Törnbericht Pelješac: Segeln in Kroatiens Weinregion

Zu den Weinen des Pelješac

Kaum jemand weiß: Vom Pelješac kommen die besten Austern und die bekanntesten Weine Kroatiens. Und so ganz nebenbei ist die Halbinsel auch noch ein Segelrevier, das keinen Vergleich mit anderen in Dalmatiens Inselwelt zu scheuen braucht. Carl Victor hat einen Törn zu den besten Weinen des Pelješac unternommen.

© Carl Victor

Die Weine des Pelješac haben einen guten Ruf. Ihre Trauben reifen noch auf Weinbergen, die diesen Namen auch verdienen. Steil sind sie, und der Boden ist oft so karg, dass sich die Rebstöcke in den blanken Fels zu krallen scheinen. Regen gibt es meist nur im Frühjahr. Danach knallt die Sonne auf die steil nach Süd abfallenden Hänge und reift einen Sommer lang die Trauben des Mali Plavac. Der Ertrag beim „Kleinen Blauen“ ist daher gering, der Zuckergehalt aber so hoch, dass Spitzenweine mit einem Alkoholgehalt von 15,5 Vol% angeboten werden. Jung sind sie oft rau und kratzig, erst nach fünf Jahren werden sie trinkbar. Deshalb kosten auch die sechs Flaschen, die ich für den Törn einkaufe, mehr als der restliche Bordproviant.

Eigentlich wollten wir ja zu den Weinen des Pelješac segeln. Fragte sich nur wie? Zwischen den Häfen Trstenik und Orebić schmiegen sich Dörfer mit so klingenden Namen wie Dingač, Podobuče und Postup an die Hänge, hinter denen Potomje liegt. Aber nirgendwo gibt es eine Bucht oder auch nur eine Möglichkeit, offen zu ankern. Deshalb diese sechs Flaschen. Mit ihnen soll jeder Segeltag im Zeichen eines Pelješac-Weines stehen.


Der Wein des 1. Segeltages:
Plavac Mili, 14,5 Vol%, Jahrgang 2012, Traube: Mali Plavac, Winzer: PZ Stoviš, Ston.


Samstag, 12. Mai. Wir sitzen in Shorts auf der Veranda des Restaurants nahe der ACI-Marina von Dubrovnik. Noch scheint die Sonne, doch schon bald wird der Abend in eine sternenklare Nacht übergehen. In eine recht frische, doch nicht so kalt, dass man glauben könnte, was uns der Wetterbericht für morgen androht. Viel Wind soll es geben, in Böen bis zu 39 Knoten, dazu sintflutartigen Regen und Temperaturen nicht über 15 Grad.

Als wir in der Ausfahrt das Groß setzen, ist es noch friedlich. Doch kaum haben wir den Schutz des Fjordes verlassen, müssen wir die Hälfte des Tuches wegrollen. Trotzdem versucht unser Schiff auszubrechen. Schuld daran sind die Wassertanks, die der Konstrukteur ins Vorschiff verpackt hat. Sind sie voll, trimmen sie das Schiff auf die Nase. Als der Wind auf dem Raumschotkurs beständig mit über 30 Knoten in die Segel steht, steckt es daher den Bug weg, während das Heck zu einem Spielball der kurzen und immer steileren Seen wird.

In Potomje erstrecken sich die Weinreben direkt entlang der Adria – früher transportierten Esel die Weinernte über die Berge © Carl Victor

Auch sonst hält der Wetterbericht, was er uns versprach. Wenn auch mit etwas Verspätung. Erst als wir Kap Lirica voraus haben, schiebt sich von achtern eine weiße Wand heran, die uns mit vom Wind gepeitschtem Regen überschüttet. Jetzt reicht es! Zwar hatten wir geplant, heute bis Lovište zu segeln, doch nun biegen wir hinter dem Kap ab. Žuljana empfängt uns mit von den Bergen herabfauchenden Böen, die so stark sind, dass wir ohne Motorhilfe den Anker in den Sandgrund fahren können. Obwohl der Ort hübsch ist, versuchen wir bei diesem Wetter erst gar nicht, an Land zu fahren.

