Tipps fürs römisch-katholische Anlegen: So gelingt das Hafenmanöver mit Mooring

Die Heckordnung im Mittelmeer

In Kroatien wird, wie auch im restlichen Mittelmeer, rückwärts angelegt. Mooringleinen halten das Schiff dann an seinem Platz. Für (Charter-)Einsteiger durchaus eine Hürde, wenn sie noch nie ein solches Manöver gefahren sind. Wir geben Tipps, damit der Anleger und der Urlaub gelingen.

© Kai Köckeritz

Wer das erste Mal im Mittelmeer chartert, wird sich im Vorfeld neben der Törnplanung wahrscheinlich Gedanken über die Hafenmanöver gemacht haben. Schließlich liegen die Yachten in Südeuropa nach einem ganz anderen System an, als in Nord- und Ostsee. Statt einer Box mit Dalben warten im Mittelmeer Kaimauer und Mooringleinen auf die Crew. Noch dazu wird rückwärts angelegt.

Eine eingespielte Crew wird sich umorientieren und die Rollen neu verteilen müssen. Doch zum Glück gestaltet sich das römisch-katholische Anlegen einfacher als gedacht. Der Grund mag banal klingen, aber die Manöver sind einfacher und überschaubarer, eben weil sie rückwärts gefahren werden.

Für das Crewmitglied am Ruder hat es den entscheidenden Vorteil, dass Distanz und Geschwindigkeit zum Kai besser eingeschätzt werden können. Wer mit dem Bug voran anlegt, weiß wie schwierig es ist, punktgenau aufzustoppen. Bei der Fahrt über den Achtersteven lässt sich das Boot hingegen zentimetergenau aufstoppen, da ein besserer Überblick herrscht. Da moderne (Charter-)Yachten mit flachem Unterwasserschiff und Saildrive rückwärts besser manövrieren, als Yachten mit Welle und tiefen S-Spant, tritt der gefürchtete Radeffekt auch nicht sonderlich groß auf. Sobald das Schiff Fahrt über den Achtersteven aufgenommen hat, lässt es sich ebenso gut manövrieren. Daher sollten die Manöver im Mittelmeer immer mit etwas Anlauf über das Heck gefahren werden. Glücklicherweise bieten die Häfen genügend Platz, um entsprechend Fahrt aufzunehmen.

Die wichtigste Leine während des ganzen Manövers ist nicht die Mooringleine, sondern die Luvachterleine. Ist sie fest, kann das Schiff mit eingekuppeltem Motor auf Position gehalten und die Mooringleine angezogen werden. Regelmäßig verfallen Crews in Hektik, wenn sie die Mooringleine vom Marinero übernehmen. Mit der Leine in der Hand rennen Crewmitglieder dann über das Deck, um sie am Bug zu belegen. Durch Stolperfallen an Deck können dann Verletzungen auftreten. Es sollen sogar schon Crewmitglieder über Bord gestolpert sein. Daher gilt wie bei allen Hafenmanövern: Ruhe bewahren. Die Mooringleine kann ganz entspannt aufgenommen und zum Bug getragen werden. Nur bei viel Seitenwind und fehlenden Nachbarn kann das Schiff vertreiben.

Im Folgenden haben wir typische Situationen und entsprechende Tipps zusammengestellt.

© Kai Köckeritz

Die Vorbereitungen

Sie sind so wichtig wie das Anlegemanöver selbst. Sorgen Sie dafür, dass jeder an Bord über seine Aufgabe, die ihm zufällt, genau Bescheid weiß. Erst sollten Sie die Fender ausbringen. Falls vorhanden kommt der dicke Kugelfender an das Heck, um es möglichst gut zu schützen. Die Crew wird dann entsprechend verteilt an die verschiedenen Stationen verteilt. Mit Bootshaken und Handschuh wartet jemand aus der Crew auf die Mooringleine des Marinero. Mooringleinen sind oft mit Muscheln bewachsen, darum sollten Handschuhe getragen werden.

Ganz wichtig sind die Heckleinen. Sie müssen sicher an den Klampen befestigt sein, unter dem Heckkorb durchgezogen werden und dann griffbereit aufgeschossen bereitliegen. Nur vier bis fünf Schlingen gehören in die Wurfhand; so verhindern Sie, dass sich die Leine beim Werfen vertörnt. Stellen Sie Ihr verlässlichstes Crewmitglied an die Luv-Heckleine und machen Sie ihm klar, dass es auf den Steg übersteigen und die Leine selbst fixieren muss, falls der Marinero damit überfordert ist. Dazu muss der Durchstieg am Heck offen sein.

Warum römisch-katholisch?

Der Name dürfte sich von den überwiegend ‚römisch-katholischen‘ Mittelmeerländern (Spanien, Italien und Frankreich) herleiten, in denen diese Art anzulegen, schon praktiziert wurde, als man im protestantischen Norden noch im Päckchen zu liegen pflegte. Anderen Quellen nach spielt die Bezeichnung auf die Scheinheiligkeit so mancher Priester an. Nach dem Motto: „Vorne krallen sie sich gierig fest (steht für die Weltlichkeit), aber sicher fest machen sie lieber hinten an der Pier (Geistlickeit). Aber: Am Ende ist das Manöver `römisch-katholisch‘ gar keine Frage des Glaubens. Und auch gar nicht so schwer.

