Unruhestandssegeln: 80-jähriger Jon Sanders ist zur 11. Einhand-Weltumseglung aufgebrochen

„Sag’ niemals nie!“

Seine Rekorde auf See sind längst Legende. Und an Land hält er es einfach nicht aus . Also machte sich der Australier nochmals auf – diesmal im Dienste der Forschung. 

Es gibt bekanntlich Segler und Seglerinnen auf den Ozeanen dieses Planeten, die können den Hals nicht vollkriegen. Für diese Menschen ist Segeln Leidenschaft, Passion, das höchste aller Gefühle. Sie lieben und leben Segeln, sind süchtig nach der damit unweigerlich verbundenen Freiheit. Dass dabei immer wieder Höchstleistungen aufgestellt und Rekorde gebrochen werden, ist angenehmes Beiwerk. Was wirklich zählt, ist die Handlung als solche: Segeln, segeln, nichts als segeln. 

Jon Sanders kann man eindeutig dieser Kategorie „Homo Vela“ zuordnen. Der 80-jährige Australier gilt nicht nur down under als Segelheld par excellence, sondern begeistert(e) auch in den nördlichen Hemisphären immer mehr Menschen. Eben solche, die sich auf und davon machen, um sich endlich davon zu überzeugen, dass es hinterm Horizont tatsächlich weiter geht.

71.000 Seemeilen nonstop

Was hat dieser Jon Sanders nicht schon alles „ersegelt“: Er war der erste Einhandsegler, der die Antarktis zwei Mal umrundete und so die fünf südlichsten Kap zwei Mal passierte, ohne auf seinem Törn anzulegen. Er hält seit Jahrzehnten den Rekord für die längste Zeit einhand unter Segeln: 71.000 Seemeilen nonstop, 658 Tage auf See. Einsamkeit, was ist das? 

Jon Sanders bei seiner letzten Rückkehr © sanders

Als „nette Nebensächlichkeiten“ bezeichnet Sanders ins seinen Blogs die Liste seiner Ozean-Törns: Er überquerte den Indischen Ozean 14-, den Atlantik 11-, den Pazifik 12-mal. Am Kap Hoorn segelte er fünfmal vorbei, am Kap der Guten Hoffnung 11-mal. (SR-Porträt)

Wohlgemerkt, es kam Sanders ein Leben lang eben nicht auf diese Art Rekorde an. Spricht man ihn auf seine unzähligen, geloggten Seemeilen an, winkt er meist lässig ab. Das sei eben so mit Typen wie ihm, sagte er kürzlich einem australischen Lokalsender. Er fühle sich eben nur auf Hoher See so richtig zuhause. 

„Es“ treibt ihn nochmal raus

Kürzlich startete Jon Sanders im Australischen Fremantle zu seiner 11. Weltumseglung. Mit einem für australische Verhältnisse eher kleinen Medienhype machte sich der Blauwassersegler erneut auf den Weg, hauptsächlich die südliche Halbkugel zu erkunden.

Warum er nun als Ü80-Langfahrtsegler erneut „rundum“ will, haben wir in unserem letzten Artikel über Sanders klargestellt. Stichworte: Notorisches Bedürfnis nach Einsamkeit auf Hoher See, entsetzliche Langeweile an Land, Besorgnis über den Zustand seiner geliebten Ozeane.

Kurz nach der Abfahrt zum 11. Rundum-Törn © tasker sails

Besonders der letztgenannte Punkt treibt ihn wohl nochmals raus. Denn Sanders wird für ein Meeresforschungsprojekt an den entlegensten Stellen der Ozeane Wasserproben sammeln, die er dann in bereits festgelegten Häfen den Wissenschaftlern übergibt. Was wiederum der einzige Grund sei, warum er diesmal eben nicht nonstop um die Welt segle. 