Langweilig wird uns nicht, denn nach dem Winterlager leckt das Boot an vielen Stellen. Als versteckt hinter dicken Wolkenbänken die Sonne untergeht, ist dieses Ungemach vergessen, denn nun ist es hoch an der Zeit, der ersten Flasche den Stoppel zu ziehen. Der Wein kommt von einem Winzer aus Ston, wo wir für heute einen Kaffee-Zwischenstopp eingeplant hatten. Doch bei diesem Yugo in das enge Fahrwasser einzulaufen, wäre ein viel zu großes Risiko gewesen.


Der Wein des 2. Segeltages:
Plavac, 12,5 Vol%, Jahrgang 2017, Traube: Plavac Mali, Winzer: Skaramuča, Potomje.


Am nächsten Morgen flüstert der Wind nur mehr mit sieben bis acht Knoten aus Ost. Wir setzen das Groß und hoffen, damit die Fahrt unter Motor um den einen oder anderen zehntel Knoten toppen zu können. Ab Dingač bleiben wir dicht an der Küste. Doch der Blick auf die von Schauern verhangenen Weinberge und die melancholisch vor sich hin träumenden Dörfer schlägt sich nur aufs Gemüt. Hinter Orebić klettert die Anzeige des Windmessers auf vierzehn Knoten. Hoffnung kommt auf, doch die zerschlägt sich, bevor wir noch Kap Osičac gerundet haben.

In der Bucht von Lovište nehmen wir eine Boje auf, deren rote Farbe uns signalisiert, dass wir uns an der Mooring finanziell wohl die Finger verbrennen werden. Als die Leinen fest sind, blinzeln ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken. Sie ermutigen uns, Bucht und Ort zu erkunden. Doch schon bald müssen wir uns vor dem nächsten Schauer in eine Kneipe flüchten. Aprilwetter im Mai! Dabei macht es durchaus Sinn, so früh im Jahr zu chartern. Die Yachten sind günstig, die Häfen leer, viele Kneipen ebenso und meist gibt es besseren Segelwind als im Sommer. Natürlich kann das Wetter mal schlecht sein. Dann muss man eben das Beste daraus machen. Wir halten uns dabei an den Wein des zweiten Segeltages, der uns den gemütlichen Salon unseres Schiffes noch gemütlicher erscheinen lässt.


Der Wein des 3. Segeltages:
Postup, 14,1 Vol%, Jahrgang 2010, Rebe: Plavac Mali, Winzer: Vinogorje Pelješac Polozai Postup.


An der Mooring neben uns hängt ein Boot, das am Heck eine große Flagge mit gelben Sternen auf blauem Grund fährt. Der Eigner scheint ein so überzeugter Europäer zu sein, dass er sogar auf eine nationale verzichtet. Das muss fotografiert werden! Als ich wieder an Deck komme, ist die Yacht weg. Ausgelaufen? Mitnichten! Sie treibt quer auf die Ausfahrt zu und schleppt in ihrem Bugwasser die rote Boje jener Mooring, die bei sieben Knoten Wind brach! Wir müssen die Crew warnen! Doch wie? Das Dingi ist bereits an Deck gezurrt, der Außenborder verstaut. Bleibt nur das Horn. Ich puste, bis mir die Puste ausgeht. Mit dem Getröte schrecke ich nur jemand an Land auf. Der springt in sein Boot und ist schon bald bei der treibenden Yacht. Wenig später hängt sie ihre Crew an eine andere Mooring und kurz darauf motort jene zielstrebig im Dingi dem Land zu. Ich hätte nur zu gerne gehört, was sie dort den Vermietern der Mooring denn so alles erzählt. Doch dafür verbleibt keine Zeit.

