Ultim Skipper: Cammas/Caudrelier – Volvo-Ocean-Sieger bekommen Gitana-Cockpit

Traumjob

Der zurzeit heißeste Job im Offshore Zirkus ist vergeben. Der reparierte 100-Fuß-Foiler-Trimaran Gitana aus dem Hause Rothschild soll nach der überraschenden Trennung von Sebastien Josse nun von zwei Skippern geführt werden. Besonders einer hievt sich damit aus dem Karriere-Tief.

Franck Cammas ist eigentlich einer der großen Namen im französischen Hochsee-Rennsport. Aber in jüngster Zeit hatte er Probleme. Der inzwischen 46-Jährige startete seine Regatta-Karriere zwar spät, aber dann mächtig durch, als er sich nach dem Abitur gegen den Job als Mathemathik-Spezialist und für das Segeln entschied.

Als 420er-Steuermann auf nationalem Niveau und Segellehrer hatte er sich in Marseille mit dem Sport beschäftigt aber dann in der Bretagne eine Nachwuchs-Veranstaltung gewonnen, die ihm Zugang zu einer Figaro II verschaffte. Zwei Jahre lang segelte er in der Einhand-Figaro-Serie gegen die Besten und gewann sensationell mit nur 24 Jahren die Solitaire du Figaro Regatta.

Verrückte ORMA-Skipper

Danach verlief sein Aufstieg zu einem der besten französischen Profisegler rasend schnell. Das Timing war perfekt, da sich gerade die neue ORMA-Trimaran-Rennserie im Aufschwung befand. Junge, frische, wilde Skipper wurden gesucht, die verrückt genug waren, die 60-Fuß-Rennmaschinen auch alleine zu segeln.

Cammas Caudrelier

Franck Cammas (l.) und Charles Caudrelier Seite an Seite © Yann Riou / Polaryse / Gitana SA

Die französische Versicherungsgruppe Groupama sicherte sich die Dienste des Aufsteigers, stattete ihn mit einem üppigen Budget und bestem Material aus, und Cammas dominierte die Rennserie gegen die Besten des Landes. Von 2000 bis 2007 siegte er sechsmal.

Groupama blieb ihm 20 Jahre lang treu verbunden, baute ihm den 105-Fuß-Maxi-Trimaran “Groupama 3”, mit dem er den 24 Stunden Rekord brach und 2010 die Jules Verne Bestzeit aufstellte. Für das Volvo Ocean Race 2012/13 bekam Cammas noch eine überlegene Kampagne finanziert und dominierte mit der schnellsten Yacht.

Olympia-Kampagne im Nacra17

Danach fokussierte sich der Franzose eher auf küstennahe Rennkurse und versuchte sich mit gemischtem Erfolg bei der Extreme Sailing Series auf 40 Fuß Katamaranen. Dann wollte er die aufkommende Foiler-Technik durchdringen und nahm sich den schwächelnden Little America’s Cup mit den fliegenden C-Class-Katamaranen vor. Er gewann zweimal und bewarb sich parallel auch um einen Nacra17 Olympia-Spot für Rio 2016, kam über zwei 22. WM-Plätze aber nicht hinaus.

Gitana

Gitana in der Flugphase. © Eloi Stichelbaut / Gitana SA

Es sollte die Vorstufe zum echten America’s Cup werden. Aber das ging ziemlich in die Hose. Groupama investierte nicht ausreichend Geld, Cammas verlor bei einem Unfall mit dem GC32 Trainings-Foiler fast den Fuß, und die Kat-Konstruktion für 2017 in Bermuda war schließlich nicht konkurrenzfähig.

Seitdem war von dem französischen Überflieger sportlich nicht mehr viel zu hören. Die Träume von einer besser finanzierten zweiten Cup-Kampagne zerschlugen sich nach dem Abschied von Katamaran-Design. Dann erhielt er nicht einmal den Zuschlag, als Russell Coutts ein französisches Team für den neuen SailGP aufbaute. Er hielt ihn nicht für gut genug und erwählte stattdessen Nacra-Weltmeister Billy Besson, um die französischen Farben zu vertreten.

Cammas backt inzwischen kleine Brötchen, bringt den Omanis das Segeln bei, segelte mit ihnen auf der arabischen Tour mit den kleinen Diam 24 Trimaranen hinterher und greift im Figaro-Zirkus nicht selber mit ein. Es sieht so aus, dass er seinen Marktwert nicht weiter aufs Spiel setzen möchte.

Mit Caudrelier im Duett

Die Karriere schien einen Knick bekommen zu haben. Er schielte zwar durchaus auf den Gitana Skipper-Job, aber selbst Samantha Davies schien bessere Karten zu haben. Aber nun ist der erfahrene Segler plötzlich wieder obenauf. Er hat tatsächlich den Zuschlag für den Traumjob der Profi-Offshore-Skipper.

