Wärme an Bord: So lässt sich das Schiff unter Deck effizient heizen – und so nicht

Der Kälte trotzen

Wenn die Temperaturen fallen, wird es unter Deck erst so richtig gemütlich. Wir geben Tipps rund um die Dieselluftheizung an Bord.

Bitterkalt, aber wunderschön: Kurze Schläge im Winter und gemütliche Stunden unter Deck im warmen Salon © Thorsten Höge

Bevor es an den Einbau einer Heizung geht, muss entschieden werden, wie viel Leistung das Aggregat haben soll, um das Schiff komfortabel zu heizen. Die benötigte Leistung hängt allerdings von mehreren Faktoren ab, die von Boot zu Boot variieren. Boote sind oft schlecht isoliert und kühlen schnell wieder aus, da die Wärme über das Deck und den Rumpf abgestrahlt wird.

Ein Stahlschiff besteht aus einem guten Wärmeleiter, sodass die Heizung auf Hochtouren laufen kann und es unter Deck dennoch kühl bleibt. Es sei denn, es ist innen gut isoliert. Bevor die Tabellen der Heizungshersteller konsultiert werden, sollte ein Blick auf das Schiff selbst geworfen werden: Rumpfmaterial, Isolierung und bei GFK-Rümpfen auch der Aufbau des Laminats. Ein Sandwich-Laminat isoliert wesentlich besser als ein Volllaminat.

Das Raumvolumen entscheidet

Auch wenn es verführerisch erscheint, das Schiff von achtern bis zur Bugspitze zu heizen, sollte überlegt werden, welche Räume unbedingt geheizt werden müssen. Nasszelle und Schlafkabinen können beheizt werden, müssen aber nicht. Schließlich hält man sich vorwiegend im Salon auf. Empfehlungen der Hersteller beziehen sich immer auf das geschätzte Volumen aller Räume an Bord.

Wird nur ein Teil des Schiffes beheizt, verringert sich auch die benötigte Leistung der Heizung, sodass auch ein kleineres Modell in die engere Auswahl kommen könnte. Da ein Schiff in den seltensten Fällen über rechte Winkel verfügt, gestaltet sich die Ermittlung des Raumvolumens eher schwierig und kann nur grob geschätzt werden. Eine äußerst grobe Überschlagsrechnung aus der Länge mal der Breite und Höhe des zu beheizenden Raumes kann einen circa-Wert für die Berechnung liefern. Hat man den ungefähren Wert ermittelt, bieten die Hersteller für ihre Heizungen oft Diagramme an, die den Wärmebedarf in Kilowatt in Relation zum Rauminhalt angeben.

Bei der Planung für eine Nachrüstung sollte man sich genau überlegen, was geheizt werden soll und auch kann, denn nicht jede Kabine lässt sich nachträglich ohne größere Umbauten beheizen © Jan Bindseil

Luftauslässe

Da Wärme nach oben steigt, sollten die Luftauslässe möglichst in Bodennähe angebracht werden, um eine Luftzirkulation im Schiff zu erreichen und die Wärme gleichmäßig zu verteilen. Die Anzahl an Auslässen ist allerdings beschränkt und jeder Luftaustritt sollte begründet werden. Sind zu viele Lüftungsgitter im Schiff verteilt, kann es sein, dass nur noch ein laues Lüftchen austritt. Das Volumen der angesaugten Luft reicht schlicht nicht mehr aus. In der Folge heizt das Aggregat zwar weiter, aber die Wärme kann nicht mehr ins Schiff abgeführt werden. Im schlimmsten Fall überhitzt die Heizung und schaltet sich ab bis, sie wieder runtergekühlt ist.

Je nach Größe der Heizung und Aussage des Herstellers variiert die mögliche Anzahl der Auslässe. Bei einer Leistung bis 2.000 Watt sollten nicht mehr als drei Auslässe vorhanden sein. Soll die Effizienz gesteigert werden, können auch doppelwandige Warmluftschläuche verwendet werden. Einwandige Schläuche geben über ihre Oberfläche bereits Wärme in die Backskiste ab. Durch die gute Isolation eines doppelwandigen Schlauchs geht die Wärme unterwegs nicht verloren. Ebenfalls ist es wichtig, keine zu engen Schlauchradien zu den Auslässen zu legen, sonst kommt die Luft nicht um „die Ecke“, und die Wärme staut sich am Knick. Es droht die Überhitzung der Heizung.

Platzwahl

Die Heizung sollte am besten nach achtern in die Backskiste verbannt werden. Lüftergeräusch und Pumpe sind dann kaum zu hören. Alternativ kann sie auch im Motorraum montiert werden. Dann sollte die Frischluftansaugung aber unbedingt von außen kommen, um ein Überhitzen der Heizung zu vermeiden.

