Von Erdmann inspiriert: Nonstop-Weltumsegler Wakefield abgeborgen – Schlaganfall auf See

Es soll nicht sein

Nicht immer sind aller guten Dinge drei. Glenn Wakefield hat bei seinem dritten Versuch, die Welt einhand, verkehrt herum in West-Richtung zu umsegeln eine große Rettungsaktion vor der Küste von San Francisco ausgelöst. Der 70-jährige Kanadier erlitt auf See einen schweren Schlaganfall.

Glenn Wakefield auf seiner Yacht. © Wakefield

Am 6. September hatte Wakefield am Royal Victoria Yacht Club bei Vancouver die Leinen gelöst, zehn Tage später segelte er 420 Seemeilen vor San Francisco und schrieb seiner Frau eine kurze Botschaft, dass er Hilfe brauche. Danach verlor er sein Bewusstsein.

MaryLou Wakefield benachrichtigte die US-Küstenwache, dass sich ihr Mann in einer medizinischen Notlage befände, und gab seine ungefähren GPS-Koordinaten an. Danach dauerte es gut 48 Stunden, bevor der Einhandskipper geborgen und in das Regionalkrankenhaus von San Jose gebracht wurde.

Er war mit einem kleinen Rettungsboot zum Containerschiff “MV Columbo Express” transportiert worden. Dort holte ihn ein Flugzeug der California Air National Guard ab. Insgesamt waren fünf Flugzeuge an der Operation beteiligt. Mehrfach mussten sie in der Luft betankt werden. Wakefield wurde operiert, um ein Blutgerinnsel in seinem Gehirn zu entfernen. Er befindet sich auf der Intensivstation immer noch in kritischem Zustand.

Behandlung kostet 100.000 Dollar

Neben der medizinischen Situation ist die finanzielle Lage schwierig. Denn die Behandlung in den USA soll mehr als 100.000 Dollar kosten. Weil Wakefield natürlich nicht damit rechnete bei einer Nonstop-Weltumsegelung in den USA zu landen, ist er dort nicht krankenversichert. Außerdem treibt seine Yacht noch vor der kalifornischen Küste und muss geborgen werden.

Wakefield kurz vor dem Ablegen auf seiner “West Wind II”. © Wakefield

Deshalb hat MaryLou Wakefield eine Spendensammlung gestartet. 100.000 Dollar sind bereits zusammengekommen. “Dies ist eine verheerende Situation für unsere Familie”, schreibt MaryLou Wakefield auf der Spendenseite. “Wir sind schockiert, traurig und voller Sorge um Glenns Genesung. Glenn ist ein Mensch, der Schwierigkeiten durchsteht und immer die Oberhand behält. Er ist stark, leidenschaftlich und voller Leben. Wir hätten nie gedacht, dass er einmal von so etwas betroffen sein würde. Wie viele Stunden haben wir damit verbracht, uns um die Stürme und die See zu sorgen?… aber niemals um das hier”.

Der Traum, die Welt in West-Richtung zu umsegeln treibt ihn schon länger um. Und Wilfried Erdmann spielt dabei eine große Rolle. Bevor er 2007 erstmals mit einem 40 Fußer ablegte, soll sich Wakefield Erdmanns Buch “Allein gegen den Wind” übersetzen haben lassen.

Abgeborgen vor den Falkland-Inseln

Aber der Versuch scheiterte in einem Sturm vor den Falkland-Inseln. Das Schiff kenterte in der Nacht zweimal und war danach so sehr beschädigt, dass er es verlassen musste. Wakefield wurde von der argentinischen Marine mit einer Gehirnerschütterung und gebrochenen Rippen abgeborgen.

Der Kanadier ließ nicht locker. Der ehemalige Bauunternehmer kaufte sich ein neues Schiff – die 13 Meter lange Comanche 42  „West Wind II” – und startete 2013 den zweiten Versuch. Nach 116 Tagen hatte er fast die Hälfte der Strecke bewältigt, aber dann zwangen ihn Schäden am Rigg zur Aufgabe.

Nun also zum Dritten. “Das ist persönlich”, sagte Wakefield den versammelten Journalisten vor seiner Abfahrt. “Es geht nicht um irgendwelche Trophäen oder darum, Rekorde zu brechen.” Er wolle diese Herausforderung endlich meistern. Aber es soll wohl einfach nicht sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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