Wracks: Amerikaner mit neuem GFK-Recycling-Projekt – inspiriert von deutscher Technik

Aus Boot wird Zement

Recycling, Yachten, GFK

Jeder Club kennt sie, diese vergessenen, vor sich hingammelnden Boote aus GFK. Doch wohin damit? © miku

Das „Fiberglass Vessel Recycling Project“ wird derzeit in der US-Segelszene gefeiert. Das Projekt sei von Deutschen Technologien inspiriert. Wird aus dem Sorgenkind GFK ein Recycling-Primus? 

Was passiert mit dem Plastikmüll in den Ozeanen? Die Frage hat derzeit Hochkonjunktur! Gefühlt „alle Welt“ setzt sich zumindest verbal dafür ein, dass die Sieben Meere unseres nicht mehr ganz so Blauen Planeten baldmöglichst von den Abermillionen Tonnen Müll befreit werden, die darin meist in großen Mahlströmen herumtreiben.

Und das ist gut so. 

Doch dabei geriet eine weitere, naheliegende Frage ins Abseits: Was passiert mit dem (potentiellen) Müll, der AUF den Meeren und Ozeanen schwimmt, segelt, fährt oder treibt? 

Anders formuliert: gibt es für unsere Yachten und Boote ein Leben nach dem Tod, pardon: Abwracker?

Auch dieses Thema wurde bereits heftig diskutiert und beschäftigt die Wassersport-Szene seit Jahrzehnten – allerdings mit deutlich abnehmender Tendenz. 

Der Großteil moderner Boote und Yachten wurde und wird bekanntlich aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) hergestellt. Und dieser Verbund aus Kunststoff und Glasfasern hatte neben unbestrittenen Vorteilen beim Bau und im Einsatz einen gewichtigen Nachteil: Er ließ sich nach dem Abwracken nur schwer in seine Einzelteile zerlegen und war somit nicht recycelbar.

Dieser letzte Satz ist ganz bewusst in der Vergangenheitsform geschrieben, denn es tat sich in den letzten Jahren einiges, um GFK dem Kreislauf der Wiederverwertung zuzuführen. Nur ging es dabei eher selten um das Recycling von Yachten und Booten. Was sich aber hoffentlich bald ändern wird.

Wohin mit den GFK-Wracks?

Jeder Wassersportverein hat mittlerweile mindestens eines dieser Sorgenkinder irgendwo auf dem Clubgelände rumliegen. GFK-Boote und -Yachten, die vor sich hingammeln, um die sich keiner mehr kümmert, vor die man am liebsten einen Vorhang ziehen möchte. Wenn sich dann der Clubvorstand entschließt, endlich das Boot zum Abwracker zu bringen, wurde ihm dort meist erklärt, dass eine ökologisch sinnvolle Wiederverwertung des GFK-Rumpfes unmöglich sei. Kurz: Das Boot wurde in Kleinteile zerschreddert, die meist in Deponien „verschwanden“. Manchmal kam es vereinzelt zur Beimischung von GFK-Teilen im Straßenasphalt.

Derzeit gibt es für die europäischen Wassersportnationen meist nur vorsichtige Schätzungen, wieviel GFK-Bootsschrott in welchen Ländern tatsächlich zu verwerten wäre. So wurde etwa in den Niederlanden vor drei Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, die theoretisch nachweist, dass spätestens ab 2025, wenn die als „Babyboomer“ bekannten Jahrgänge so langsam aber sicher aufhören werden, ihrem Wassersporthobby zu frönen, hohe Mengen an GFK-Müll zu verarbeiten sein werden. Die niederländische Studie spricht von 35.000 Booten unter aktuell einer halben Million aktiver Boote und Yachten. 

Recycling-Verfahren, die längst existieren

In den USA vermuten Dachorganisationen wie die „BoatUS Foundation for Boating Safety and Clean Water“ bereits mehrere Millionen dieser GFK-Wracks, die vor sich hingammeln, aber eben nicht verrotten. 

In Rhode Island erhielt nun das „Fiberglass Vessel Recycling Project“ das von der Rhode Island Marine Trades Association und dem Rhode Island Sea Grant verwaltet wird, einen Zuschuss über 10.000 US Dollar, „für die Entwicklung von Prozessen zur Umwandlung alter GFK-Boote in Zement“! 

