Umwelt: Größte Superyacht der Welt “REV Ocean” – Milliardär will auch Müll sammeln

Der Menschheit helfen

An Bord der REV Ocean können 55 Wissenschaftler und 35 Crew-Mitglieder untergebracht werden. © revocean.org

Das Forschungsschiff “REV Ocean” ist mit 183 Meter die weltweit größte Superyacht. Der norwegische Milliardär Kjell Inge Røkke will damit erforschen lassen, wie den Meeren und der Umwelt am besten zu helfen ist.

In der rumänischen Werft VARD Tulcea ist nach 18 Monaten Bauzeit der Stapellauf von “REV Ocean” erfolgt, der 183 Meter langen Yacht, die unter anderem den Kampf gegen den Plastikmüll aufnehmen soll.  Die größte Superyacht der Welt ist auf dem Weg über die Donau durch das Schwarze Meer und den Bosporus, die Straße von Gibraltar bis zur VARD-Werft in Brattvag, Norwegen. Dort erhält das Schiff  seine wissenschaftliche und technische Ausrüstung. Die Reise soll 30 bis 35 Tage dauern und kann hier mitverfolgt werden. 

Der Bau des Schiffes geht auf die Initiative des Milliardärs Kjell Inge Røkke zurück der zu diesem Zweck 2017 eine Stiftung gründete und sie finanziert. Er trat der Giving Pledge-Kampagne bei, in deren Rahmen die Unterzeichner versprechen, mehr als 50 Prozent ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Mit langem Wulstbug. © revocean.org

REV Ocean bemüht sich, kritische Wissenslücken bei Umweltproblemen zu schließen, und innovative Lösungen zu entwickeln. Die Organisation will die Bereiche Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu verbinden. Dabei soll das Schiff eine besondere Rolle in der Meeresforschung spielen. Es ist für Missionen ausgerüstet, die das gesamte Meeresökosystem abdecken.

Wissenschaftlern sollen Themen bearbeiten wie die Auswirkungen der CO2-Emissionen auf den Ozean, die Plastikverschmutzung oder Informationen zum Fischbestand sammeln und Vorschläge zum nachhaltigen Fang entwickeln.

Die Yacht bietet Platz für 55 Wissenschaftler und 35 Besatzungsmitglieder. Zur Ausrüstung gehören wissenschaftliche Schleppnetze, Sonarsysteme, Labore, Auditorien und Klassenzimmer, und U-Boote. Sie können Untersuchungen in einer Tiefe von bis zu 6.000 Metern vornehmen.

Sie sollen den Meeresboden untersuchen, Wasserqualitäten messen oder gesunkene Wracks auf giftige Inhalte untersuchen.

Die „REV“ soll aber auch als Müllsammel-Schiff aktiv werden. Das Forschungsschiff wird eine Müllsauganlage an Bord haben, mit der schwebende Mikro-Plastikteile oder ganze Müllteppiche auf der Wasseroberfläche abgesaugt werden. Dieser Müll wird dann gleich an Bord emissionsfrei verbrannt – eine Lösung, auf die internationale Forscherteams besonders gespannt sind. Zumal Geld bei diesem Unternehmen offenbar nur eine sekundäre Rolle spielen wird.

Wie hoch der finanzielle Einsatz des 59-jährigen Røkke sein wird, wurde bisher nicht bekannt. Aus Werft-Kreisen ist zu vernehmen, dass allein der Bau des Schiffes deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegt. Zudem hat der Milliardär – er gilt derzeit als der zehntreichste Norweger – schon sichergestellt, dass er nach Fertigstellung des Forschungs- und Müll-Schiffes ab 2020 ein 60-köpfiges Wissenschaftlerteam und die etwa 30 Crewmitglieder an Bord langfristig bezahlen will. 

Die ansonsten als eher zurückhaltend bekannte, norwegische Bevölkerung zeigt sich durchweg begeistert von dem Vorhaben und traut „ihrem“ Kjell Inge Røkke einen durchaus bahnbrechenden Erfolg im Kampf gegen die Verschmutzung der Ozeane zu. 

