America’s Cup ACWS: Spannendere Rennen am zweiter Tag – Ainslie heiß in der Startbox

Briten fehlt mehr als ein Knoten

Am zweiten Tag der America’s Cup World Series teilen sich Amis und Italiener die Punkte. Ben Ainslie lag lange Zeit gegen das Team New Zealand vorne. Kiwis wehren sich gegen Vorwürfe.

Vier Matchraces wurden am zweiten Tag der PRADA ACWS Auckland auf Rennkurs C ausgetragen, dem bevorzugten Spielfeld direkt vor der Stadt. Der Wind hatte im Vergleich zum Vortag von Südwest auf Nordwest gedreht und erreichte zwischen 10 und 14 Knoten.

Dabei lag insbesondere das Augenmerk auf der Leistung von Ben Ainslie und seinem INEOS-Team UK, das am ersten Renntag schwer durch technische Probleme gehandicapt war und nicht ernsthaft segeln konnte.

Diesmal mussten die Briten zweimal ausgerechnet gegen Neuseeland ran, dem Cup-Verteidiger, der zwar schon gegen American Magic verloren hat, aber sich dennoch bisher als klar stärkstes Team präsentiert.

Dial down in der Startbox

Klar, dass Ben Ainslie in der Startbox brillieren muss, wenn er eine Chance haben will. So erschreckt er Peter Burling im ersten Rennen gleich mit einem Dial Down. Das heißt, er hält mit Vorfahrt auf den Gegner zu, und als der ausweichen will, fällt der Brite weiter auf ihn ab. Sekundenlang zeigen die beiden AC75-Bugspitzen genau aufeinander. Der Annäherungsspeed überschreitet 50 Knoten.

Dial down: Emirates Team New Zealand weicht dem Ineos Team UK vor dem Start in letzter Sekunde aus. © COR 36 | Studio Borlenghi

Burling dreht weiter ab und auch Ainslie gibt nach. Das Ziel dieses Angriffes: Den Gegner zum extremen Ausweichmanöver zwingen und ihn dadurch etwa von den Foils zu holen, oder einen Penalty zu erwirken. Beides klappt nicht. Die Kiwis antizipieren offenbar das Manöver, fallen hinter dem Heck ab und starten Fullspeed mit Wind von Backbord. Ainslie muss noch einmal wenden, hat zwar eine ordentliche Position, aber der Speed reicht nicht aus, um die Gegner in Schach zu halten. “Ich hätte noch mehr draufhalten können”, sagt Ainslie später. Aber dafür sei es noch zu früh. Der Rückstand: 1:32

Im zweiten direkten Duell macht es der vierfache Olmypiasieger besser als der zweifache. Beim zweiminütigen “Tanz” in der Box verliert Burling den Grip des Foils, klatscht ins Wasser und muss zusehen, wie die Briten deutlich davon ziehen. Am Luvtor liegen sie zwölf Sekunden vorne, aber schon beim ersten Vorwind-Cross wieder hinten. Einmal gelingt noch ein kurzer Führungswechsel, aber gerade bei nachlassendem Wind ist Ainslie chancenlos.

Die Speed-Statistik des achten Rennens. INEOS Team UK ist klar unterlegen.

Besonders in den Manövern sackt der Speed bei den Briten (gelb) tiefer ab.

Gut zu sehen, was eine zusätzliche Wende der Briten zum Schluss kostet. Ansonsten segeln sie auf der ersten Kreuz bei stärkerem Wind einigermaßen auf Augenhöhe, auch senn der Geradeaus-Speed teilweise zwei Knoten differiert.

Bei der ersten Halse verlieren die Briten zehn Knoten mehr als die Kiwis und liegen sofort hinten.

Das INEOS Team UK hat zwar seine ersten beiden Rennen einigermaßen unbehelligt überstanden, aber Ainslie gibt im Interview danach unumwunden zu, dass es noch ein echtes Speed-Problem gibt.

Mehr Ärger um das Foil Cant System

Damit steht der Ärger um das am ersten Tag bei den Briten ausgefallene Foil Cant System (FCS), das von allen Teams verwendet werden muss, erst einmal nicht mehr im Mittelpunkt. Aber die Neuseeländer antworteten auf Ainslies Vorwürfe wegen einer ausgefallenen Batterie – “Wir müssen alle zusammenkommen, um diese Probleme zu lösen” – eher ungehalten.

In einer Pressemitteilung heißt es zum FCS: “Alle Teams sind für die Installation, laufende Wartung und Betrieb ihrer eigenen Systeme selbst verantwortlich. Sie erhalten vollständige Betriebs- und Wartungsanweisungen und Programme, um eine effektive und zuverlässige Leistung zu gewährleisten.

Das Luna Rossa Prada Pirelli Team im engen Duell mit New York Yacht Club Herausforderer American Magic © COR 36 | Studio Borlenghi

Seit einigen Monaten gibt es jeden Freitag eine wöchentliche koordinierte Telefonkonferenz zwischen allen Teams in einer offenen und transparenten Umgebung, um das System zu besprechen und alle Entwicklungen gemeinsam anzugehen.

Nach den Erfahrungen des Emirates Team New Zealand funktioniert das System wie vorgesehen, wenn alle Wartungs- und Startprozeduren korrekt eingehalten werden. Emirates Team New Zealand kann nicht sicherstellen, dass diese Verfahren von jedem der Teams befolgt werden.”

Die Behauptung von INEOS TEAM UK, erst am Renntag um 12 Uhr hätten sie ein Software-Update erhalten sei völlig falsch. “Das letzte Software-Update wurde nach ausführlicher Rücksprache mit allen Teams am vergangenen Freitag an alle Teams ausgeliefert.”

American Magic – Luna Rossa 1:1

Für die anderen Teams scheint das Thema allerdings auch ein potenzielles Problem zu beinhalten. Im ersten Duell zwischen American Magic und Luna Rossa verloren die Amerikaner in Führung liegend die Kontrolle nach einer Wende.

Ein Foil ließ sich nicht aus dem Wasser heben und kurze Zeit schien der blaue AC75 sogar fast zu kentern. Paul Goodison, britischer Laser Olympiasieger und Wing Trimmer beim US-Team erzählt im Interview, dass man erst dachte, es sei ein falscher Knopf gedrückt worden. Tatsächlich gab es ein Problem beim Aktivieren des Motors. Nach dem kurzen Ausfall funktionierte das System wieder, aber das Rennen ging verloren.

Im zweiten Duell mit Luna Rossa segelten beide Teams auf Augenhöhe und es kam zu einem echten Match Race. Die Italiener machten sich selber Probleme durch einen Unforced Error beim Eintauchen in die Startbox – wie schon im ersten Rennen – und mussten deshalb einen Startvorteil aufgeben. Im Vorstart verteilten sie sich gegenseitig Penalties und schließlich kam American Magic besser über die Linie.

Der Abstand während des Rennens schwankte zwischen 20 und 10 Sekunden. Luna Rossa ist offenbar am Wind etwas schneller, American Magic vor dem Wind. Der Sieg ging schließlich mit einer 30-Sekunden-Differenz an die Amerikaner.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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