Recycling, Yachten, GFK

Zwei Wracks. Doch das kleine bleibt uns ein paar hundert Jahre länger erhalten, als das große. © miku

“Die Chemikalien im Glasfasergewebe sind vielen der im Zement verwendeten Rohstoffe wie Kieselsäure und Kalzium sehr ähnlich und können zur Herstellung von Zement verwendet werden”, sagte Projektleiter Evan Ridley. “Wir wollen sehen, ob dieser Ansatz eine Möglichkeit bietet, mit einer wachsenden Anzahl von Altbooten umzugehen.”

Das Projekt sei von einem deutschen Programm inspiriert worden, das alte Rotorblätter von Windkraftanlagen, die zu einem großen Anteil aus GFK bestehen, recycelt und ebenfalls für den Einsatz in der Zementproduktion verwendet. 

Der Bundesverband der Windenergie informiert hierzu: „Die Herausforderung bei der Wiederverwertung von glasfaserverstärkten Verbundwerkstoffen liegt in deren Materialzusammensetzung. Eine thermische Verwertung ist in spezialisierten Betrieben möglich. Eine effiziente Nutzung des in den Rotorblättern enthaltenen GFK-Materials bietet der Zementindustrie eine Alternative zu fossilen Brennstoffen (wie zum Beispiel Schweröl). Die bei der Verbrennung anfallenden Aschen enthalten einen sehr hohen Anteil an Mineralstoffen und lassen sich daher gleichzeitig als Rohstoffsubstitut in der Zementherstellung nutzen.“ 

Recycling, Yachten, GFK

GFK-Wrack an der Boje © miku

Auch große deutsche „Spezialisten für Demontage, Zerlegung und Recycling“ werben bereits für dieses Verfahren (u.a. Roth International). Und weisen explizit darauf hin, dass auch GFK-Boote und -Yachten vollständig recycelt werden können. 

Wird so also aus dem „Sorgenkind“ GFK eine Art Primus, mit dem dank Recycling sogar noch Ressourcen geschont und Rohstoffe gespart werden können? Der Leiter des amerikanischen Projektes in Rhode Island sieht das jedenfalls so: „Boote, die aus Verbundwerkstoffen gebaut werden, bieten nun unserem Land eine faszinierende Chance, ein neues Netzwerk für die Sammlung und das Recycling hochwertiger Abfälle aus Tausenden anderer Verbundwerkstoffprodukten aufzubauen, die derzeit nur deponiert werden“.

Er wolle mit seinem Projekt anregen, dass auch Wassersportvereine in anderen Staaten in den USA sich an einem entsprechenden Recycling-Netzwerk beteiligen. Die Kostenfrage müsse aber noch geklärt werden, heißt es. 

Macht das „Schule“?

Es ist Tatsache, dass ein Verfahren, wie es jetzt von den Amerikanern propagiert wird, bereits seit einigen Jahren in Europa und speziell in Deutschland von (wenigen) spezialisierten Abwrackern bzw. Demontage-Unternehmen angeboten wird. Die Problematik bei der ökologisch korrekten Entsorgung liegt also nicht mehr im Verfahren als solchem, sondern bei Transportwegen und entsprechenden Transportkosten sowie beim Kostenfaktor des recycelbaren Abwrackens. Ein entsprechendes Netzwerk für Europa, wie es die Amerikaner jetzt für die USA anpeilen, könnte also auch in Europa oder Deutschland helfen. 

In jedem Fall sollte aber die Gewissheit Schule machen, dass GFK-Bootsrümpfe – Transport- und der damit verbundene Kostenfaktor hin oder her – tatsächlich recycelbar sind. Wenn das auch nur wenige Abwracker ökologisch korrekt erledigen können.

Und so könnte das Recycling von GFK einen weiteren Kreis schließen. Denn vielleicht kommen dann ja wieder Bootsrümpfe aus Zement „in Mode“?

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Wracks: Amerikaner mit neuem GFK-Recycling-Projekt – inspiriert von deutscher Technik“

  1. avatar rudolf sagt:

    der einzige betrieb in deutschland der gfk als ersatzbrennstoff aufarbeitet hat bis dato noch kein gfk boot entsorgt.
    der “lieferant” des gfk abfalls, der dort zu einem ersatzbrennstoff aufgearbeitet wird pro tonne zahlen muss. der mit anderen abfallprodukten erstellte ersatzbrennstoff (mit einem sehr geringen brennwert) wird vom cementwerk auch nur gegen zahlung angenommen. die anzahl der cementwerke die diese stoffe annehmen ist (sehr) überschaubar..
    der letzte besitzer eines bootes hat also ein nicht zu unterschätzendes risiko …
    es gibt wenig alternativen – spielplatzaustattung vielleicht -deponieren von gfk abfällen ist in deutschalnd untersagt.

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