49er Worlds: Erik Heil und Thomas Plößel an der Spitze – Deutsche Team-Kollegen mühsam

Perfekter Start

Das ist mal eine echte Ansage. Erik Heil und Thomas Plößel haben bei der Weltmeisterschaft und ersten deutschen Olympiaqualifikation in Auckland mit den Plätzen 2/1 die Führung im Feld von 85 49er übernommen.

Die 49er vor Auckland. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Eine der spannendsten Fragen vor der Weltmeisterschaft der 49er und Nacra17 in Neuseeland war die nach der Form der Olympia-Dritten im 49er. Erik Heil und Thomas Plößel haben nach ihren Triumph von Rio 2016 sportlich erstmal halblang gemacht.

Perfekter Start für GER 4. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Sie mussten erkennen, dass Segel-Medaillen in Deutschland nicht automatisch in eine berufliche Karriere münden. Der 30-jährige Steuermann stürzte sich relativ kurzfristig in ein Medizin-Studium, erhielt zusammen mit dem 49er-Konkurrent und Freund Max Böhme einen Platz im polnischen Stettin, wechselte inzwischen nach Kiel und bestand im August das Physikum. Als wenn es nichts wäre. Parallel schloss Thomas Plößel (31) sein Maschinenbau-Masterstudium erfolgreich ab.

Heil/Plößel im ersten Rennen an der Luvtonne hinter den Dänen. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Das Duo konnte nur darauf schielen, wie sich die sportliche Konkurrenz zwischenzeitlich entwickelt. Dabei sind im Segel-Leistungssport eigentlich die Zeiten längst vorbei, in denen man locker nebenbei ein Studium durchziehen kann. Zu groß ist der zeitliche Aufwand geworden. Kein Wunder, dass gerade im 49er ein Segelprofi-Duo wie Peter Burling und Blair Tuke dominiert, das vom America’s Cup Team bezahlt wird.

Dominanz im zweten Rennen bei kräftigem Wind. © Jesus Renedo / Sailing Energy

Heil und Plößel segelten im Jahr nach den olympischen Spielen 2017 nur vier Regatten und 2018 gar nur zwei. Sie sackten im Juni 2018 bis auf Platz 46 der Weltrangliste ab. Es schien, als wollten sie ihr Kader-Engagement langsam austrudeln lassen. Anderen Teams ist in der Vergangenheit im DSV-System bei ähnlichen Vorgaben die Unterstützung gestrichen worden.

Aber das Duo, das seit 2001 zusammen in einem Boot segelt, bestätigte, dass es nicht mit normalen Maßstäben zu messen ist. Ohne viel Training segelten sie bei den WMs 2017 und 18 auf die Plätze sechs und vier, bestätigten damit ihren A-Kader-Status und schafften nach einem weiteren halben Jahr Pause das “Wunder von Miami“. Als sie beim Weltcup quasi aus dem Nichts die Weltelite besiegten.

Führung in der Gesamtwertung

Solche Erlebnisse sind offenbar die Grundlage für die Leistung, die das Team vom NRV am ersten Tag der Weltmeisterschaft in Miami abgeliefert hat. Nach den Plätzen 2/1 in der blauen Gruppe der dreigeteilten Flotte führt es die Gesamtwertung an. Zwei starke Starts in der Nähe des Pin Ends, hervorragender Kreuz- und Vorwind-Speed bei stärkerem Wind ließ sie dominieren.

Im ersten Lauf rauschten sie auf dem ersten Vorwind schnell von drei auf eins nach vorne, verloren dann auf der Kreuz über die linke Seite, aber schoben sich unter Gennaker wieder auf Platz zwei knapp hinter die Iren. Im zweiten Rennen gelang dann ein dominanter Sieg mit großem Vorsprung.

Guter Start von Heil/Plößel in Lee…

…Die Holländer kommen in Lee nicht durch und wenden hinter den Deutschen…

…Die Olympia-Bronze-Gewinner passieren die Flotte komfortabel von links…

…Schon an der Luvtonne ist der Vorsprung deutlich.

Zuvor waren die Rennen lange verschoben worden, weil eine Front mit 30 Knoten Böen über die Rennstrecke zog. So kamen die 49er FX und Nacra 17 zu keinen Rennen am ersten Tag. Insgesamt 402 Segler aus 40 Ländern sind vor Ort. Sie segeln auf zehn verfügbaren Kursgebieten in der Bucht von Waitemata.

Dieser erste Tag heißt noch wenig. Gute Ergebnisse hängen auch damit zusammen, welche Konkurrenz sich in der jeweiligen Gruppe befindet. Nach zehn Qualifikationsrennen fallen die Entscheidungen über die Zugehörigkeit zur Goldgruppe. Erst dann segeln die Besten im direkten Vergleich gegeneinander. Aber die Quali-Punkte gehen in die Wertung mit ein.

So ist aber auch für die übrigen deutschen Teams noch längst nichts verloren. Auch wenn sich Platz 59 für Schmidt/Böhme und 48 für Fischer/Graf nach einem Desaster anhört. Die Punktabstände sind noch gering. So starteten auch Meggendorf/Spranger mit 14/2 gut auf Rang 17.

Hier ist der zweite Platz von Meggendorf/Spranger dokumentiert:

Stingele/Scheel sind 34. und Carstensen/Frigge 35.

Es kann aber viel wert sein, den ersten Tag mit einem Erfolgserlebnis zu beenden, um in einen gewissen Flow für die Serie zu kommen und das Wind-Muster auf dem Rennkurs zu verstehen. Heil/Plößel ist das eindrucksvoll gelungen. Aber auch die Favoriten Burling/Tuke haben schon einen Sieg abgeliefert. Und auch die toppgesetzten Briten Fletcher/Bithell gaben sich keine Blöße. 

Schöne Moment-Aufnahme. Heil/Plößel an der Spitze.

Ergebnisse 49er WM Auckland

Live Übertragung (für 14,95)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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