US-Segler muss fünf Jahre in russisches Straflager: Wurde er in eine Falle gelockt?

„Bring ‚Chuck‘ home“

Ein Gericht im russischen Sotschi hat den 58-jährigen US-Segler Charles Wayne Zimmerman zu einer fünfjährigen Haftstrafe in einem Straflager verurteilt. Er war mit seiner 35-Fuß-Yacht einhand über den Atlantik gesegelt. Geht es um eine Liebesgeschichte, wie von den Russen behauptet, oder um „Geiseldiplomatie“?

Charles Wayne Zimmerman
Charles Wayne Zimmerman auf seiner Yacht in Sotschi. © Sochi Central District Court

Die russische Justiz befand den Marine-Veteranen des Schmuggels von Waffen und Munition sowie des illegalen Grenzübertritts für schuldig. Die Verurteilung markiert das vorläufige Ende eines Falls, der international zunehmend als politisch motivierte Geiselnahme wahrgenommen wird.

Die Hintergründe der Festnahme werden von beiden Seiten völlig unterschiedlich dargestellt. Während offizielle russische Medien berichten, Zimmerman sei im Juni 2025 freiwillig in den Hafen von Sotschi eingelaufen, um eine Online-Bekanntschaft zu besuchen, zeichnet seine Familie ein Bild von Zwang und Täuschung. Laut seiner Schwester wurde die 10 Meter lange Yacht Trude Zena in internationalen Gewässern von einem russischen Kriegsschiff abgefangen. Die russische Marine habe Zimmerman unter Androhung von Gewalt gezwungen, sein Schiff über 22 Stunden lang unter Eskorte nach Sotschi zu steuern.

Die gefundene Munition und die Yacht von Zimmerman. © Sochi Central District Court

Bei der Ankunft im Hafen entdeckten FSB-Beamte ein Gewehr der Marke Savage und 50 Schuss Munition an Bord. Zimmerman plädierte vor Gericht zwar auf „nicht schuldig“ im Sinne einer Schmuggelabsicht, gab jedoch offen zu, die Waffe zur Selbstverteidigung gegen Piraten mitgeführt zu haben – eine Standardpraxis für US-amerikanische Langfahrtsegler. Er betonte, dass er die Waffe niemals vom Schiff entfernt habe und davon ausging, dass versiegelte Bordwaffen in internationalen Häfen rechtmäßig seien. Kritiker und Familienangehörige weisen zudem darauf hin, dass Zimmerman während seiner monatelangen Untersuchungshaft kaum Zugang zu Rechtsbeistand oder konsularischer Hilfe hatte.

Die Umstände seiner Reise werfen ebenfalls Fragen auf.

Mitgliedschaft erforderlich

Sie müssen ein Mitglied sein, um auf diesen Inhalt zuzugreifen.

Mitgliederstufen anzeigen

Already a member? Hier einloggen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert