Club Swan 36: Das radikale neue “Schwänchen” – C-Foil und flexibles Rigg a la Starboot

Von der Leine gelassen

Swan hat mit seiner neuen 50 einen schönen Erfolg errungen. Die OneDesign Flotte wächst. Klappt das auch mit der kleinen Schwester? Die Club Swan 36 ist deutlich radikaler. Die ersten Bewegtbilder.

Wer im hart umkämpften Yachtmarkt-Segment um und bei 36 Fuß punkten will, muss schon etwas Besonderes bieten. Das scheint das Credo der Swan-Bosse gewesen zu sein, als sie sich die Verjüngung ihrer Racing-Flotte zu Ziel gesetzt hatten.

Bei der Club Swan 50 musste es gar nicht so radikal sein. In kürzester Zeit wurden 26 Yachten verkauft, und die nach dem Owner/Driver-Prinzip organisierte Regattaszene erreicht ein immer höheres Niveau. Einige der besten Profis sind in der Szene engagiert.

Die großen Schwäne können allerdings schon allein durch ihre Größe punkten, das Einhalten minimaler Bau-Toleranzen und die Organisation rauschender Segelfeste. Kann diese Eleganz verbunden mit hochklassigem Sport auch einen 36-Fußer bieten?

Swan setzt bei seinem kleinen Schwänchen eher auf Radikalität. Alleinstellung durch außergewöhnliche Technik und Optik. Und wem würde eine solche Aufgabe mehr gefallen als Konstrukteur Juan Kouyoumdjian. Schon der schwer aussprechliche Nachname des Argentiniers mag für die Exzentrik stehen, die dem Designer nachgesagt wird.

Juan K. von der Leine gelassen

Seinen Ruf begründete er spätestens vor 20 Jahren, als er für die Franzosen den Admiral’s Cupper “Krazy K-Yote 2” zeichnete und damit einen handfesten Streit auslöste. Das Schiff wies einen frei stehenden Flügelmast auf und brachte die Regel und Formel-Hüter in Rage. Es durfte schließlich nicht starten.

Die erste Club Swan 36 wird im italienischen Scarlino enthüllt. © Swan

Unrühmlich ist der schreckliche Unfall des Artemis-Katamarans 2013, bei dem Andrew Simpson starb. Juan K. war Design-Chef bei dem schwedischen Cup-Team als eine Querverstrebung brach und der Brite eingeklemmt wurde.

Club Swan 36

Die neue Club Swan 36 bei dem ersten Test. © Swan

Aber längst hat Juan K. gezeigt, dass er auch solide kann. Er zeichnete schon drei Siegeryachten in die jeweilige Volvo-Ocean-Race-Formel und gilt längst als einer der besten Konstrukteure der Welt. Auch die Club Swan 50 entstand an seinem Reißbrett, aber bei dem jüngsten Swan-Projekt wurde er einmal wieder richtig von der Leine gelassen. Er durfte ohne Formel- und andere Zwänge denken.

Radikale Optik

Das Ergebnis ist die Club Swan 36. Die Pläne kündigte Nautor im September 2018 an. Nun wurde sie erstmals auf dem Wasser getestet. Und schon auf den ersten Blick ist zu erkennen: das Versprechen in puncto radikaler Optik hat er durchaus eingehalten. Werftchef Leonardo Ferragamo sieht schon in der Konstruktion “nicht nur irgendein anderes Boot, sondern einen weiteren Schritt zur Verwirklichung unserer Vision.” 

Dabei sticht insbesondere das seitlich ins Wasser geschobene Leeschwert ins Auge. Insbesondere zwischen 14 und 21 Grad Krängung soll es große Differenzen im Verhalten der Yacht geben. Es dürfte kompliziert werden, die besten Modi zu finden. Zumal auch die schmale Kielfinne mit der weit nach achtern verschobenen Bombe zu einem ungewohnten Bootsgefühl führen mag.

flexibles Rigg wie beim Star auf der neuen Club Swan 36. © Swan

Genauso ungewöhnlich radikal ist das Rigg hin. Kouyoumdjian wie auch Nautors Vizepräsident Enrico Chieffi segeln viel im Starboot, und so sollen sich einige Merkmale des 36er-Riggs aus dieser Philosophie ergeben haben. Das flexible Karbon-Rigg mit nur einem Salingspaar soll sehr variabel trimmbar sein.

Gedacht ist die Club Swan 36 für sechs Personen Crews mit einem steuernden Eigner. Nur die Hälfte der Segler darf Profi sein. Allerdings lassen die Eckdaten vermuten, dass es schwierig werden könnte, diese Yacht schnell zu segeln. Ob das dann tatsächlich das passende Sportgerät für einen selbst steuernden Eigner ist, muss sich erst noch herausstellen.

Selbstgänger auf dem Markt sind Racer in dieser Größe jedenfalls nicht. Zuletzt machte 2016 eine neue Melges 40 mit Neigekiel Furore. Es ist seitdem aber sehr still um sie geworden.

Markant bei der Club Swan 36 ist die schmale Kielfinne und die nach achtern versetzte Bombe. © Swan

Club Swan 36 Website

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Carsten Kemmling

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