America’s Cup: Burling/Tuke zögern mit der Unterschrift – Bleiben sie bei TNZ?

"Wir hätten gerne Klarheit"

Sind Peter Burling und Blair Tuke auf dem Absprung? Kiwi-Medien befürchten einen ähnlichen Aderlass wie vor der America’s Cup Niederlage 2003 gegen Alinghi.

Peter Burling und Blair Tuke (r.) bei der Nachbesprechung eines Cup-Rennens. © Riedel

Er hat es schon einmal getan. Ernesto Bertarelli wilderte für den America’s Cup 2003 im Revier der der siegreichen Neuseeländer, heuerte das Kernteam der “Fabulous Five” Russell Coutts, Brad Butterworth, Warwick Fleury, Murray Jones, und Simon Daubney an, entführte mit seinem Alinghi-Team die Kanne von der Insel und verteidigte sie 2007 in Valencia. Die fünf Segler hielten den Hass der Landsleute aus und sicherten ihre persönliche Zukunft ab.

Droht nun ein ähnliches Szenario? Meldungen verdichten sich, dass Peter Burling (30) und Blair Tuke (32), das Herz des neuseeländischen Segelteams, Gespräche mit Herausforderer-Syndikaten über eine mögliche Verpflichtung führen. Das Online-Medium Stuff zitiert eine Quelle mit Insider-Informationen und nennt Bertarelli als potenziellen Interessenten.

Russell Coutts vor dem America´s Cup, den er viermal gewann. © Grenier/Oracle Racing

Der Name des Schweizers fiel im Zusammenhang mit dem nächsten America’s Cup zuletzt immer öfter. Seine Ambitionen über eine Rückkehr sind kein Aprilscherz oder Geheimnis mehr. Er wurde sogar von Grant Dalton als potenzieller Geldgeber mit der gescheiterten Initiative zur Heim-Regatta in Verbindung gebracht.

“Haben Sie dem NYYC-Mitglied mitgeteilt, dass Sie die finanzielle Unterstützung von Ernesto Bertarelli haben und auch mit Larry Ellison in Kontakt stehen?” lautet eine der offen gestellten und schließlich unbeantworteten Fragen an Mark Dunphy, die schließlich zur Zurückweisung der sogenannten “Home-Defence”-Initiative sorgte.

Marktwert austesten

Ein Abwandern des erfolgreichen Kiwi-Siegerduos ist nur schwer vorstellbar. Sie würde das Team auseinanderfallen lassen. Ersatz auf diesem Niveau gibt es nicht auf die Schnelle. Die sportliche Entwicklung der beiden Segel-Helden ist immer noch eine der wichtigsten Trumpfkarten im Spiel um die Kanne.

Allerdings wollen die 49er-Olympiasieger von 2016 offenbar ihre Haut auch nicht zu billig verkaufen. Sie scheinen ihren Marktwert auszutesten. Jedenfalls machen die neuseeländischen Segelmedien viel aus dem Umstand, dass Burling und Tuke noch keinen weiterführenden Vertrag mit dem Team New Zealand unterschrieben haben.

Dabei stellt sich die Situation deutlich anders dar als beim America’s Cup 2000 nach dem 5:0 Sieg gegen Prada Challenge von Patrizio Bertelli. Das Team fiel damals in ein Loch, weil die Anschlussfinanzierung nicht gesichert war. Und es erschienen sehr vermögende neue Teams auf der Bildfläche, die die Preise für die Sportler in die Höhe trieben.

Aktuell wird dagegen das Kernteam beim Team New Zealand mit regelmäßigen Gehaltszahlungen zusammengehalten. Außerdem scheint die Verhandlungsposition der beiden Segler nicht so gut zu sein, wie damals bei Coutts und Co. Die “Faboulous Five” hatten seglerisch und technisch wohl einen größeren Anteil an den Cup-Erfolgen, als sie Burling und Tuke zugesprochen werden. Die zwei jüngsten Cup-Siege wurden eher an der Design-Front gewonnen. Die Foil-Konstruktionen der Neuseeländer waren deutlicher überlegen als noch zu Zeiten der AC32-Klasse.

Dazu kommt der verlorene Status der Unbesiegbarkeit in der 49er-Klasse, wo die olympische Silbermedaille für die Dauersieger eine große Enttäuschung war. Und beim SailGP rasen sie ohne das Backup vom Team New Zealand mit dem F50-Katamaran noch überwiegend hinterher.

Noch keine Entscheidung

In einer offiziellen Stellungnahme zu den Gerüchten bestätigt das Duo, noch keine Entscheidung hinsichtlich einer weiteren Cup-Kampagne getroffen zu haben. “Wie sie sicher verstehen können, hätten wir gerne Klarheit über die Grundlagen der Veranstaltung, bevor wir uns festlegen. Wir befinden uns während des Prozesses in regelmäßigen Gesprächen mit dem Team. Wir unterstützen die Bemühungen des neuseeländischen Managements, den America’s Cup erfolgreich zu verteidigen und respektieren die Komplexität, die das nächste Event in einer Welt nach Covid beinhaltet.”

Das hört sich nach einer verständlichen Position an. Bevor nicht klar ist, wie gut das Team New Zealand bezüglich der Cup-Verteidigung aufgestellt ist, werden auch die Teammitglieder keine bindende Zusage abgeben. Und anders als zuvor hängt die Finanzierung diesmal sehr von den Verhandlungen mit den Vertretern des nächsten potenziellen Austragungsortes ab. Denn zu einem großen Teil soll sich aus dieser Quelle das Budget des Segelteams speisen.

Peter Burling macht den Entertainer mit der Champagner-Flasche. © ACE | Studio Borlenghi

In einer früheren Erklärung des Teams heißt es. “Um es ganz klar zu sagen: So gerne wir auch in Auckland antreten würden… Lieber vertreten wir mit Stolz die Flagge Neuseelands, der RNZYS und unseres Teams, indem wir irgendwo auf der Welt gewinnen, als dass wir die Struktur eines Siegerteams gefährden und in Auckland verlieren. Keiner von uns will eine Wiederholung von 2003.”

Solange also der Austragungsort nicht bekannt und das Budget vom Team New Zealand nicht gesichert ist, können keine bindenden Verträge geschrieben werden. Kein Wunder, dass die Schlüsselfiguren der Segelmannschaft mit ihrer Zusage zögern.

Auch mag das Geld für die beiden Segelstars eine größere Rolle spielen als zuvor. Denn sie müssen nicht nur sich selbst über die Runden bringen, sondern haben auch noch eine eigene Stiftung in das Zentrum ihres Interesses gerückt. Im vergangenen Jahr gründeten sie die Wohltätigkeitsorganisation Live Ocean, mit der sie zum Schutz der Ozeane beitragen wollen. Ihr jüngstes Projekt soll zur Rettung des bedrohten Antipoden-Albatros beitragen.

Der nächste entscheidende Termin für den America’s Cup ist die Veröffentlichung des Protokolls am 17. November. Spätestens dann wird der Austragungsort genannt werden müssen. Es wird erwartet, dass darin auch strengere Nationalitätsregeln enthalten sind. Allein diese mögen ein Abwandern der Kiwi-Stars verhindern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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