Aus Trstenik stammt einer der bekanntesten Winzer Kroatiens: Miljenko Grgić, der auch hier ein Weingut besitzt © Carl Victor

Die Sonne scheint, das Meer hat uns wieder! Ab Kap Lovište laufen wir hart am Wind bis unter die Südküste von Hvar. Dort dreht der Wind auf Nord und garantiert uns einen – leider sehr böigen – Anlieger bis Trpanj. Von dessen Hafen sind wir enttäuscht. Ich hatte geplant, längsseits an die Fährmole zu gehen, doch es steht so viel Schwell in den Hafen, dass wir uns ihr nicht mal nähern können. Der Yachten vorbehaltene Teil des Hafens ist heute für Schiffe einer Regatta reserviert.

Eine Lücke wäre da allerdings noch frei. Von dieser Möglichkeit müssen wir erst den Hafenmeister überzeugen und danach die Bordwände gut abfendern, bevor wir uns – Heck voran – in sie hineinpressen. Viele Häfen des Pelješac liegen noch im Winterschlaf. Nicht so Trpanj. Hier sind bereits alle Restaurants an der Wasserfront ausgebucht. Ein Glück für uns, denn so landen wir in der Konoba Škojera, die uns alles bietet, was kroatische Kneipen früher so beliebt gemacht hat. Auch guten Wein! Der wird uns im Krug serviert. Wer nun glaubt, er hätte uns die Freude auf den Wein des dritten Segeltages gemindert, dem sei versichert, dass er sich irrt.


Der Wein des 4. Segeltages:
Pošip weiß, Rukatac-Cuvée, 13 Vol%, Jahrgang 2015, Traube: Malvazia. Winzer: Madirazza winery, Potomje.


Was für ein Morgen. Nur elf Grad zeigt das Thermometer! Und das im südlichen Kroatien mitten im Mai. Erfreulich ist hingegen, dass die Windprognose heute völlig danebenliegt: Statt aus West auf die Nase, kommt der Wind aus Ost und schiebt achterlich kräftig an. Am Kap Lovište kommt zum Groß noch die Genua, und es geht flott ab Richtung Süd. Dort laufen wir in eine Flautenzone. Erst querab der Weinberge von Postup, in denen die Trauben unseres Weines für diesen vierten Segeltag reiften, dürfen wir nochmals hoffen. Doch ab Dingač bringt selbst Kreuzen nichts mehr, und so steuern wir Trstenik unter Motor an. Wie oft habe ich diesen hübschen Ort bei meinen Törns schon eingeplant? Doch immer hatte der Jugo mein Vorhaben verhindert, in die nach Südost zu offene Bucht einzulaufen.

Heute passt das Wetter, dafür wird ein Gutteil der Mole von Ausflugsbooten blockiert. Ich will schon abdrehen, da winkt uns jemand. Der freundlichen Einladung des Hafenmeisters kann ich nicht widerstehen; wenig später liegen wir an jenem Stück der Mole, die er extra für uns freigemacht hat. Zu Trstenik fällt jedem Weinkenner unweigerlich Miljenko Grgić ein. Er war als junger Mann nach Kalifornien emigriert, wo er sich mit neuen Methoden zum Keltern der Weine einen guten Namen machte. Berühmt wurde er, als er auf der Pariser Weinausstellung 1976 mit seinem kalifornischen Chardonnay die gesamte französische Konkurrenz auf die Plätze verwies. Auch in Trstenik besitzt er ein Weingut, und natürlich haben wir auch eine Flasche aus seinem Keller an Bord. Da der schwere (leider auch viel zu junge) Rotwein nicht zum heute geplanten Fisch passt, heben wir ihn uns für den letzten Tag auf.


Der Wein des 5. Segeltages:
Dingač, 15 Vol%, Jahrgang 2015, Traube: Plavac Mali, Winzer: Skaramuča, Potomje.


Wird man vom Wind gegen die Mole gedrückt, kann das Ablegen schwierig sein. Doch heute klappt es mit dem Eindampfen in eine Spring gut. Ab der Hafenmole rauschen wir mit halbem Wind hinunter zum Kap Lirica. In Landabdeckung wird der Wind erst böig, dann schläft er ganz ein. Das Wetter wird immer schöner, die Sonne brennt vom Himmel. Deshalb stört es uns nicht, dass wir den Rest dieser kurzen Tagesetappe motoren müssen. Die Passage zwischen dem Pelješac und der Insel Olipa ist zwar eng, aber überall ausreichend tief. Sie führt direkt in den Stonski-Kanal. Wo er sich dessen Fahrwasser auf wenige Meter verengt, rätseln wir lange über die Einfahrt.

