UFOs: Vor der US-Ostküste gingen 72 Container über Bord – die Schifffahrt wurde gewarnt

„Katastrophales Ereignis“

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Die Shanghai der Maersk-Reederei verlor 72 Container © marine traffic

Es passiert immer wieder: Container fallen über Bord und können als treibende UFOs zur Gefahr für Wassersportler werden. Tatsache ist: 72 Container sind 72 zuviel! 

Mehr als 130 Millionen Container werden jährlich über die Weltmeere geschippert. Angesichts  derartiger Mengen mag die Meldung der US-Küstenwache, dass der Containerriese „MV Maersk Shanghai“ am vergangenen Wochenende 72 Container verloren habe, lapidar erscheinen. Doch „nur“ 72 Container sind immer noch 72 Container zuviel. 

Die „Shanghai“ geriet am Samstag vor der US-Ostküste in einen Sturm mit Wellen von bis zu 40 Fuß Höhe. Dabei wurde der vollgeladene Riese entsprechend durchgeschüttelt und die offensichtlich nicht ausreichend gesicherten 72 Container gingen über Bord.

Außergewöhnlicher Vorfall?

Wie viele der „verlorenen“ Container gleich Richtung Meeresgrund absanken, wird wohl niemals geklärt werden. Im Umkehrschluss wird auch nicht bekannt werden, wieviele Container zum Teil mit Luft gefüllt noch wochen oder monatelang knapp unter der Wasseroberfläche als schwimmender Rammbock treiben. Tatsache ist, dass die US-Küstenwache die gesamte Schifffahrt aufforderte, das Gebiet vor der Küste North Carolinas mit „erhöhter Wachsamkeit“ zu befahren.

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Es muss nicht immer – wie hier – ein Totalverlust des Schiffes sein, wenn größere Mengen Container über Bord gehen © US Coast guard

Folgt man der Definition des „World Shipping Council“ (WSC), handelte es sich hierbei immerhin um ein „katastrophales Ereignis“. Denn in ihren seit einigen Jahren durchgeführten Studien über weltweite Container-Verluste auf Hoher See, bezeichnet die WSC alle Verluste von mehr als 50 Container als „catastrophic event“ (siehe auch SR-Artikel „Wenn Container baden gehen“). Allerdings geht man bei WSC davon aus, dass solche Katastrophen meist dann auftreten, wenn ganze Containerschiffe samt ihrer Ladung sinken. Dass nun in einem Sturm von einem einzigen Containerriesen 72 Boxen fallen, wird selbst bei der WSC als außergewöhnlich bezeichnet. Und dürfte für Maersk Line als weltweit größte Container Reederei mit mehr als 650 Schiffen und dem „höchsten Sicherheitsanspruch weltweit“ entsprechend penibel sein. Nicht zuletzt, weil Maersk mit seiner „Svendborg“ im Jahre 2014 den bis dato größten Verlust an Containern (ohne Verlust des Schiffes) zu verbuchen hatte: In einem Sturm in der Biskaya gingen damals sage und schreibe 520 Boxen über Bord. 

Wal oder Container?

In einem Studien-Update, das die WSC mit Zahlen aus dem Jahre 2017 veröffentlichte, fiel die Anzahl (gemeldeter), einzelner Container, die über Bord gegangen waren, immerhin auf durchschnittlich 617 per anno im Laufe der letzten drei Jahre. „Katastrophale Ereignisse“ sind hier aber nicht mit einberechnet. Inklusive Katastrophen wurden im Jahresmittel (über die letzten drei Jahre) 1.390 verlorene Container gezählt.  Umweltschutzorganisationen sprechen dagegen von Zehntausenden Containern, die jährlich über Bord gehen. 

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40-Fuß-Wellen schütteln auch Containerriesen durch © US Coast Guard

Über die Anzahl Yachten, die pro Jahr aufgrund einer Kollision mit einem UFO (Unidentified Floating Object) sanken, werden derzeit keine verlässlichen Statistiken geführt. Entsprechend unklar ist auch, ob die Yachten mit Container oder etwa einem Wal oder einem großen Fisch wie Walhai oder Mondfisch zusammenstießen. Wurden noch vor wenigen Jahren besonders häufig Container als Kollisions“gegner angegeben, mehren sich derzeit die Angaben, dass man „möglicherweise mit einem Wal zusammengestoßen“ sei. 

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