Verlassener Katamaran: Deutsche Seglerin vor Italien gerettet – Im Einfluss des Medicane

In Panik geraten

Bei Sizilien hat sich im Einfluss einer dramatischen Wetterlage ein Drama um einen 50 Fuß Fahrtenkatamaran abgespielt. Die Crew ließ sich abbergen, als ein Fenster zerbrach.

Der Notruf ging in der Nacht bei der italienischen Rettungszentrale ein. Eine deutsche Frau und ein australischer Mann waren bei starkem Seegang vor der kleinen Insel Marettimo im Westen Siziliens in Not geraten. Ein Brecher hatte ein Kajütfenster im Achterschiff ihres 50 Fuß-Katamarans zerschlagen und die Crew geriet in Panik. Sie befürchtete ein Sinken des Schiffes.

Ein 100 Meter langer Frachter wurde umgeleitet, um die Havaristen aufzunehmen. Das Online-Portal Solovela berichtet, der Katamaran habe mit fünf Knoten die Geschwindigkeit des Frachters aufgenommen, sei parallel zur Bordwand gesteuert und dabei sei es den Seglern gelungen, über eine Leiter ihr Schiff zu verlassen. Der Cruiser-Kat fuhr derweil führerlos mit laufendem Motor weiter.

Der aufgegebene Katamaran. © solovela

In der folgenden Nacht bei deutlich verbesserter Wetterlage gelang es zwei von den Seglern beauftragten Skippern mit einem gemieteten Schlauchboot den Katamaran aufzuspüren und zu entern. Sie fanden das Boot zwölf Meilen vor der Küste fahrend mit eingelegtem Gang “in perfektem Zustand”, wie sie bei Solovela erklären. Selbst die Kajüte dessen Fenster zerbrochen war, soll trotz der hohen Wellen trocken und unbeschädigt gewesen sein.

Zwei Jahre Auszeit geplant

Die Übergabe des Schiffes fand im Hafen von Trapani statt. Dort stellte sich heraus, dass die beiden Segler nicht die Eigentümer der Yacht waren. Sie hatten es für zwei Jahre von einem griechischen Eigener gechartert und sollen 150.000 Euro bezahlt haben. Der Deal beinhaltete längere Törns im Mittelmeer und dann eine Überfahrt in die Karibik.

Nun müssen sie sich aber den Vorwurf gefallen lassen, die Havarie durch unvorsichtiges Verhalten verschuldet zu haben. Vor dem Verlassen des Hafens von Marettimo seien bis zu 50 Knoten Wind angesagt gewesen. Ein Mittelmeer-Hurrikan hat sich gebildet, ein sogenannter Medicane. Er überzieht Sizilien schon die ganze Woche mit sintflutartigen Überschwemmungen und soll heute erneut an der Küste wüten.

Die beiden Skipper, die den Katamaran geborgen haben, äußerten Verwunderung darüber, dass die Crew das Schiff verlassen hat. Es habe seine Zuverlässigkeit auch unter schwierigen Bedingungen bewiesen. Trotz des zerbrochenen Fensters sei kein großer Wassereinbruch festgestellt worden. Die Segler hätten aus eigener Kraft nach Marettimo oder Trapani zurückkehren können. Aber offenbar seien sie in Panik geraten, als ihnen bewusst wurde, welches Risiko sie eingegangen waren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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