Unglück: Keine Hoffnung mehr für Chinas Segelheld Chuan – Das könnte passiert sein

Auf See geblieben

Die Suche nach dem chinesischen Solosegler Guo Chuan (51) ist abgebrochen worden. Ein Video zeigt den herrenlos segelnden Trimaran von Boris Herrmanns Segelpartner.

Guo Chuan

Chuan mit seinem 30 Meter Trimaran beim Start unter der Golden Gate Bridge. © Chuan

Guo Chuan, der bekannteste chinesische Segler, mit dem Boris Herrmann die Nordostpassage bezwungen hat, ist offenbar auf See geblieben. Am 18. Oktober 2016 war er gestartet, um einhand den Transpazifik-Rekord von San Francisco nach Shanghai unter die Zeit von 21 Tagen zu drücken. Aber dann hat das Team mehrere Hundert Kilometer westlich von Hawaii den Kontakt zu ihm verloren.

“Wir sind sehr traurig, dass wir als Guos Team seinen Account auf diese Weise nutzen müssen”, schrieb ein Teammitglied auf Chuans Facebook-Seite. “Wir sind am Boden zerstört, hoffen aber, dass er doch in Sicherheit ist.” Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass Chuan offenbar über Bord gegangen ist.

Die US-Küstenwache suchte den Chinesen mit einem Flugzeug, Kreuzer und Helikopter. Ein Rettungsschwimmer untersuchte den Trimaran, der mit gesetzem Groß herrenlos auf dem Pazifik triebt. Die Rettungsweste des Chinesen soll gefunden worden sein, aber keine Spuren vom Skipper selbst. Dafür trieb der Gennaker im Wasser.

Sein Team hält zwei Szenarien für möglich, die passiert sein können:

1. Chuan segelte mit einem Reff im Groß und Gennaker bei 13 bis 20 Knoten Wind. Am Ende des Tages entschied er den Gennaker einzurollen, um sicherer durch die Nacht zu kommen. Danach versuchte er die Rolle in Luv zu bergen, was bei starkem Wind ein schwieriges Manöver für einen Solosegler ist. Er muss das Fall lösen und gleichzeitig die armdicke Segel-Wurst bändigen. Dabei mag ihm das Fall entglitten sein, und der Gennaker fiel in Lee ins Wasser. Beim Versuch, das Problem zu beheben kann er über Bord gefallen sein.

2. Chuan segelte mit einem Reff im Groß und der J1-Roll-Fock bei den 13 bis 20 Knoten Wind auf dem Vorwindkurs, was für die Nacht die sicherste Kombination ist. Der Gennaker war noch gesetzt aber aufgerollt. Dann brach aus unbekannten Gründen das Fall. Chuan rollte die J1-Fock ein, um das Boot abzustoppen und den Gennaker aus dem Wasser zu bergen. Bei den Arbeiten öffnete er kurz die Lifeline, um seine Position auf dem Boot zu verändern. Dabei wurde der Gennaker von einer Welle wieder ins Wasser gezogen, und er riss den Skipper mit über Bord.

Chuan soll für solche Manöver eine Rettungsweste mit einer Sicherheitsleine und einem Rettungssender dabei gehabt haben, sagt sein Team.  Aber auch im ersten Szenario habe er die Sicherheitsleine kurzfristig lösen müssen.

Guo Chuan,

Guo Chuan, der bekannteste chinesische Segler. © Chuan

Zuvor hatte die staatliche chinesische Nachrichten-Agentur Xinhua berichtet, dass sein Team den Kontakt zu dem Segler verloren hat. Der 30 Meter Trimaran des 51-Jährigen, der 2013 als erster Chinese einhand nonstop um die Welt gesegelt ist, und dabei mit 137 Tagen die Classs40-Richtzeit vorgegeben hat, die zurzeit von dem Italiener Mura und ab dem Wochenende vom Hamburger Jan Hamester gejagt wird, ist danach gefunden worden.

Auf dem ehemaligen Multihull des französischen Rekordseglers Francis Joyon wurde inzwischen das Großsegel geborgen und ein Sender angebracht. Er treibt weiterhin ohne Besatzung auf dem Pazifik. Warnungen an die Schifffahrt wurden ausgesendet. Das Team von Chuan prüft die Möglichkeiten, das Schiff zu bergen.

Guo Chuan

Eines der letzten Bilder von Guo Chuan bei den finalen Vorbereitungen vor dem Start zum Einhand Trip nach Shanghai. © Chuan

Guo Chuan ist der erste und einzige Profi-Segler aus China. Er hat bei seinen Landsleuten durch die Teilnahme als erster chinesischer Segler 2006 am „Clipper Round the World Race“ Aufmerksamkeit erlangt. Danach segelte er als Onboard-Reporter mit Green Dragon  beim VOLVO Ocean Race 2008 – 2009 um die Welt.

Er brachte die olympische Fackel unter Segeln nach China zu den Sommerspielen 2008. 2011 nahm er am Mini Transat Rennen teil und 2013 bewältigte er die 21.600 Seemeilen um die Welt mit seiner Class 40 einhand und non-stop.

Die Segelwelt hält den Atem an. Vielleicht hat sich Chuan doch noch irgendwie retten können.

 

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Carsten Kemmling

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