Vermisste Segler: 50 Schiffe suchen “Cheeki Rafiki” – Rätselhafter Beneteau Kielverlust

Hoffnung schwindet

Die Suche nach den vier verschollenen britischen Seglern im Atlantik hat sich zu einer großen internationalen Gemeinschaftsaktion mit gut 50 beteiligten Schiffen und zahlreichen Flugzeugen ausgeweitet. Die Hoffnung schwindet allerdings.

Der Seenotfall der “Cheeki Rafiki” zieht immer weitere Kreise. Nach der Entscheidung zur Fortsetzung der Suche halten mehr als 40 Yachten in dem Seegebiet Ausschau nach Anzeichen von der Rettungsinsel, in die sich die vier Segler hoffentlich retten konnten. Dazu operiert die US Coastguard in dem Gebiet und koordiniert mindestens fünf Frachter.

Die gekenterte Cheeki Rafiki neben dem Maersk Frachter. Konnten sich die Segler in die Rettungsinsel retten? © Coast Guard

Die gekenterte Cheeki Rafiki neben dem Maersk Frachter. Konnten sich die Segler in die Rettungsinsel retten? © Coast Guard

Dabei ist noch nicht klar geworden, warum die Amerikaner die Suche überhaupt abgebrochen hatten. Zuvor war ein Sprecher der Coastguard zitiert worden, dass man nur weiter machen wolle, wenn sich neue Fakten ergäben.

Offenbar haben die US-Behörden dem Abbruch das nicht unwahrscheinliche Szenario zugrunde gelegt, dass die Crew von dem Kiel-Abbruch und der Kenterung bei starkem Wind völlig überrascht wurde. Zwei persönliche EPIRB Notfunk-Baken wurden ausgelöst. Sie könnten von der Wache an Deck stammen, die über Bord fielen. Die beiden weiteren Segler werden unter Deck vermutet, wo ihnen kein Platz zum Leben blieb, da das Schiff relativ tief schwimmt. In diesem Fall wäre jedenfalls keine Zeit geblieben, die Rettungsinsel klar zu machen.

Politische Hilfe

Öffentliche Aufmekrsamkeit. Die Angehörigen kämpfen in England erfolgreich um eine Wiederaufnahme der Suche. © privat

Öffentliche Aufmekrsamkeit. Die Angehörigen kämpfen in England erfolgreich um eine Wiederaufnahme der Suche. © privat

Aber seit die Familien und Freunde eine große Aufmerksamkeit für das Unglück erzeugten, erreichte es auch eine politischee Diemansion. Das Verhältnis von England und USA stand auf dem Spiel. Der britische Außenminister Hugh Robertson schaltete sich ein und machte nach eigenen Aussagen Druck, die Suche wieder aufzunehmen. Die Briten schickten sogar ein eigenes Hercules 130 Flugzeug von der Insel zum Suchgebiet.

Trotzdem mehren sich die Stimmen von Spezialisten, die keine Chance mehr in einem Überleben der Segler sehen. Sie halten die Wiederaufnahme der Suche für ein Politikum, bei dem die Amerikaner in der Pflicht sind, den Briten beizustehen.

Inzwischen haben auch Flugzeuge aus Kanada bei guter Sicht schon einen großen Teil des Suchgebietes abgeflogen, aber keine Spuren der Vermissten gefunden. Die Angehörigen hoffen, dass es den Seglern gelungen ist, die Beneteau 40.7 “Cheeki Rafiki” vor dem Kentern zu verlassen.

Wassereinbruch gemeldet

Fröhlich in Antigua bei der Preisverteilung. Die Crew der "Cheeki Rafiki". © Antigua Race Week

Fröhlich in Antigua bei der Preisverteilung. Die Crew der “Cheeki Rafiki”. © Antigua Race Week

Zuvor hatte die Crew 1000 Meilen von der US Küste entfernt auf ihrem Überführungstörn von Antigua zu den Azoren einen Wassereinbruch gemeldet. Es ist aber nicht klar, wie akut die Warnmeldung war. Die Vermutung liegt nahe, dass Probleme mit den Kielbolzen dazu führten und schließlich der gesamte Kiel abbrach.

Es ist dieses Szenario, das Segler mit am meisten fürchten. Wenn auf einer Kielyacht das Gegengewicht fehlt, kippt sie unweigerlich um. Bei gemäßigteren Cruising Modellen muss das im Ausnahmefall nicht immer die Regel sein, aber bei einem schlankeren Cruiser Racer wie der Beneteau 40.7 und rauhem Wetter ist die Kenterung nicht zu vermeiden.

So stellt sich die Frage, wie es zum Kielverlust kommen konnte. Vor neun Jahren ging ein Aufschrei durch die Segelszene, als bei einer relativ neuen Bavaria 42 Match der Kiel in der Adria abbrach und ein ungarischer Segler sein Leben verlor.

Grundberührung vor Kielverlust?

In der Folge wies die Werft darauf hin, dass zuvor eine Grundberührung stattgefunden haben müsse. Der Beweis fiel aber schwer, da der Kiel nicht gefunden werden konnte. Wahrscheinlicher waren bauliche Probleme. Bavaria ließ schließlich alle ausgelieferten Bavaria Match 42 im Kielbereich verstärken.

"Cheeki Rafiki", ein erprobter Cruiser Racer im Renneinsatz. © Antigua Race Week

“Cheeki Rafiki”, ein erprobter Cruiser Racer im Renneinsatz. © Antigua Race Week

Bei der Beneteau 40.7 ist ein solcher Fall unwahrscheinlich. Der Schiffstyp ist erprobt und seit gut 15 Jahren auf dem Markt. Besondere Probleme mit der Kielaufhängung sind bisher nicht bekannt geworden.

Eine direkte Grundberührung auf dem Atlantik ist auch schwer vorstellbar. Ob es der Folgeschaden nach einem vorherigen Auflaufen ist? Oder weisen die Kielbolzen Altersschäden auf? Andere Eigner des 40.7 Modells sollten jedenfalls einen Blick unter die Bodenbretter wagen.

Eine Untersuchung des Wracks dürfte Aufschlüsse über die Unfallursache geben. Aber bis dahin bleibt die Hoffnung bestehen, dass es die vier erfahrenen Segler doch noch irgendwie geschafft haben, ihre missliche Lage zu überstehen.

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Vermisste Segler: 50 Schiffe suchen “Cheeki Rafiki” – Rätselhafter Beneteau Kielverlust“

  1. avatar stefan sagt:

    …auch die Kollision mit einem getaucht schwimmenden Gegenstand oder einem Wal lässt ein Abreissen des Kiels zu. Allerdings helfen solche Mutmassungen aktuell auch nicht die Vermissten zu finden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

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