Eine Gebläseheizung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Luft wird über ein Gebläse angesaugt über einen Wärmetauscher geführt, in dem in einer Brennkammer Diesel oder Petroleum verbrannt wird. Die heiße Luft wird über Schläuche im Schiff verteilt © Jan Bindseil


Fehlersuche

Nach einem nasskalten Schlag gibt es nichts Schöneres, als in den warmen Salon zu klettern und sich aufzuwärmen. Doch nicht immer läuft die Dieselheizung reibungslos an. Oft lassen sich die Fehler mit einfachen Bordmitteln beheben, denn nur selten ist im Heizaggregat etwas defekt. Da der Patient oft weiß, was ihm fehlt, zeigen neue Modelle mit LCD-Display einen Fehlercode an, der in der Bedienungsanleitung nachgeschlagen werden kann und Auskunft über den Fehler gibt. Die Fehlerbehebung wird so stark vereinfacht, da die Suche entfällt.

Heizung springt nicht an

Die Pumpe tickt, der Lüfter surrt, aber heiße Luft spuckt die Heizung nicht aus. Wer kein LCD-Display mit Fehlercodes zur Hilfe hat, kann sich systematisch auf die Fehlersuche machen: Bekommt die Heizung Kraftstoff? Wenn die Heizung ihren Diesel aus einem externen Tank bezieht, sollte man an der Quelle suchen. Die Tanks haben an der Dieselleitung oft einen Absperrhahn, der durch loses Staugut oder über den Winter geschlossen wurde. Stellt man fest, dass der Kraftstoffhahn dennoch geöffnet ist, lohnt ein Blick auf das Thermometer. Möchte man die Heizung auch im Winter bei Minusgraden nutzen, muss auch entsprechender Winterdiesel im Tank sein. Ist der Tank noch mit Diesel aus der Saison gefüllt, können die Paraffine im Diesel ausflocken und den Filter zusetzen. Folge: Der Brennstoff gelangt gar nicht bis in die Brennkammer.

Kann die Brennstoffzufuhr als Ursache ausgeschlossen werden, wird die Spannung der Bord-Batterie gemessen. Eine Heizung benötigt einen hohen Anlaufstrom, bis das Diesel-Luftgemisch zündet. Sinkt die Batteriespannung unter einen kritischen Wert, schaltet sich die Heizung ab. Die Spannung sollte am Anschluss der Heizung gemessen werden und nicht an den Batteriepolen, da auch eines der Kabel beschädigt sein kann.

Holt sich die Heizung die Frischluft aus dem Motorraum und nicht von außen, kann die angesaugte Luft auch zu warm sein, wenn der Motor gerade lief und den Raum aufgeheizt hat. Die Heizung überhitzt und schaltet sich vorsichtshalber ab. Eventuell ist die Frischluftansaugung auch durch einen Gegenstand abgedeckt.

Nach langer Standzeit kann es sein, dass die Heizung nicht im ersten Anlauf anspringt, da die Pumpe den zurückgelaufenen Diesel in der Leitung nicht bis zum Brenner pumpen konnte. Schafft die Pumpe es nicht, in einer bestimmten Zeit genug Diesel in die Brennkammer zu pumpen, schaltet die Heizung vorsichtshalber ab. Im zweiten Anlauf klappt es dann problemlos.

In der Regel verfügen Dieselwarmluftheizungen über mehrere Heizstufen und können auch ohne Heizfunktion betrieben werden © Kai Köckeritz

Heizung geht unvermittelt aus

Die Ursachenforschung ist in diesem Fall wesentlich einfacher. Entweder die Spritzufuhr ist unterbrochen, weil der Absperrhahn des Tanks unfreiwillig durch Staugut in der Backskiste geschlossen wurde, oder der Tank ist schlicht leer. Ist die Heizung im Motorraum installiert und bezieht ihre Frischluft nicht von außen, ist eine Überhitzung durch zu warme Luft ebenso möglich, wenn der Motor läuft und den Raum zusätzlich aufheizt.

Trifft nichts davon zu, müssen die Warmluftschläuche in Augenschein genommen werden. Sind sie gequetscht oder gar total blockiert, kann die Warmluft nicht abgeführt werden und die Heizung überhitzt. Ein Luftauslass muss aus diesem Grund immer geöffnet sein und darf sich auch nicht aus Versehen schließen.

Nach langer Standzeit lohnt ein Blick in die Schläuche, ob sich Insekten eingenistet haben und den Querschnitt womöglich verengen.

Konnte alles ausgeschlossen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass im Aggregat etwas defekt ist. Oft ist das Glasvlies durchgeglüht und muss ersetzt werden. Dann muss allerdings der Fachmann ran.

Ein Kommentar „Wärme an Bord: So lässt sich das Schiff unter Deck effizient heizen – und so nicht“

  1. avatar Kai sagt:

    Frischluft NIEMALS aus dem Motorraum !!! Die Luft könnte mit Abgasen oder gefährlichen Öldämpfen vermischt sein.

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