World Sailing: Quanhai Li übernimmt als erster Chinese das Amt des Weltsegler-Präsidenten

China auf dem Vormarsch

Die Wahl von Quanhai Li als neuem World Sailing Präsident hat sich wie erwartet bestätigt. Erstmalig wird der Weltsegler-Verband von einem Asiaten geführt. Ex Präsident Andersen stolperte über Vorwürfe.

Quanhai Li (58), einer von sechs Vizepräsidenten bei World Sailing, ist neuer Präsident. In der finalen Stichwahl gewann der Chinese gegen den dänischen Amtsinhaber Kim Andersen mit 68 zu 60 Stimmen und tritt nun eine vierjährige Amtszeit an.

Andersen war zwar aus dem ersten Wahlgang unter vier Bewerbern als klarer Sieger hervorgegangen, aber insbesondere der spanische Kandidat Gerardo Seeliger rief nach seinem Ausscheiden seine Wähler dazu auf, für Li zu stimmen. Es bräuchte einen Neuanfang. So konnte der Chinese seine Stimmenanzahl im zweiten Wahlgang um 27 erhöhen während der Däne nur 7 dazu gewann.

Der Chinese Quanhai Li ist neuer World-Sailing-Präsident. © World Sailing

Li ist seit 1995 in verschiedenen Positionen im chinesischen Segelverband tätig und zählte in den vergangenen acht Jahren zu den sieben Vizepräsidenten des Weltsegelverbandes. Auch diese wurden neu gewählt. In den vergangenen vier Jahren hatte für Deutschland Nadine Stengenwalner ein Vizepräsidentenamt inne. Nun kommen die neuen Delegierten – drei Frauen und vier Männer – aus Polen, Australien, Südafrika, Frankreich, Türkei, Irland und den USA.

Finanzielle Katastrophe

Beobachter erkennen im Wahlergebnis eher eine Entscheidung gegen Andersen als für Li.  Der Däne war zuletzt mit einigen Skandalen in die Schlagzeilen geraten. Die finanzielle Katastrophe beim Verband wird ihm angelastet, obwohl er viele der Probleme von seinen Vorgängern geerbt hat. Aber dreimal musste er sich vor der Ethikkommission des Verbandes verantworten.

F50, SailGP

Team China war beim SailGP aktiv und rast vorbei an Alcatraz. © Chris Cameron / SailGP

Es ging um vermeintlichen Wahlbetrug im Zusammenhang mit der Abstimmung über olympischen Klassen, um Missbrauch der Unterschriften zweier Vizepräsidenten und den zweifelhaften Einsatz eines Beratungsunternehmens für den eigenen Wahlkampf. Die Entscheidung im letzten Fall verzögerte er bis nach einer möglichen Wiederwahl, die nun aber nicht stattgefunden hat.

Quanhai Li dagegen ist eher ein unbeschriebenes Blatt. Und die Delegierten hoffen offenbar mit seiner Wahl auch auf chinesische Sponsoren, die Li in Aussicht stellte. Mit ihm als Präsident sollen mehrere große Unternehmen bereit sein, Sponsoring-Vereinbarungen zu unterzeichnen.

Segeln beim lokalen Yacht Club in Shenzhen. © Shenzhen Sevenstar Yacht Club

Tatsächlich könnte seine Wahl das Interesse am Segeln in China stärken. Zuletzt hatte es im Land immer wieder Bemühungen gegeben, die Entwicklung des Sports zu stärken. Es wurden zuletzt Stimmen geäußert, dass China eine Segelweltmacht werden wolle.

In den vergangenen Jahren ist das Segeln in China gewachsen. Der chinesische Verband CYA erwartet, dass bis 2021 über 400 Yacht-Clubs aktiv sind mit mehr als 150.000 Seglern. Das würde einem Anstieg von 150 Prozent gegenüber dem Niveau von 2018 entsprechen. Die Wahl von Li könnte diesen Trend weiter befeuern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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