Das kleine Dorf Brijesta liegt ganz in der Nähe von Ston mit seiner kilometerlangen Fest­ungsmauer © Carl Victor

Erst als wir ganz nah dran sind, sehen wir, dass ein an der Mole liegender Kat den roten Marker verdeckt. Stons Hafen wird gerade ausgebaut. Wir hatten schon in Trstenik die Liegegebühren als hoch empfunden, doch hier werden wir noch kräftiger zur Kasse gebeten. Für 60 Euro (und das bereits mit Rabatt!) dürfen wir eine Nacht an der Mole liegen. Ohne Wasser und Strom, von Duschen und Toiletten ganz zu schweigen.

Doch was solls? An den Wällen von Stons mittelalterlicher Festung kann man einfach nicht vorbeisegeln. Kilometerweit ziehen sie sich an den Berghängen entlang, bis hinüber bis zu dem ehemaligen Wehrdorf Mali Ston. Das steht bei Liebhabern von Austern ganz hoch im Kurs. Fast vor den Türen der Restaurants werden sie gezüchtet, in Anlagen, die sich (sehr zum Leidwesen der Segler) meilenweit den Kanal von Mali Ston hochziehen. Die dazu servierten Weißweine des Pelješac runden das kulinarische Ereignis gut ab. Danach bietet sich unser roter Dingač geradezu an, mit ihm den Segeltag im Cockpit ausklingen zu lassen.


Der Wein des 6. Segeltages:
Plavac Mali, 15 Vol%, Jahrgang 2016, Traube: Plavac Mali, Winzer: Grgić vina, Trstenik.


Dubrovnik gehört zu den schönsten Städten der Adria. Ein Segen, der zum Fluch wurde, als Horden von Touristen und Kreuzfahrern erst die Wälle stürmten und danach auch noch den letzten freien Platz in der Altstadt besetzten. Deshalb wollen wir diesmal das einstige Ragusa aus einer anderen Perspektive betrachten: vom Boot aus. Sicher ein Höhepunkt an diesem letzten Segeltag, wenn auch nicht der letzte. Den kündigt das Geräusch des Stoppels an, als wir ihn abends aus der letzten noch verbliebenen Flasche der Pelješac-Weine ziehen.

Die Weine des Pelješac

Dingač:
Der Dingač ist der wohl bekannteste Wein Kroatiens. Das ökologisch einwandfreie Anbaugebiet ist begrenzt, die Plavac-Mali-Traube wird spät und bereits halbtrocken geerntet. Die Lagerung in Eichenfässern sorgt für das typische Barrique-Aroma.

Postup:
Sehr ähnlich dem Dingač. Ebenfalls gut lagerfähig, aber meist mit etwas geringerem Alkoholgehalt. Sein unverwechselbares Aroma erhält er durch eine Restgehalt von unvergorenem Zucker.

Potomje:
Ein trockener Rotwein der Winzergemeinschaft von Potomje, der unter dem Esel-Logo vertrieben werden darf. Es erinnert daran, dass – bevor es den Tunnel von Potomje gab – die Trauben, auf Eseln verpackt, auf steilen Pfaden über die Berge nach Potomje transportiert werden mussten.

Pošip / Rukatac:
Obwohl der Pelješac ein Rotweingebiet ist, werden auch gute Weißweine aus der Traube Rukatac (Malvazia) gekeltert.

Pelješac:
Ein süßer, süffiger Tropfen, den es sowohl als Weiß- als auch als Rotwein gibt. Auch er wird unter dem Esel-Logo vertrieben.

Prošek:
Dieser Dessertwein ist eine Spezialität Dalmatiens. Er wird sowohl aus der Traube Mali Plavac als auch Rukatac gekeltert.

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