Zwei- statt einem Ruder = mehr Platz auf der Badeplatform! © Yrvind

„Ich war nahezu blind auf dem linken Auge. Für einen Mann, der zehntausend Bücher hat, ziemlich schlechte Nachrichten. Es geht um die Macula. Eine nette Ärztin drainierte das Auge (Flüssigkeit ablaufen lassen), arbeitete am Auge und füllte es dann schließlich mit Luft. Nach einer Weile lenzte Wasser ins Auge. Ich sah die Welt wie durch eine halb mit Wasser gefüllte Taucherbrille. Später war dann nur noch eine Luftblase da, die dann auch verschwand. Ich konnte endlich aufsehen, nach oben schauen. Ich lag zwei Wochen auf dem Bauch.“

[digimember_preview]

Immerhin habe er Zeit gehabt, weiter über sein Boot nachzudenken. Denn Sven Yrvind hat schließlich noch Großes vor in diesem Jahr: Nach einer gelungenen (!) Atlantiküberquerung auf einem 4,80 m-Boot, die er vor ziemlich genau zwei Jahren beendete, baut er nun an einer drei Meter kurzen „Yacht“, mit der er alleine und nonstop um die Welt segeln will.

„Nicht wegen irgendwelcher Rekorde!“ beteuert er immer wieder, sondern „weil ich segeln liebe. Und das ist in kleinen Booten viel sicherer, als auf großen Schiffen. Wenn ich beispielsweise unter Autopilot segelnd ins Wasser falle, dann ziehe ich das Boot mit Hilfe meiner Lifeline einfach  in den Wind! Das Boot kann mit mir im Schlepptau gar nicht erst weiter segeln!“

30.000 Seemeilen wird die Strecke rund um den Globus lang sein, 600 Tage sind für den Törn anvisiert. Macht einen durchschnittlichen Speed von zwei Knoten – mal sehen, wie lange das selbst der härteste Mikrosegler aushalten wird.

Sven am Kartentisch © Yrvind

Sven am Kartentisch © Yrvind

Mehr Platz auf drei Metern

Gerade über die Selbststeueranlage und sein neues Rudersystem habe er intensiv nachgedacht, als er im Krankenhaus auf dem Bauch liegend langsam wieder „klar sah“. Beim Ruder wechselte er von der aufgehängten Einer- zur Zweierversion – ein Ruder auf Back-, eines auf Steuerbord. Das „mache mehr Platz für die Badeplattform!“ – wohlgemerkt: auf 1,3 m Breite!

Überhaupt ist die Mikro-Yacht des 75jährigen von vorne bis hinten bis ins kleinste Detail durchdacht. Kunststück: Wer für so eine lange Reise auf so kleinem Raum leben will, muss patente Lösungen für nahezu alles finden. Kartentisch auf Rollen, Steuerungssystem für außen und innen, große Seitenluken, durch die er sich nach Kenterung zur Not auch retten kann.

So sah es früher aus, wenn Sven auf und davon segelte © Yrvind

So sah es früher aus, wenn Sven auf und davon segelte © Yrvind

„Genug Erfahrung habe ich ja!“ sagt Sven rückblickend. Mehr als 50 Jahre segelt er nun schon auf Mikrobooten über die Meere, sein Leben liest sich wie ein Abenteuerroman. „Und fit bin ich auch als Greis noch – warum soll es also nicht für den ultimativen Trip klappen?“

„Längst verschwunden!“

Im Prinzip kann es also nur noch ein einziges Hindernis geben, das ihn nach glücklich überstandener Augen-OP – „ich habe wieder den vollen Durchblick“ – nach professionellem Bootsbau und nach unzähligen Seemeilen im Fahrwasser seiner Mikroboote noch an der Realisierung seines Traumes „Weltumsegelung“ hindern kann: Die Behörden!

Yrvind

Auf einer Ausstellung kleben die schwedischen Behörden eine Warnung auf den Mini-Kreuzer. “Darf nicht gekauft oder betreiben werden.” © Yrvind

So hat etwa das Schwedische Transportministerium während einer Messe sein ausgestelltes Boot mit einer Art „Kuckuck“ beklebt: Nach EU-Richtlinien sei es verboten, solch kleine Boote für den Gebrauch auf hoher See zu verkaufen oder zu nutzen. Als sich Sven erkundigte, was denn geschehen würde, wenn er doch… „Dann werden wir das Boot zerstören!“ war die lakonische Antwort.

Sven Yrvinds Kommentar: „Bis die merken, dass ich los will, bin ich längst hinterm Horizont verschwunden!“

Website Yrvind

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://nouveda.com

Ein Kommentar „+++ Sven Yrvind: Augen-OP und Behörden-Verbot – “alter Schwede” (75) baut 10 Fuß Yacht weiter +++“

  1. avatar Martin sagt:

    Warum gibt es in der EU eine Mindestgröße für privat genutzte Segelboote?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *