A-Cat-EM: Wind und Welle zeigten sich launisch – 3 von 5 Tagen Totalausfall

Ashby unantastbar

A-Cat-EM, Warnemünde

Spagat zwischen zu wenig und zu viel Wind © Gordon Upton

Die Enttäuschung war groß bei den A-Cat-Seglern. Wieder einmal hatten Wind und Welle ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am vorletzten Tag der EM in Warnemünde war die Brise zu schwach – dann blies der Wind am oberen Limit von 22 Knoten.

Nach einer Startverschiebung ließ die Wettfahrtleitung das Teilnehmerfeld auslaufen, nur um sie dann doch wieder nach Hause zu schicken. Die Wellenhöhe von 1,5 bis 2 Meter auf der Bahn erschien ihr als zu heikel für die filigranen Carbonrenner. So blieb es bei nur fünf gesegelten Wettfahrten. Drei von fünf geplanten Renntagen waren Totalausfall. Besonders ärgerlich für viele: Ein Streicher wäre erst ab der sechsten Wettfahrt ins Spiel gekommen. Andere Klassen segelten zur selben Zeit vor Warnemünde, darunter die OK-Jollen, die bei ihrer WM einen unglaublich spannenden Finalkrimi boten.

A-Cat-EM, Warnemünde

Man muss meist nicht lange suchen – es gibt IMMER was zu basteln © gordon upton

Hinterher gab es Diskussionen über die Entscheidungen der Wettfahrtleitung. Hätte man für die A-Cats nicht eine andere Bahn mit weniger Welle wählen sollen? Hätte man die letztmögliche Startzeit am Finaltag nicht von 15 Uhr auf den Abend verlegen können? Hätte, hätte…. Die A-Cat-Klasse sollte jedenfalls auch selbstkritisch ihr eigenes Regelwerk in den Blick nehmen. Wer in seinen Championship Rules eine Mindestwindgeschwindigkeit von sechs Knoten und eine maximale von 22 Knoten festlegt, definiert ein recht enges Windfenster. Wenn dann auch noch die Wellenhöhe begrenzt wird, haben Wettfahrtleitungen ziemlich strenge Vorgaben. Halten sie sie ein, gibt es Diskussionen, wie in Warnemünde. Halten sie sich nicht daran, gibt es erst recht Unzufriedenheit. Schon so mancher Foiler-Pilot hat entnervt die Regatta verlassen, wenn bei Leichtwind unterhalb von Foiling-Bedingungen gesegelt wurde.

„Er gewinnt immer!“

Aber auch wenn die Bedingungen diesmal nicht gerade optimal waren: Das Ergebnis spiegelt den Leistungsstand in der Klasse gut wider. Nach wie vor unantastbar bleibt der australische Seriensieger  Glenn Ashby. „Es ist völlig gleich, auf welches Boot er sich setzt, er gewinnt immer“, heißt es nicht zu Unrecht in der Klasse. Der starke zweite Platz des Spaniers Manuel Calavia kommt ebenfalls nicht unerwartet, er ist seit längerem immer ganz vorne dabei. Den drittplatzierten Maciej Zarnowski hatte für eine Podiumsplatzierung zwar niemand auf der Liste, aber auch sein Erfolg ist nicht zufällig. Im polnischen Sopot nahe Danzig hat sich ein regelrechtes Excellenz-Cluster herausgebildet.

Es besteht aus einer immer größer werdenden Gruppe relativ junger und ehrgeiziger Segler, die sich gegenseitig vorwärts puschen. Wesentlich mitverantwortlich ist die gute Materiallage in Polen: Die Exploder-Werft liefert schnelle, zuverlässige Plattformen, Segelmacher Zarnowski stellt konkurrenzfähige Segel her.

A-Cat-EM, Warnemünde

Das A-Cat-Feld auf Standby. Beim Schießen dieses Fotos hat Fotograf Gordon Upton beinahe Prügel am benachbarten FKK-Strand kassiert. © Gordon Upton

Aus deutscher Sicht erfreulich ist der siebte Platz von Bob Baier. Seine Punktstrafe nach einer Kontrollvermessung fiel zum Glück nicht groß ins Gewicht. Seine Segelfläche war 0,06 qm zu groß gewesen. Dazu muss man wissen: Die Fläche des drehbaren Flügelmastes wird bei der Ermittlung der maximalen Segelfläche der A-Cats von 13,94 qm mitgerechnet, und die Flächen der Segel sind angesichts ihrer komplizierten Formen schwer auszumessen. Da passiert es ganz schnell, dass der eine Vermesser auf jenes Ergebnis kommt und der nächstes auf ein abweichendes.

Einmal mehr konnte Katrin Brunner aus Lindau überlegen die Frauenwertung gewinnen. Anders als die Mehrzahl ihrer männlichen Segelkollegen hatte sie alle Wettfahrten beendet, auch die heftige Starkwindwettfahrt vom Dienstag. Die Wertung die nichtfoilenden Classic-Boote gewann der Pole Marek Zebrowski, gefolgt von Micky Todd und dem Allgäuer Florian Hennig.

