US Küstenwache: Voller Einsatz während Shutdown – auch ohne Bezahlung

Lebensretter ohne Lohn

US Coastguard, keine Bezahlung

Leben müssen weiter gerettet werden © US coastguard

Der Shutdown in Washington trifft die Mitarbeiter der US-Küstenwache besonders hart. 45.000 Beschäftigte retten jeden Tag Leben und werden derzeit nicht dafür entlohnt. Einige Familien stehen kurz vor der Pleite… 

Wir alle wissen, wer die wahren Helden des Wassersports sind. Nein, eben nicht die Einhand-Nonstop-Weltumsegler, die Olympiasieger oder Bundesliga-Protagonisten, sondern die Damen und Herren, die uns aus dem Schlamassel ziehen, wenn wir bis Oberkante Unterlippe drinstecken. Die oft genug unter Einsatz ihres Lebens immer dann zur Stelle sind, wenn es „hart auf hart“ kommt;  die hundert- und tausendfach per anno das Leben von Wassersportlern retten, Havarierte bergen oder Verletzte und Kranke versorgen. 

Kurz: Die Leistungen der Mitarbeiter von Organisationen wie der DGzRS In Deutschland, des französischen CROSS, die norwegische Redningsselskapet oder der US Coast Guard (um nur wenige Beispiele zu nennen) können nicht oft gerühmt und hoch genug honoriert werden. 

45.000 Coastguard-Mitarbeiter ohne Bezahlung

Doch auf die Honorierung (im pekunären Sinne) muss die US Coast Guard derzeit nahezu vollständig verzichten. Der Grund: Auch sie sind vom derzeitigen Government Shutdown der USA, der vollständigen Stilllegung der US Bundesverwaltung, betroffen. Die derzeitige Haushaltssperre in den USA unter der Präsidentschaft von Donald Trump ist die längste in der Geschichte der Vereinigten Staaten. 

US Coastguard, keine Bezahlung

Sie schlagen keine Hand aus, die ihnen hilfesuchend entgegen gestreckt wird © US Coast Guard

Die US Coast Guard, die neben dem buchstäblichen Schutz der US-amerikanischen Küsten auch für die Rettung von Wassersportlern zuständig ist, agiert als Exekutivorgan der US-Bundesregierung und ist dem Gesetz nach eine der Teilstreitkräfte der Vereinigten Staaten. 

Die New York Times beziffert die Anzahl der vom Shutdown betroffenen US-Behördenmitarbeiter auf mehr als 800.000 Personen. Etwa die Hälfte davon wurde für den Zeitraum des Shutdown in unbezahlten Urlaub geschickt, etwa 400.000 Personen müssen weiter ihre Arbeit verrichten – allerdings (vorläufig) ohne Bezahlung. Zwar wurde diesen Personen während den meisten der vergangenen 19 Shutdowns in der Geschichte der Vereinigten Staaten das Gehalt nachbezahlt. Doch eben nur meistens – in vielen Fällen war „die Rechtslage nicht eindeutig“  – das Geld für die Betroffenen blieb aus. 

Die einzige Militäreinheit, die nicht bezahlt wird

Besonders hart trifft es derzeit einen Großteil der US-Coastguard-Mitarbeiter. 45.000 unter ihnen müssen per Gesetz weiter zur Arbeit erscheinen, wurden aber seit Ende letzten Jahres nicht mehr bezahlt. Die Küstenwache ist der einzige Teil der Streitkräfte, der während der Shutdowns keine Mittel erhält, weil er unter die Zuständigkeit des Ministeriums für Heimatschutz und nicht des Verteidigungsministeriums fällt.

US Coastguard, keine Bezahlung

Seenotretter par excellence – aber auch Teil des US-Militärs © US coast guard

Doch die Hilfs- und Rettungsaktionen gehen weiter – die Schicksale von in Not geratenen Wassersportlern oder Seeleuten scheren sich eben nicht um  (milde ausgedrückt) kontrovers diskutierte Gründe für den Shutdown der US-Regierung. Es müssen weiter Menschenleben gerettet, Häfen (etwa in Alaska) eisfrei gehalten und Umweltschutzkontrollen durchgeführt werden – Bezahlung hin oder her. 

Nun muss man wissen, dass die meisten der US-Coastguard-Mitarbeiter nicht gerade üppige Gehälter beziehen. Zwischen 2.000 und 2.500 US$ verdient man als Mitarbeiter in mittleren Dienstgraden im Durchschnitt monatlich. Viel bleibt da bei Familien nicht für „Rücklagen“ übrig, um finanzielle Ausfälle oder verspätete Bezahlungen etwa während eines Shutdowns abzufedern. 

Entsprechend schwierig wird die Situation derzeit für einige US Coastguard-Mitarbeiterfamilien. Von drohenden Pleiten ist die Rede, das Thema beschäftigt die großen TV-Sender genauso wie die lokalen Medien der Küstenstaaten. Es wurden bereits über 400.000 US$ über Crowdfunding gespendet, um betroffenen Familien zumindest aus dem Gröbsten heraus zu helfen. In manchen Küstenortschaften, in denen viele US Coastguards leben, werden bereits Zentren eingerichtet, wo Gratis-Mahlzeiten (gespendet vom Roten Kreuz) für Betroffene ausgeteilt werden. Auch unter den Bewohnern der Ortschaften sei eine außerordentliche Solidarität und Hilfsbereitschaft untereinander festzustellen, berichten lokale Tageszeitungen entlang der Atlantik- und Pazifikküsten. Man organisiere zum Beispiel Flohmärkte, deren Erlös bedürftigen Coast-Guard-Familien zugute kommen, biete kostenfreie Kindertagesstätten an oder organisiere Benefiz-Tombalas. 

Hilfsaktionen, die nicht gerne gesehen werden

Eine publikumswirksame Solidarität, die nicht überall gut ankommt. In einigen Medien ist die Rede von Aufforderungen seitens des Coastguard-Kommandos, derartige Hilfsaktionen zu unterlassen. Offenbar sorgt man sich dort um das Image…

Mittlerweile gehen Aufrufe und Bitten aus allen Teilen der USA in Washington ein, die US Coastguard Mitarbeiter ebenfalls zu bezahlen  – so wie beispielsweise die Kongressabgeordneten, deren Gehaltszahlungen während eines Shutdowns gesetzlich gesichert sind. 

US Coastguard, keine Bezahlung

Wie lange lassen sie sich das noch bieten? © US Coast Guard

Nun hat sich auch die Boat Owners Association (Boat US) zu Wort gemeldet und fordert eine rasche und überparteiliche Lösung für die sofortige Bezahlung der Küstenwache. Die Dachorganisation mit mehr als 750.000 Mitgliedern gilt als einflussreich und ist für gute Lobbyarbeit bekannt. Alle Mitglieder wurden aufgefordert, die Abgeordneten aus ihrer Region auf die sofort notwendige Bezahlung der Küstenwache hinzuweisen. 

„Die US Coast Guard riskiert täglich ihr Leben für uns Wassersportler. Jetzt müssen wir uns für sie engagieren!“ ist aus den Reihen der Boat US zu vernehmen. Ob das bei Präsident Trump Eindruck machen wird? 

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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