Tödlicher Unfall: Katamaran-Seglerin von Motorboot überfahren

"Jetzt ist es passiert"

Die amerikanische Strandkatamaran-Steuerfrau Sandra Tartaglino ist während einer Regatta nach einer Kollision mit einem Motorboot gestorben. Wird die Gefahr größer?

Eigentlich geht doch fast immer alles gut. Dafür, dass sich Motorbootfahrer und Segler normalerweise mit ziemlich großen Speed-Unterschieden über das Wasser bewegen, passiert wenig.

Umso erstaunlicher war das haarsträubende Video aus Schweden vergangene Woche. PS-Junkies benutzten Segelyachten als Slalomstangen. Aber auch das erklärte sich als Sonderfall und Kommunikationsproblem zwischen den Organisatoren zweier Veranstalter.

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Kat-Seglerin Sandra Tartaglino (60) ist nach einem Motorboot-Crash gestorben.

Ein aktueller Vorfall in den entfernten Gewässern der USA macht aber nun doch klar, wie präsent das Risiko eines Unfalls zwischen Motor- und Segelbooten ist. Am Wochenende kam die Amerikanerin Sandra G. Tartaglino in der Nähe von Newport R.I. ums Leben, als ihr Formula 18 Katamaran von einem Motorboot überfahren wurde.

Langstreckenrennen mit dem Strandkat

Die 60-jährige Skipperin nahm an der New England 100 Regatta teil, einen Wettkampf mit kaum zehn Teams, den sie im vergangenen Jahr gewann. Strandkatamarane bewältigen über zwei Tage Langstreckenkurse zwischen 20 und 50 Meilen. Die Kollision fand am gegen 14:45 Uhr statt.

Die Behörden haben den Vorfall bestätigt und die Seglerin identifiziert. Die Ursachen für den Unfall werden untersucht. Schon jetzt wurde verlautbart, dass sich kein Alkohol im Spiel befunden habe.

Regatta-Teilnehmer berichten, dass es ein perfektes Segelwochenende gewesen sei. Man habe bei starkem Wind permanent weit hinten im Doppeltrapez stehen können und regelmäßig die 20-Knoten-Speedmarke geknackt.

Kollision kurz vor dem Ziel

Der Crash soll sich etwa 400 Meter vor dem Ziel des letzten Rennens ereignet haben. Die 60-Jährige Steuerfrau sei zäh wie immer gewesen und habe die anstrengende Regatta bestens gemeistert.

Tartaglino hat diese 30-jährige Jubiläumsregatta selbst organisiert und war auch bei der ersten am Start. Sie zählte zu den engagiertesten Förderern der F18-Klasse in den USA und fungierte lange Jahre als Kassenwart der Vereinigung.

Dort wird sie so beschrieben: “Sandra war eine erstaunliche Frau, eine harte Konkurrentin und liebe Freundin, von der wir alle auf und abseits des Wassers viel gelernt haben. Sie starb, als sie tat, was sie liebte. Sie ging viel zu früh. Wir werden sie wirklich vermissen.”

Ob sie die Regeln kennen?

Der Boston Globe zitiert eine F18-Seglerin, die den Unfall nicht begreifen kann. “Ich kann nicht aufhören zu weinen, wenn ich daran denke, was mit ihr passiert ist. Jedes Mal, wenn wir auf dem Wasser sind und uns Motorboote passieren, sind wir uns nicht bewusst, ob sie die Regeln kennen. Sind sie betrunken? Haben sie uns gesehen? Warum kamen sie uns so nahe? Ich schiebe beim Segeln diese Angst beiseite und habe mir immer gesagt, dass ich noch nie so einen Unfall gesehen oder davon gehört habe. Aber jetzt ist es passiert. Ich stehe unter Schock.”

Die Frage ist, ob die Gefahr für Segler größer wird. Die Motorboot-Branche wächst weiter. In den Messehallen der boot nehmen maschinenbetriebene Fahrzeuge einen immer größeren Platz ein. Haben da alle Beteiligten noch die Sicherheit im Blick?

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Volle Breitseite. Angler trifft J/105 bei Annapolis. © Maryland Natural Resources Police

In den USA sorgte vor einem Jahr ein irres Bild für Aufsehen, als ein Motorboot ungebremst über eine Segelyacht schrammte. Einige Kommentatoren sahen sogar eine Mitschuld bei den Seglern. Und auch in Kroatien musste sich ein Motorboot-Skipper verantworten, nachdem er in eine Segelyacht gerast war.

Schreckliche Ausnahme?

Unfälle zwischen Motorbooten und Seglern gibt es schon lange. Der Brasilianer Lars Grael ist wohl eines der berühmtesten Opfer. Man wird sie wohl nie gänzlich vermeiden können. Hoffentlich bleiben sie weiterhin eine schreckliche Ausnahme.

Unverständlich ist es, wenn eine Mitschuld von Seglern impliziert wird, wie es zwischen den Zeilen in einem Boston-Globe-Artikel zum Ausdruck kommt: “Der Tod von Tartaglino hat auch an die ernsten Gefahren erinnert, die mit ihrem Sport verbunden sind. Das Katamaransegeln ist sowohl physisch als auch mental eine Herausforderung, und die Segler sind anfällig für Elemente, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, wie das Wetter, die Wellen und zunehmend andere Bootsfahrer.”

Darin könnte man lesen, dass die 60-Jährige am Ende so erschöpft gewesen sein mag, dass sie in den Weg des Motorbootes gesegelt ist. So ein Quatsch! Sie befand sich in einer Regatta, hatte das Ziel vor Augen, und Konkurrenten preisen Fitnesszustand der Skipperin, den sie unter anderem mit intensiven Yoga-Einheiten auf hohem Niveau hielt.

Unwissende Beobachter neigen offenbar dazu, den Speed-Unterschied zwischen normalen Segelschiffen und Motorbooten außer Acht zu lassen. Als Segler muss man sich darauf verlassen können, dass die schnelleren Verkehrsteilnehmer in der Lage sind, rechtzeitig auszuweichen.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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