Neue, alte Technik

In technischer Hinsicht bot die EM keine Sensationen. Herausragend war aber der modifizierte Scheurer G7 des Schweizers Sandro Caviezel. Seine Mastlänge betrug nur 8,3 Meter (statt der üblichen 9 Meter). Dementsprechend war sein Segel bei weitem nicht so schlank geschnitten wie etwa das von Mischa Heemskerk, der das andere Extrem markierte. Bemerkenswert ist auch die Ruderanlage von Caviezel. Er verwendet keine Spurstange, um die beiden Ruder miteinander zu verbinden, sondern ein ausgeklügeltes System aus Leinen und einer Travellerschiene. Dies ermöglicht ihm, bei Wenden und Halsen mittels nur einer einzigen Streckerleine die Anstellwinkel von Ruder und Schwert zu verstellen. Die Idee dabei ist unter anderem, das jeweilige Luvruder mit seinem L-Flügel auf Abtrieb zu stellen und somit mehr aufrichtendes Moment zu erzeugen. Es scheint zu funktionieren, der Bootsspeed von Caviezel war exzellent.

A-Cat-EM, Warnemünde

Meister Ashby beim Warmsegeln © gordon upton

Keine Erfindung der A-Cat-Klasse ist hingegen das Magic Wheel, das im DNAFx1 von Ashby und Heemskerk unter dem Trampolin nahe des vorderen Beams verbaut ist. Man kennt es seit Jahrzehnten beispielsweise aus Jollenkreuzern. Zwei verschieden große Spulen, die fest miteinander verbunden sind, ermöglichen eine Untersetzung von eins zu acht und mehr. Beim DNAFx1 wird es für die Großschot verwendet. Der Vorteil: Am Segel wird nur noch ein dünner Dynemastropp eingehängt, Blöcke sind überflüssig. Der Windwiderstand ist denkbar gering, und das Gewicht an heiklen Stellen wie Segel und Baum ist klein. Der Nachteil: Wehe, das Magic Wheel funktioniert nicht sauber und es gibt beispielsweise Überläufer auf einer der Trommeln…

Die EM ist vorbei, nun richten sich alle Augen auf die Weltmeisterschaft im November. Ausgetragen wird sie im australischen Hervey Bay – unter hoffentlich besseren Bedingungen als in Warnemünde. Eine Gruppe australischer Segler, darunter Ex-Europameister Andrew Landenberger, möchte dort den Foilern Paroli bieten und optimiert derzeit ihre Classicboote. Gut möglich, dass sie nicht nur bei leichten Winden den Foilern die Grenzen aufzeigen.

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Christian Stock

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3 Kommentare zu „A-Cat-EM: Wind und Welle zeigten sich launisch – 3 von 5 Tagen Totalausfall“

  1. avatar Markus Weber sagt:

    Guten Tag Herr Stock,

    nicht wir als Wettfahrtleitung empfanden insbesondere die Wellenhöhe als zu kritisch sondern weite Teile der auf dem Wasser anwesenden Teilnehmer die sich sowohl bei uns am Startschiff als auch bei dem Anwesenden Juryboot über die aus A-Cat Segler sicht nicht segelbaren Bedingungen bedingt durch die Wellenhöhe beschwert haben.
    Daraufhin wurden in Absprache mit dem PRO der Warnemünder Woche aufgrund sich nicht ändernder Bedingungen und letzter Startmöglichkeit um 14 uhr alle Wettfahrten der A-Cats am letzten Tag abgebrochen.

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  2. avatar Christian Stock sagt:

    Guten Abend Herr Weber,

    Sie haben mein vollstes Verständnis. Die A-Cat-Klasse ist nicht gerade einfach – das sage ich als A-Cat-Segler und als Wettfahrtleiter (anderer Klassen).. Für Wettfahrtleitungen ist es nahezu unmöglich, es immer allen Recht zu machen, wenn nicht gerade 3,5 Windstärken bei flachem Wasser und blauem Himmel herrschen…

    Aus Seglersicht ist es so, dass bei diesem Boot extreme Bedingungen überproportional stark stressen. Zum Beispiel treibt das Boot nach Kenterungen sehr schnell ab, und wenn es strandet, sind schlimmstensfalls 25.000 Euro futsch. Deshalb die große Vorsicht vieler Segler.

    Hinzu kommt, dass das seglerische Können gerade bei den großen Championships sehr heterogen ist: Topfitte Profis treffen auf Amateure, die nicht immer genau wissen, was sie sich und der Wettfahrtleitung da antun, wenn sie starten. Das gilt insbesondere für bekanntermaßen anspruchsvolle Reviere wie Warnemünde, wo man schnell an seine Grenzen kommt.

    Die Lösung liegt im beiderseitigen Verständnis für die jeweiligen Probleme und Restriktionen.Allzu harte bzw. unflexible Regeln beider Seiten helfen auch nicht weiter. Aber darüber lässt sich ja sprechen.

    Mit den besten Grüßen,

    Christian Stock

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  3. avatar Christof sagt:

    Wir waren mit den Korsaren bei der Siegerehrung der A-Cats. Glenn Ashby wirkte sehr nett und auf dem Teppich geblieben. Hat sich sogar für ein Foto mit unserem Geburtstagskind hergegeben ;-).
    Die Siegerehrung war jedoch ziemlich chaotisch.
    Zum einen saßen die A-Cats zu weit weg vom Podium (wir kamen später und durften vorne sitzen) und dann gab´s einige Fehler bei der Preisvergabe.
    Die Preisträger haben mir etwas leid getan.
    Sorry für die dummen Sprüche der Korsare – wir hatten Hunger 😉

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