Anlegen mit achterlichem Wind © Jan Bindseil

Anlegen mit achterlichem Wind

  1. Halten Sie sich so weit zu Lee, wie es die Mooringleinen erlauben. Passen Sie Ihre Fahrt der Stärke des Windes an. Drückt der den Bug des Schiffes weg, können Sie mit dem Ruder korrigieren.
  2. Nehmen Sie Fahrt aus dem Schiff und legen Sie Luvruder. Aber mit Gefühl, da der Wind die Drehung verstärkt. Steht das Heck im Wind, bugsieren Sie dieses mit langsamer Fahrt und Ruder mittschiffs an den Steg.
  3. Bei so idealen Bedingungen können Sie in aller Ruhe beide Heckleinen ausbringen und dann die Mooringleine aufnehmen.

Anlegen mit Wind von vorn © Jan Bindseil

Anlegen mit Wind von vorn

  1. Halten Sie sich zu Luv und machen Sie gute Fahrt über das Heck; je stärker der Wind ist, umso mehr Speed brauchen Sie.
  2. Legen Sie hart Ruder, ohne die Fahrt zu verringern. Ist der Wind kräftig, wird der Bug nur unwillig nach Luv drehen. Erst wenn der im Wind steht, können Sie die Motordrehzahl verringern, jedoch sollten Sie erst kurz vor dem Steg aufstoppen.
  3. Bringen Sie beide Heckleinen aus, aber holen Sie nur die jeweils luvseitige dicht! Nur so können Sie mithilfe von Motor und Ruder den Bug gegen den Wind und gleichzeitig das Heck frei vom Steg halten, bis die Mooringleine fest ist.

Anlegen mit Seitenwind © Jan Bindseil

Anlegen mit Seitenwind

  1. Halten Sie sich bei der Ansteuerung so weit wie möglich von den Moorings entfernt, und sorgen Sie für gerade so viel Fahrt im Schiff, dass das Schiff manövrierfähig bleibt.
  2. Legen Sie bei unverminderter Geschwindigkeit das Ruder; der Bug wird anfangs schnell, dann – wegen des Winddrucks auf das Rigg – langsam aufkommen.
  3. Stoppen Sie erst kurz vor dem Steg ab, und belegen Sie unverzüglich die Luv-Heckleine. Ist die fest, legen Sie hart Luvruder; mit Maschine voraus, halten Sie dann den Bug quer zum Wind, bis die Mooringleine fest ist. Nehmen Sie die Mooringleine erst auf, wenn das Schiff quer zum Wind liegt. Dann ist die Gefahr gering, diese doch noch in die Schraube zu bekommen.

Anlegen mit Anker statt Mooringleine

Um mit Hilfe des Ankers römisch-katholisch anzulegen, muss dieser bereit zum Fallen sein. Unter manchen Bedingungen muss die Bremse der Ankerwinsch gelöst werden, damit die Kette kontrolliert ausrauschen kann. Über die elektrische Ankerwinsch kann der Anker auch gefiert werden. Dem Anker können Sie nur vertrauen, wenn er auch richtig im Grund sitzt. Versuchen Sie ihn nicht mit der Winsch einzubuddeln, das könnte Ihnen die Sicherung übel nehmen. Geben Sie Lose auf die Heckleinen und holen Sie die Kette ein, bis sie spannt. Dann können Sie den Anker mit dem Motor in den Grund fahren. Der hält, wenn die Kette, ohne zu rucken, gespannt bleibt.

Anlegen mit Anker statt Mooringleine: bei Wind von vorne & bei achterlichem Wind © Jan Bindseil

Bei Wind von vorne:

  1. Hier können Sie mit Fahrt über das Heck anlegen oder Anker werfen und sich vom Wind Richtung Mole treiben lassen.
  2. Der Anker muss im Grund sitzen. Erst wenn Sie sich dessen sicher sind, lassen Sie Kette ausrauschen und steuern mit Fahrt über das Heck den Liegeplatz an.
  3. Bringen Sie gleich beide Heckleinen aus und holen Sie die Ankerkette ein bis sie spannt.

Bei achterlichem Wind:

  1. Die Entfernung zur Mole sollte in etwa die sechsfache Ankertiefe betragen.
  2. Fahren Sie langsam über das Heck, damit Sie den Anker nicht durch den Grund ziehen, wenn Sie die Kette mit der Fernsteuerung über die Winsch auslaufen lassen.
  3. Bringen Sie eine oder gleich beide Heckleinen aus und holen Sie Kette ein, bis diese spannt. Dann fahren Sie den Anker mit Hilfe des Motors in den Grund.

Anlegen mit Anker statt Mooringleine: bei Seitenwind © Jan Bindseil

Bei Seitenwind:

  1. Die Stärke des Seitenwindes bestimmt den Anstellwinkel. Öffnen Sie die Kupplung der Ankerwinsch und lassen Sie einen Teil der Kette ausrauschen. Beachten Sie dabei, dass diese nicht über dem Anker zu liegen kommt.
  2. Der Seitenwind wird Sie zu zügiger Fahrt über das Heck zwingen; das Crewmitglied an der Winsch muss dabei immer ausreichend Kette nachgeben.
  3. Mit Luvheckleine fest, hart Luv­ruder und Maschine voraus, halten Sie Ihr Schiff auf Position, während gleichzeitig die Ankerkette eingeholt wird, bis sie spannt. Ob Sie danach erst den Anker in den Grund fahren oder die Lee-Heckleine ausbringen, bleibt Ihnen überlassen.

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