Praktisch: Freundschaft mit Segelmacher

Seit Beginn seiner legendären Törns war Sanders mit dem australischen Olympiasegler Rolly Tasker befreundet. 1956 gewann Tasker im 12 qm-Sharpie die erste Olympische Medaille für Australien und wurde 1958 Weltmeister im Flying Dutchman.

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Will zum 11. Mal solo um die Welt: Rekordsegler Jon Sanders aus Australien © sanders

Tasker eröffnete später in Thailand eine Segelmacherei und versorgte seinen Kumpel Sanders auf allen Reisen mit immer wieder neuen Prototypen, die der Weltumsegler testete und deren Stärken er immer wieder über den Klee lobte. Auch diesmal ist – Ehrensache – Sanders wieder mit Tasker-Segeln unterwegs, obwohl Kumpel Rolly 2012 im Alter von 86 Jahren starb. 

Der Deutsche Sven Cornelius ist Geschäftsführer bei Rolly Tasker Sails und hat die Begeisterung für Sanders Extremtörns von Firmengründer Tasker übernommen. Er sprach mit Jon kurz vor dessen Start zu seiner erneuten, allerdings nicht zwingend letzten Weltumseglung. 

Mehr Power ins Rigg

Dabei erfuhr Cornelius, dass Sanders aus gutem Grund auf einer alten Sparkman & Stephens-39-Fuß-Yacht von 1971 unterwegs ist: „Das Boot wurde für den Eintonner Cup gebaut, bei dem es mit nur wenigen Punkten Rückstand Zweite wurde. Damals waren die Rennboote auch noch sehr gut geeignet für die Langfahrt und für den Einsatz auf Hoher See. Meins läuft am Wind jedenfalls richtig gut. Während moderne Boote in jede Welle krachen, taucht meins eher ruhig ein.“ 

Jon Sanders und Sven Cornelius © tasker sails

Auf die Frage, was Sanders als wichtigste technische Aspekte für einen Blauwassertörn erachtet, gab es erwartungsgemäß bodenständige Antworten: „Bringt mehr Power ins Rigg. Erst wenn das Rigg wirklich stabil ist, kann man am Gewicht des Bootes sparen. Je einfacher das Boot aufgebaut ist, desto besser. Außerdem sind starke, stabile Segel wie die Rolly Tasker-Tücher enorm wichtig. Die erfüllen meine Hauptkriterien: zuverlässig und langlebig, auch unter extremen Bedingungen. Segel, Mast und Rigg sind die wichtigsten Ausrüstungsteile. Dazu kommen natürlich gute, extrem zuverlässige Autopiloten, vorzugsweise mit mindestens einem Back-up.“

Seine Route beschrieb Sanders im Gespräch mit Cornelius in etwa so, wie andere ihren Törn in die Dänische Südsee erklären würden: „Ich werde von Fremantle nach Mauritius segeln, also nach  Nordwesten für 1000 Meilen und biege nach Westen ab. Unter Südafrika durch, über St. Helena, in die Karibik, wo ich auf den British Virgin Islands einen Stop plane. Weiter nach Panama, nach Französisch Polynesien, Neukaledonien bis zurück zur Ostküste Australiens.“

Ob er es nicht schade sei, an all’ diesen schönen Häfen und Inseln vorbei zu segeln, wollte Cornelius wissen. Worauf er eine für Sanders fast schon untypische Antwort erhielt: „Ich habe in der Vergangenheit ja einige Nonstop-Rekorde aufgestellt. Doch jetzt ist es an der Zeit, auch mal anzuhalten. Nicht zuletzt, weil ich in acht Häfen die Wasserproben, die ich unterwegs genommen habe, abgeben werde.“ 

Warum er denn überhaupt nochmals los wolle zu einer 11. Weltumseglung, fragte Cornelius noch. Schließlich habe er nach seiner letzten Rückkehr gesagt „nie wieder!“ Worauf Jon Sanders schelmisch antwortete: „Da sieht man es wieder: Sag’ niemals nie!“

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Michael Kunst

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