Weltumseglung: Golden Globe-Organisator MacIntyre gründet neue Mini-Klasse zum Selbstbau

Auf 5.80m einhand um die Welt

Die Bootspläne für den Selbstbau kosten 300 Euro, gebaut wird mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Nächstes Jahr startet schon eine Mini 5.80-Transat – 2024 soll es in sechs Etappen um die Welt gehen! 

Technische Daten und Riss des neuen Mini 5.80 © macIntyre

Eines muss man Don MacIntyre lassen: Er hat jede Menge Ideen und setzt die meisten – mögen sie auf den ersten Blick noch so irrsinnig erscheinen – auch um! 

Da war zunächst die Wiederbelebung des Golden Globe Race. Wer hätte vor vier Jahren, als er das Einhand-Rennen rund um die Welt im Retro-Modus ankündigte gedacht, dass er tatsächlich siebzehn Langkieler-Boote auf den Weg schicken wird (SR-Bericht vom Start)?  Geschweige denn, dass daraus eine Regattaserie entstehen könnte, die alle vier Jahre im Stil der Vendée Globe von Les Sables d’Oloinnes in Frankreich gestartet wird?

Kein Mangel an Ideen

Oder die Wiederauferstehung der „Joshua“. Für das Golden Globe Race initiierte MacIntyre den Bau Original-getreuer Replika des Stahlschiffs von Bernard Moitessier, mit dem der Kult-Weltumsegler einst bei eben jenem Golden Globe Race vor über 50 Jahren dabei war. Aber lieber auf der Zielgerade abdrehte, um seine seelische Ruhe in der polynesischen Südsee zu suchen. 

Ziemlich umtriebiger Typ: Don MacIntyre © macintyre

Mit den Joshua-Nachbauten soll nun beim nächsten Golden Globe Race eine Einheitsklasse in der Flotte der Retro-Weltumsegler geschaffen werden. Vorletzter Coup: Das Ocean Globe Race 2023, ebenfalls im Retro-Modus auf alten Whitbread-Racern zum 50-jährigen Jubiläum des Whitbread Round the World Race.

Überhaupt ist es längst kein Geheimnis mehr, dass der umtriebige MacIntyre auf alles Seglerische „steht“, das irgendwie mit den Begriffen „Klassik“ und „Retro“ in Zusammenhang gebracht werden kann. Würzt man das Ganze dann noch mit „Abenteuer“ und „Sehnsucht nach dem Blau des Ozeans“, dann kann davon ausgegangen werden, dass MacInyre garantiert dazu etwas einfällt. 

Neu: Classe Mini 5.80

Wie zum Beispiel das hier: Noch in diesem Monat will der weltenbummelnde Australier mit vorübergehendem Wohnsitz in Frankreich eine neue Bootsklasse gründen: Den Mini 5.80.  Nicht mehr und nicht weniger!

Ja, richtig gelesen: MacInyre wagt es, mitten in Mini-Erfolgszeiten mit Mini-Flotten in zuvor nie gesehener Größe eine neue Klasse zu gründen, die auch noch den nahezu gleichen Namen wie das berühmte Vorbild trägt. Nur dass diese neuen Minis eben nur 5,80 m kurz sein sollen und im Bausatz hergestellt werden.

Und dann wird es noch das Mini-Globe-Race Geben… © macIntyre

Doch damit nicht genug: Schon im November 2021 (im nächsten Mini-Transat-Jahr also) will MacIntyre die erste Flotte der segelnden Nussschalen ausgehend von Portugal über den Atlantik schicken. 

Die offizielle Ankündigung dieses neuen Transat-Rennens und die Geburt der neuen Klassenvereinigung soll am 14. März auf der niederländischen Bootsmesse HISWA in Amsterdam bekannt gegeben werden. 

Wie immer: Zurück zu den Wurzeln

Auch mit dem Mini 5.80 will der GGR-Organisator MacIntyre an längst vergangene Zeiten erinnern, als sich Segler ihre Boote noch selbst bauten und in teils waghalsig kleinen Nussschalen auf den Weg machten, die Ozeane unseres Blauen Planeten zu erobern. Entsprechend kann man nun für läppische 300 Euro bei MacInyre die Bau- und Konstruktionspläne für das Boot kaufen, um sich dann selbst in der Garage an die Arbeit zu machen. Oder vielleicht beauftragt man doch lieber die lokale Werft oder den nächsten Bootsbauer? 

Baunummer 1 des neuen Mini 5.80 © macintyre

Die Mini 5.80 werden ausschließlich aus (nachhaltig angebautem) Holz gebaut und sollen ohne Karbon und Foils oder ähnlichem modernen Schnickschnack auskommen. Sie sollen das Gefühl von Abenteuer und Freiheit der modernen Segelwelt wieder zurück bringen. Oberste Prämisse: Einfach und dennoch sicher sollen die Boote sein! 

Inspiriert von Capt. Bligh

MacIntyre ließ sich zu seinem neuen Projekt bei dem mittlerweile legendären Törn auf einem 7,60 m langen, ehemaligen Walfangboot inspirieren, als er ohne Seekarten und Toilettenpapier (!), mit nur wenig Wasser und noch weniger Nahrung die 4.000 Seemeilen lange Route des Captain William Bligh nachsegelte (SR-Bericht). 

Auf diesem Boot segelte MacIntyre vor zehn Jahren die Bligh-Route unter ähnlichen Bedingungen wie damals nach © macintyre

Derzeit wird in Polen an Baunummer 1 der neuen Mini 5.80-Bootsklasse gebastelt. Auf ihr will MacIntyre an der ersten 5.80-Transat höchstpersönlich teilnehmen. 

„Ich möchte die Segler und Seglerinnen wieder zu den Wurzeln ihres Sports zurück bringen. Als beim Segeln noch nicht alles Hightech war, als man noch mit einfachen Dingen eine Menge Spaß hatte,“ schreibt MacIntyre. „Ich weiß nicht, ob sich diese Idee des einfachen und ursprünglichen Segelns ohne Komfort und nur mit der puren Lust am Abenteuer durchsetzen wird und kann. Ich bin jedenfalls richtig enthusiastisch und glaube fest an das Projekt!“ 

Ach ja, und wem es noch an Inspiration und Motivation für das Bau-Projekt mangelt: 2024 soll dann ein Mini 5.80 Globe Race gestartet werden: In sechs Etappen rundum auf 5,80 m kurzen Booten. Einhand, versteht sich. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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