Weltumseglung: Mit der Class 40 im Regattamodus rundum – 8 Etappen, die es in sich haben

Um den Globus mit Globe 40

Die „Arbeitspferde der Ozeane“ sind sowieso für Langstreckenregatten konzipiert. Ab Sommer 2021 können sie dafür den ultimativen Beweis erbringen. Skipper und Teams können wechseln. 

Weltumseglung! Alle großen Ozeane bewältigen, in fernen Ländern spannende Zwischenstopps einlegen, vor Inseln mit exotischen Namen ankern, einmal rundum segeln und den definitiven Beweis erbringen, dass es hinterm Horizont immer weiter geht – Träume, die sich mittlerweile nicht mehr nur Fahrten- und Langfahrtsegler erfüllen wollen, sondern auch immer mehr Regattasegler. 

Ohne Gelddruckmaschine?

Regattasegeln rund um die Welt? Muss man dafür nicht eine Gelddruckmaschine im Keller haben oder wenigstens zu den weltbesten Hochseeseglern mit entsprechendem Sponsorship zählen? Schließlich sind Vendée Globe (einhand) oder das Ocean Race (mit Crew) Regatten, die mit einem enormen zeitlichen, fachlichen und finanziellen Aufwand betrieben werden. 

Start Class 40 bei der Transat Jacques Vabre © liot/TJV

Jenseits dieser Super-Events werden jedoch nur wenige Möglichkeiten angeboten, im Regattamodus um die Welt zu segeln. Da wäre z.B. das Clipper-Race (in Etappen mit wechselnden Amateur-Crews um den Globus) oder das Golden Globe Race (Einhand auf Retro-Booten rundum). Gemeinsamer Nenner dieser beiden Events: Im Prinzip kann (fast) jeder mitmachen, die Kojenplätze (beim Clipper Race) sind irgendwie bezahlbar (50.000 Euro für die ganze Tour), der Aufwand für den Kauf und die Ausrüstung eines Bootes sind in einem überschaubaren Rahmen (ca. 120.000 Euro, mit hohem Wiederverkaufswert beim GGR). 

Für Class 40-Segler wird nun eine weitere Alternative angeboten, für deren Teilnahme man sich und nachfolgende Generationen nicht lebenslang verschulden muss. Vorausgesetzt, man hat bereits eine Class 40 am Clubsteg liegen oder gute Kontakte in die ausgesprochen umtriebige Szene, um sich zu vernünftigen Preisen eine Class 40 für ca. ein Jahr zu chartern. 

Mindestens 15 Boote

Bereits im Sommer 2019 kündigte die französische Agentur Sirius Evenements vage die Weltumseglungsregatta Globe 40 mit Start im Sommer 2021 an. In acht Etappen soll zweihand auf Class 40 um die Welt gesegelt werden. 

Die Route © globe 40

Was zunächst als „Versuchsballon“ zu verstehen war: Die Klassenvereinigung und die veranstaltende Agentur wollten ausloten, ob sich genügend Interessenten für ein derartiges Abenteuer finden würden. Schließlich gilt die Class 40 mit über 160 aktiven Booten und mehr als 20 Regattaangeboten per anno als eine der eifrigsten Klassen in der Hochseeszene. Und immerhin haben allein bei der letzten Route du Rhum (einhand Transatlantik) 53 und bei der Transat Jacques Vabre (zweihand Transatlantik) 27 Class 40 teilgenommen. Als Mindestteilnehmerzahl wurden 15 Boote für die Globe 40 benannt – letzte Meldemöglichkeit ist in einem Jahr, am 31. Dezember 2020. 

Start in Marokko

Nun meldet Globe 40, dass die marokkanische Stadt Tanger als Starthafen auserkoren wurde. Mittlerweile haben sich laut Angaben der veranstaltenden Agentur bereits mehr als 60 Teams ernsthaft für das Event interessiert. Zehn Boote wurden bereits vorangemeldet und in der Szene ist man sich sicher, dass mindestens noch weitere zehn Boote die Meldeliste bereichern werden. 

Etwas andere Etappenziele: kapverden © globe 40

Vor allem das Konzept, die Regatta für Amateur- wie auch Profi-Crews attraktiv zu gestalten, findet offenbar großen Anklang. Die Globe 40 versteht sich als ein Mix aus seglerisch anspruchsvoller Hochseeregatta und exotischem Abenteuer. Besonderer Augenmerk wird darauf gelegt, dass die Teilnahmebedingungen im Bereich „des Machbaren“ bleiben, wie es in einer Pressemitteilung ausgedrückt wurde.

Derzeit arbeiten die veranstaltende Agentur und die Klasse technische Voraussetzungen für die Teilnahme bei der Globe 40 aus. Dabei geht es in erster Linie darum, etwaige Umbaumaßnahmen an den Booten so reduziert wie möglich zu halten. Nicht umsonst gelten Class 40 per se als besonders robuste, hochseegängige „Arbeitspferde der Ozeane“. 

Etwas andere Etappenziele: Südliches Südamerika © globe 40

Mit einem Punktesystem soll zudem auch ein Teilnahmeanreiz für Eigner eher älterer Class 40 geschaffen werden. Denn die Diskrepanz zwischen den neueren Modellen der letzten vier Jahre und Booten, die vor sieben bis zehn Jahren gebaut wurden, ist zumindest in Sachen „Geschwindigkeit“ deutlich. Ganz zu schweigen von den nagelneuen Modellen (mit voluminösem Bug) eines Ian Lipinski oder Simon Koster, die bei der letzten Transat Jacques Vabre ihre Duftmarken setzten. 

Eine weiteres Schlüsselelement dieser shorthanded Weltumseglungsregatta in Etappen ist ein möglicher Skipper- oder Teamwechsel in den Etappenhäfen. So können Kosten aufgeteilt und berufliche sowie familiäre Verpflichtungen berücksichtigt werden. 

Etappen

  • Prolog: von einem französischen Hafen (Mittelmeer- oder Atlantikküste) nach Tanger. Mehrere Städte sind im Gespräch, Information folgt.
  • 1. Etappe: Tanger (Marokko) – Sao Vincente (Kapverden), ca. 2.430 sm
  • 2. Etappe: Sao Vincente – Mauritius, ca. 7.725 sm
  • 3. Etappe: Mauritius – Auckland (Neuseeland), 6.923 sm
  • 4. Etappe: Auckland – Papeete (Tahiti), ca 2.710 sm
  • 5. Etappe: Papeete – Ushuaia (Argentinien), ca. 4.574 sm
  • 6. Etappe: Ushuaia – Recife (Brasilien), ca. 3.595 sm
  • 7. Etappe: Recife – Grenada (Karibik), 2.200 sm
  • 8. Etappe: Grenada – Tanger(Marokko)

Reguläre Teilnahmegebühren: 15.000 Euro (exkl. Mwst.) pro Boot. Nachmeldungen mit Aufschlägen.

Übrigens: für 2023 ist ebenfalls eine shorthanded Weltumseglungsregatta auf Class 40 geplant. Unter Namen „The Race Around“ sollen die großen Kaps (auf klassischem Wege) backbord gelassen werden. Mit maximal vier bis fünf Etappenhäfen muss – im Gegensatz zum Globe 40 – der Southern Ocean durchquert werden. 

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