Technologie Transfer: Foilende Personen-Fähre unter Segeln – Öl-Händler baut Artemis um

Positive Schlagzeilen

Beim America’s Cup werden vermeintlich Hunderte Millionen Dollar auf unnütze Weise “verbrannt”. Das 2017 Cup-Team Artemis will das Foiling-Know-How für einen globalen Technologie-Fortschritt nutzen.

Der schwedische Öl-Händler Torbjörn Tornquist hat weit mehr als 200 Millionen Dollar in seine beiden vergangenen America’s Cup-Kampagnen investiert und doch nicht die Kanne in die Luft stemmen dürfen.

Durch den Sieg der Neuseeländer 2017 und dem Wechsel der Bootsklasse bleibt Tornquist nach elf Jahren nicht mehr als jede Menge Plastik-Schrott und die Erinnerung an den in San Francisco verstorbenen Segler Andrew Simpson. Artemis hat sich aus dem Cup-Geschäft vorerst zurückgezogen.

Torbjörn Tornquist

Artemis Besitzer Torbjörn Tornquist kann lachen, obwohl er den Cup verloren hat. © ACEA / GILLES MARTIN-RAGET

Aber so will der Milliardär sein Vermächtnis dann doch nicht gestalten. Schließlich ist Tornquist 2017 auch mit einer Öl-Affäre in die Schlagzeilen geraten. Ein schwedischer Radiosender hatte Beweise präsentiert, dass Tornquists Firma Gunvor in einen weißrussischen Ölschmuggel involviert war.

Torbjörn Tornquist

Torbjörn Tornquist. © Artemis

Die Vorwürfe wurden zurückgewiesen, aber in der Folge musste der Firmenchef nach zehn Jahren seinen Posten als schwedischer Honorarkonsul in Genf abtreten. Schon 2014 war er im Rahmen der Krimkrise unter Druck geraten. Der russische Gründungspartner für den Öl-Handel-Riesen Gunvor Gennadi Timtschenko geriet im Rahmen der US-Sanktionen auf eine schwarze Liste, die in Geschäftskreisen “Freunde Putins” genannt wurde. Tornquist übernahm in einer schnellen Reaktion dessen Anteile, wohl auch damit Gunvor keine Probleme bekommen sollte.

Artemis Racing

Torbjörn Törnquist und Iain Percy begutachten das neue Sportgerät. © Sander van der Borch – Artemis Racing

Nun möchte der Schwede offenbar einmal wieder positive Schlagzeilen machen. Er kündigte an, das mit dem Artemis-Rennstall gesammelte Know How zur speziellen Foiling-Technologie in eine High-Speed-Personen-Segel-Fähre einfließen zu lassen, die bis zu 50 Knoten erreicht.

50 Knoten schnelle Segel-Fähre

Für dieses Projekt hat Tornquist im nordirischen Belfast Artemis Technologies gegründet, ein Spin-off des America’s Cup-Teams Artemis Racing. Es sollen 35 Arbeitsplätze geschaffen werden, auch um den kommerziellen Schiffbau wieder in die Stadt zu bringen.

Das Unternehmen wird von Artemis-Skipper und Doppel-Olympiasieger Iain Percy geführt, der zuletzt in Bermuda auch als Teammanager und Taktiker im Einsatz war. Ziel ist der Bau eines emissionsfreien 45-Meter-Katamarans der keine fossilen Brennstoffe benötigt, eine unbegrenzte Reichweite bietet und das Potenzial hat, sich mit maximal 50 Knoten fortzubewegen. Die Reisegeschwindigkeit soll bei allen Bedingungen mindestens 30 Knoten betragen.

Artemis Technologies

Mögliche Optik der geplanten Artemis-Personenfähre. © Artemis Technologies

Percy sagt: “Wir wollen bei der Dekarbonisierung der maritimen Industrie führend sein, indem wir auf unserem America’s Cup-Erbe aufbauen. Wir nutzen das erworbene Fachwissen in den Bereichen Tragflügelboote, Tragflächensegel und Kontrollsysteme, um umweltfreundliche Handelsschiffe zu entwickeln und herzustellen und so dazu beizutragen, eine nachhaltige maritime Zukunft zu gewährleisten.”

Innovatives Energie-Rückgewinnungssystem

Das “Autonomous Sailing Vessel” (ASV) soll zur Personenbeförderung von Stadt zu Stadt dienen aber erst der Anfang einer Reihe kommerzieller, maritimen Produkte sein, die von Artemis Technologies in Belfast unter Verwendung der Wind- und innovativen Energie-Rückgewinnungssystemen entwickelt werden.

Artemis Technologies

Beim High-Speed-Foiling soll Energie über einen Hydrogenerator gespeichert und per Propeller-Antrieb wieder abgegeben werden. © Artemis Technologies

Ziel sei es, “die reiche maritime Geschichte Belfasts und die erstklassige Expertise der Region in den Bereichen Luft-, Raumfahrt und Verbundwerkstoffe zu nutzen, um die modernste maritime Produktionsstätte Großbritanniens zu schaffen”.

Das Team von Artemis Technologies besteht bereits aus Experten aus den Bereichen Motorsport, Luft- und Raumfahrt, Yachtdesign, Simulation, Elektronik und Aerodynamik. “Wir planen, unser Fachwissen mit Nordirland zu teilen”, sagt Percy. “Wir arbeiten zusammen daran, diesen Sektor durch innovative und dennoch nachhaltige Produkte für die maritime Branche zu erweitern.”

Artemis Technologies

Iain Percy (.) bei der Präsentation in Belfast. © Artemis Technologies

Bei der Eröffnung des Büros im Hafens von Belfast  Pläne für Artemis Technologies. Sagte betont der ehemalige Finn- und Star-Segler: “Ein aktuelles internationales Abkommen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisationen besagt, dass sich der globale Seeverkehrssektor verpflichtet, die Emissionen bis 2050 um mindestens die Hälfte zu reduzieren.

Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Fachwissen und der Unterstützung hier in Nordirland, die Region an die Spitze der Entwicklung bringen können. Wir wollen neue grüne Innovationen entwickeln, und auf den Meeren zur Verminderung der Kohlenstoff-Belsastung  beitragen.”

Artemis Technologies

Der 45-Fuß Foiler von Artemis im Hafen von Belfast. © Artemis Technologies

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Carsten Kemmling

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