Der Gitana-Rennstall hat bekannt gegeben, dass er den 100 Fuß Maxi Edmond de Rothschild skippern soll, neben “Sodbeo” von Thomas Coville die zurzeit wohl schnellste, aktive Hochsee-Rennmaschine der Welt. Sie musste die Route du Rhum nach einem Bruch des Steuerbord-Schwimmers aufgeben, wird seitdem aber repariert und weiterentwickelt.

Gitana

Als das Schiff noch intakt war. © Eloi Stichelbaut / Gitana SA

Aber Cammas soll nicht alleine die Skipper-Rolle übernehmen. An seiner Seite steht Charles Caudrelier, der beim jüngsten Volvo Ocean Race-Sieg mit Dongfeng seine Qualitäten bewiesen hat und eine logische Wahl ist. Auch weil Gitana ankündigt, mehr Crew-Rennen bestreiten zu wollen als bisher.

Cyril Dardashti, Direktor von Gitana, erklärt: “Nach dem Ende unserer Zusammenarbeit mit Sébastien Josse suchten wir einen neuen Skipper, der das Ruder des Maxi Edmond de Rothschild übernimmt. Während des Auswahlprozesses kamen wir sehr schnell auf das Thema Zweihand-Segeln. Denn der Höhepunkt der Ultim-Klasse 2019 ist die Veranstaltung Brest Atlantiques, (Brest-Rio de Janeiro-Cape Town-Brest). Ein Zweihand- Rennen über 14.000 Meilen – eine halbe Weltumrundung.

Start ist am 3. November. Und es wird eine gewaltige Herausforderung für die Segler, die das Schiff erstmals Ende Mai, Anfang Juni segeln können wird. Für dieses Rennen wurde das Duo aus Franck und Charles ziemlich schnell zur naheliegenden Wahl. Daraus entstand der Plan, auch eine langfristige Zusammenarbeit anzustreben.”

“Perfekte Konfiguration”

Charles Caudrelier , der schon von 2013 bis 2016 mit dem Gitana-Team und Sebstien Josse segelte, sagt: “Ich kenne Franck sehr gut und habe die Zusammenarbeit mit ihm immer genossen. Wir sind unsere ersten Rennen gemeinsam gefahren, wir ergänzen uns hervorragend. Der zweite Grund ist, dass wir mit den Ultimes in eine völlig neue Ära starten. Wir fangen an zu fliegen und entdecken neue Dinge. Hier sind wir in der perfekten Konfiguration, um wirklich das Beste aus dem Boot zu holen.”

Franck Cammas, der seit acht Jahren nicht mehr im Offshore-Zirkus aktiv war, bestätigt: “Ich vertraue seinen intellektuellen Fähigkeiten, seiner Ehrlichkeit und den gemeinsamen Überlegungen, die uns vorwärts bringen. Wir wissen, dass wir nie etwas voreinander verbergen werden und immer versuchen, uns gegenseitig zu helfen. Jeder von uns ist ziemlich bescheiden, und wir sind neugierig. Ich mag seine Denk- und Arbeitsweise.”

Zu Beginn soll Franck Cammas eher das Kommando übernehmen, wenn die Einhand-Elemente der Saison  stärker betont sind.  Das wird besonders 2020 beim Transat der Fall sein. Danach soll Charles Caudrelier mehr Verantwortung erhalten und den Route-du-Rhum-Sieg 2022 ins Visier nehmen.

Cammas Verantwortlichkeit in den ersten beiden Jahren
2019
3. August   Rolex Fastnet Race // crewed
3. November   Brest Atlantiques (Brest-Rio de Janeiro-Cape Town-Brest // double-handed
2020
Mai   The Transat  // singlehanded
Sommer   North Atlantic Rekord // crewed or singlehanded
Herbst   Jules Verne Trophy // crewed
Der Übergang
2021
May – June   The Arch (Tour of Europe mit Stopps) // crewed
Autumn   Round the World race mit Start im Mittelmeer // crewed
Caurdrelier übernimmt die Verantwortung
2022
Rekorde   Discovery Route, North Atlantic… // crewed, singlehanded
November   Route du Rhum – Destination Guadeloupe  // singlehanded
2023
Rekorde   Discovery Route, North Atlantic… // crewed, singlehanded
Dezember   Brest Océans // singlehanded

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Ultim Skipper: Cammas/Caudrelier – Volvo-Ocean-Sieger bekommen Gitana-Cockpit“

  1. avatar coist sagt:

    So ein Tief hätt ich auch gern mal erlebt 😀

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  2. avatar Henk dein Pruuuter sagt:

    Franc alter Sack, zeigs Ihnen!

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