Affäre Gabart: Der Streit unter den schnellsten Offshore-Seglern der Welt geht weiter

"Nur Verlierer"

Die Ultim-Klasse hat auf das Urteil des Pariser Gerichts im Fall gegen das Team von François Gabart mit Zurückhaltung reagiert. Wie die verfahrene Situation entstanden ist.

So hebt er ab der Trimaran SVR Lazartigue von Francois Gabart. © Trimaran SVR Lazartigue

“Man muss sich mit den anderen Eignern die Zeit nehmen, um diese Gerichtsentscheidung zu analysieren. Wir werden uns in den kommenden Tagen treffen, um zu entscheiden, wie es weitergeht.” So lautet ein erster Kommentar zum Urteil des Pariser Gerichts im Streit um die Klassen-Konformität von Francois Gabarts Trimaran SVR Lazartigue – Eigner und Sponsor ist die Kresk-Gruppe – und der erteilten Starterlaubnis zur Route du Rhum im November.

“Dieses Urteil verlangt, dass wir der Kresk Group eine Ausnahme für die Route du Rum und nur für dieses Rennen gewähren. Der Rest der Regatten ist daher nicht betroffen.
Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis, finden es aber bedauerlich, dass das Gericht den Sicherheitsaspekt, der uns als Klasse sehr am Herzen liegt, nicht berücksichtigt. Diese Ausnahmeregelung bereitet uns Sorgen.

Wir werden gemeinsam entscheiden, wie wir diese Sache weiterführen. Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter. Es erfordert ein fundiertes Verständnis, bevor wir entscheiden, ob wir Berufung einlegen oder nicht. Am 28. Juli wollen wir mitteilen, was wir bis dahin beschlossen haben.”

Es geht um sportliche Konkurrenzfähigkeit

Dieser Kommentar deutet nicht darauf hin, dass der Fall ad acta gelegt sein könnte und endlich Ruhe in der Ultim-Klasse einkehrt. Viele Beobachter sind entsetzt, wie dieser Konflikt zwischen unter den Skippern und Eignern der Maxi-Trimarane so eskalieren konnte.

Im Endeffekt geht es um sportliche Konkurrenzfähigkeit. Gabarts Trimarans SVR-Lazartigue ist die jüngste Konstruktion der Klasse und sie unterscheidet sich so sehr von den drei Hauptkonkurrenten Sodebo (Thomas Coville), Gitana (Charles Caudrelier), Banque Populaire (Armel Le Cléac’h) – Actual (Yves Le Blevec) die ex Macif von Gabart ist kaum konkurrenzfähig – , dass diese befürchten, auf Dauer sportlich chancenlos zu sein.

Gabart hat mit SVR-Lazartigue zwar noch nicht gezeigt, dass sei 100 Fußer deutlich schneller ist, aber er wird besser und schöpft das Potenzial immer mehr aus. Da er mit seinem MerConcept-Rennstall über die nötigen Ressourcen verfügt, geht die Konkurrenz offenbar davon aus, dass er bald nicht mehr einholbar ist.

Viel hat mit dem Design zu tun. Der erst vor einem Jahr vom Stapel gelaufene Renner unterscheidet sich insbesondere durch sein tiefes gelegtes Cockpit und die bessere Aerodynamik – ein wichtiger Faktor bei dauerhaften Geschwindigkeiten über 40 Knoten. Der Maxi Edmond de Rothschild vom Gitana-Team, aktueller Platzhirsch der Szene, ist dagegen schon fünf Jahre alt und nur deshalb noch ein wenig schneller, weil er permanent optimiert wurde. Mehr ist aber wohl nicht drin. Und insbesondere der Schwerpunkt des Bootes kann eben wenig verändert werden.

Gabarts SVR Lazartigue hat zwar ein kleines, offenes Cockpit. Doch das Hauptcockpit mit allen Schoten und Fallen liegt mittig unten im Hauptrumpf, ohne Zugang nach außen. Genau das wird als regelwidrig angesehen © SVR Lazartigue

Zum Vergleich: Das Cockpit vom Maxi Edmond de Rothschild. © Yann Riou / Polaryse / Gitana SA

Auch “Banque Populaire XI” weist ein größeres, höher gelegenes Cockpit auf. © BP

Der Vorsprung vom Gitana-Team schmilzt. Und es besteht offenbar die Befürchtung, dass Gabart auf Dauer auch von den anderen nicht einzuholen ist, wenn man ihm diesen konstruktiven Vorteil durchgehen lässt.

Interessenkonflikte

Das Problem besteht darin, dass es in der Klasse, die sich nach dem Route-du-Rhum-Crash-Desaster 2018 – Ausfälle durch Rumpf-Bruch (Rothschild – Gitana), Beam-Schaden (Sodebo) und Totalschaden nach Kenterung (Banque Populaire) – kurz vor der Auflösung befand, offenbar keine echte Box Rule gegeben hat, die entsprechend kontrolliert wird.

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Carsten Kemmling

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