Fischer vor Alaska

Der Milliardär hat eine „klassische“ Tellerwäscher-Millionär-Karriere hinter sich: Røkke verließ früh die Schule in Norwegen, siedelte nach Seattle in die USA über, arbeitete auf einem Fischerboot, kaufte dasselbe, hatte kurze Zeit später eine ganze Flotte, stieg später in das Ölbusiness ein und und und… 

Im Alter von 38 Jahren kam er als Multimillionär zurück nach Norwegen, um dort sein Vermögen erst richtig aufzustocken. Er gilt seither als der erste norwegische Businessman, der den knallharten US-Verhandlungsstil in sein Heimatland brachte. Womit er sich nicht nur Freunde machte. 

Kjell Inge Røkke , Müll, Umweltverschmutzung

Die Flotte des Milliardärs ist standesgemäß – unter anderen eine der weltgrößten Superyachten, die “Reverie” © TRK

Der als „hemdsärmelig“ bekannte Selfmademan hat oft mit einem eher schillernden Privatleben Schlagzeilen gemacht. Der Fußballfan unterstützte mehrere große Sport-Teams (u.a. den Fußball-Verein Wimbledon in England) und baute sogar ein Stadion in Norwegen. Er besitzt zudem eine der größten Motoryachten der Welt, die 70 Meter lange „Reverie“ von Benetti.

Doch in die Herzen der Norweger brachte er sich vor allem mit „volksnahen“ Aktionen. So fuhr er etwa mit seinem ziemlich luxuriös umgebauten Fischkutter im Hafen von Oslo ein, um dort seinen Fang neben den anderen Fischern direkt auf der Mole zu verkaufen. 70 Kronen verlangte er für einen Eimer Krabben. Die rein „zufällig aufgetauchten“ Journalisten mussten jedoch pro Eimer 100 Kronen mehr bezahlen! 

Im Jahre 2005 saß Røkke sogar drei Wochen, offenbar wegen Bootsführerschein- und Lizenzstreitereien und wegen Korruptionsversuch, im Knast. Warum genau „ihr“ Røkke damals „brummen“  musste, weiß heute kaum noch jemand. Doch die Geschichte von seiner Freilassung kennt jeder: Gleich nachdem der Businessman wieder „draußen“ war, spendierte er allen Zellenkollegen und anderen Knastbrüdern für Tausende Dollar wochenlangen Pizzaservice. Er wisse schließlich jetzt, was die Jungs da drin am meisten brauchen, soll Røkke gesagt haben. 

Die Aktion „REV“ versteht der norwegische Erfolgsmensch als einen Beginn. Er wolle der Gesellschaft, vor allem aber dem Meer ein Maximum wieder zurückgeben. „Das Meer ist die Grundlage meines Reichtums, meines Lebensglücks und meiner Fortune. Ich kann und darf einfach nicht zusehen, wie die Ozeane vor die Hunde gehen!“ 

Doch wer weiß, vielleicht sieht der findige Geschäftsmann in der „REV“ auch ein Projekt mit Zukunftspotential. Wäre doch mal was anderes, wenn sich zu Gunsten der Ozeane auch noch Geld verdienen ließe…

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Ein Kommentar „Umwelt: Größte Superyacht der Welt “REV Ocean” – Milliardär will auch Müll sammeln“

  1. avatar Marlisa sagt:

    Schön, wenn jemand seine Lebenszeit NICHT damit verbringen muss, sich ausschließlich um das Bezahlen von Lebenshaltungs- und Mietkosten abzurackern und mit seinem großzügigen Reichtum etwas unternimmt, was der Allgemeinheit zu Gute kommt. An dieser Stelle meine freundliche Wertschätzung! Aber es bleibt die Frage: WARUM gibt es so viel Müll in den Meeren? ((Sicherlich nicht wegen der Naturkatastrophen, bei denen ganze Haushalte gezwungenermaßen im Meer landen, – was nur der Kategorie “schlimm und traurig und nicht beabsichtigt” zuzuordnen ist)). Und der große Rest?

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar zu Marlisa Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *