Digitales Forschungsprojekt: “Aldebaran” setzt in Corona-Zeiten auf moderne Technologie

Virtuelle Expedition für Nachwuchsforscher

Das Forschungsschiff „Aldebaran“ ist am vergangenen Montag zu Gewässer-Exkursionen auf dem Bodensee gestartet, und Schüler/innen können ganz nah dabei sein, obwohl sie zu Corona-Zeiten nicht an Bord sein dürfen.

Der Bodensee als digitales Mega-Klassenzimmer: Die Crew des Forschungsschiffs „Aldebaran“ streamt live für Baden-Württembergs Schüler/innen. Biologin Valeska Diemel (r.) setzt dabei auch eine Unterwasserdrohne ein. Foto: Aldebaran Marine Research & Broadcast

Für die Baden-Württemberg Stiftung hat das wissenschaftliche Team der „Aldebaran“ ein interaktives Konzept entwickelt, um die Lebensräume und Organismen des drittgrößten Sees Mitteleuropas live kennenzulernen. Dabei kommt modernste Kamera- und Drohnentechnik zum Einsatz, die die Expeditionen erstmals in die Klassenzimmer oder zu den Jugendlichen nach Hause überträgt. Auf diese Weise können deutlich mehr Schüler/innen in die Gewässer-Experimente eingebunden werden als in den Jahren zuvor.

Die Aluminiumyacht wurde 1992 zum Forschungs- und Medienschiff umgebaut. Foto: Aldebaran Marine Research & Broadcast

„Ich freue mich sehr, dass wir trotz der gegenwärtigen Situation, Schülerinnen und Schülern virtuelle Einblicke in die Gewässerforschung ermöglichen“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. „In diesen Tagen ist es besonders wichtig, dass wir die Chancen der Digitalisierung umfassend nutzen und möglichst vielen Kindern ein außergewöhnliches Lernprogramm bieten.“

Ob Nährstoff- und Sedimentanalyse, biologische Vielfalt, Klimawandel oder Mikroplastik: Insgesamt bestehen die Online-Bildungsexpeditionen auf der „Aldebaran“ aus zwölf Modulen, die live moderiert direkt und interaktiv zu den Schulen bzw. Familien übertragen werden. Organisiert werden die Expeditionen im Auftrag der Stuttgarter Agentur für Bildungskommunikation Klett MINT. Sie hat die Entscheidung, das Projekt in diesem Jahr online zu gestalten, mit vorangetrieben und begleitet. Darüber hinaus unterstützen die Expedition auch das Limnologische Institut der Universität Konstanz und das Institut für Seenforschung in Langenargen.

Das Wasser steht für die Crew der “Aldebaran” besonders im Fokus. Foto: Aldebaran Marine Research & Broadcast

Erstmals wird mit zehn Kameras, darunter mehreren Drohnen, über und unter Wasser alles gefilmt, was an Bord der „Aldebaran“ oder im Wasser passiert und mit aufwendiger Technik live übertragen. Die Schüler können sich auch interaktiv in das Geschehen an Bord einbringen, können mit dem Skipper kommunizieren oder den Wissenschaftlern Fragen stellen, wenn sie im hochmodernen schiffseigenen Labor Proben analysieren – oder sogar die Experimente mitbestimmen.

„Bei den digitalen Exkursionen sind wir mit den Schülerinnen und Schülern direkt im Gespräch und zeigen ihnen, wie man auf einem Forschungsschiff arbeitet“, erklärt Frank Schweikert, Projektleiter und Skipper der „Aldebaran“. „Wir holen dafür beispielsweise Ruderfußkrebse unters Mikroskop und entdecken mit der Unterwasserdrohne den Bodensee aus einer anderen Perspektive. So motivieren wir die Jugendlichen, auch künftig eigene wissenschaftliche Projekte anzustoßen und Fragen auf den Grund zu gehen. Sie können damit gleich im Homeschooling starten.“

Die “Aldebaran” ist ein gern gesehener Gast und war auch schon im Bundesverkehrsministerium zu besichtigen. Foto: Aldebaran Marine Research & Broadcast

Durften in den vergangenen Jahren nur bis zu acht Schüler gleichzeitig an Bord des Segelschiffs sein, werden nun durch die digitalen Möglichkeiten mehrere Hundert Jugendliche erreicht. Damit die Expeditionen längerfristig für den Unterricht zur Verfügung stehen, wird der Videostream wie eine Live-Sendung aufgezeichnet und kann auch später jederzeit mit Begleitmaterial von den Schulen abgerufen werden.

Als Teil des Nachwuchsförderprogramms mikro makro mint der Baden-Württemberg Stiftung, das Jugendliche anregen soll, sich mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen, werden die Gewässerexpeditionen in rund 15 Schulen übertragen.

Die „Aldebaran“ liegt in Konstanz und wird mit Unterstützung durch die Bodensee Schiffsbetriebe für die Expeditionen vorbereitet. Für die Baden-Württemberg Stiftung wird das segelnde Forschungsschiff noch bis zum 31. Mai von Konstanz aus zu den täglichen Expeditionen starten.

Über die „Aldebaran“

Seit 1992 ist das gelbe Forschungs- und Medienschiff der Organisation Aldebaran Marine Research & Broadcast als flexible und kostengünstige Forschungs- und Kommunikationsplattform vorrangig in Küstengewässern weltweit unterwegs. Mit knapp einem Meter Tiefgang und einer hervorragenden Grundausrüstung ist der Forschungssegler spezialisiert auf die Flach- und Küstengewässer vorwiegend in Deutschland und Europa, aber auch auf Binnengewässern. Auf dem bodensee kreuzt die „Aldebaran“ bereits zum fünften Mal. Die „Aldebaran“ bietet bis zu vier Wissenschaftlern, Technikern und Medienmachern einen flexiblen Arbeitsplatz. Seit Jahrzehnten zeigt die Forschungsyacht, wie mit minimalem „Carbon Footprint“ Meeresforschung betrieben werden kann. Die „Aldebaran“ wurde 2011 generalüberholt und mit modernsten Technologien ausgestattet. Der Vorbesitzer, ein französischer Arzt, ist mit der Aluminium-Yacht, einer Sonate Ovni 43, um die Welt gesegelt, bevor sie in einem Wirbelsturm schwer beschädigt wurde. Nach 18-monatiger Refit- und Umbauzeit wurde sie schließlich im Mai 1992 in der Schwarzwaldgemeinde Winzeln getauft und schließlich zu ihrer ersten Reise unter neuer Bestimmung nach Fehmarn gebracht.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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