America’s Cup: Dalton fällt auf Internet-Betrüger rein – Offizielle Untersuchung eingeleitet

Auf die Finger geguckt

Zu dem Spionage-Vorfall beim Team New Zealand sind weitere Einzelzeiten bekannt. Offenbar sind die Kiwis Opfer eines Bank-Betrugs geworden. Sie müssen sich aber auch gegen ernste Vorwürfe wehren.

Grant Dalton, Chef beim Emirates Team New Zealand, hatte mit einer Art Vorwärtsverteidigung-Strategie per Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass es in seiner Organisation Maulwürfe gegeben habe. Sie hätten interne Informationen weitergegeben, seien identifiziert und entlassen worden. 

Die Beschreibung des Vorfalls hörte sich lapidar an. Es geht nicht etwa um Werkspionage, um die Übermittlung von leistungsrelevanten Geheimnissen, sondern um Finanzthemen. Entsprechend verwundert konnte man sein, warum Dalton damit an die Öffentlichkeit ging.

Grant Dalton, der Macher beim Team New Zealand © TNZ

In jedem anderen der privat finanzierten America’s Cup Teams wäre die Geschichte wohl auch unter den Teppich gekehrt worden. Aber die Neuseeländer werden zu einem großen Teil von Steuergeldern unterstützt. Umgerechnet 144 Millionen Euro hat die Regierung und der Stadtrat von Auckland bisher in die Ausrichtung des 36. America’s Cup investiert. Da wird den Seglern ordentlich auf die Finger geguckt, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Offizielle Untersuchung

Wenn auch die Informationen aus unlauteren Motiven durchgesickert sein und laut Dalton ihn selbst haben treffen sollen, wie er vermutet, so muss nun der Sachverhalt einer offiziellen Untersuchung standhalten. Das dafür zuständige Ministerium MBIE ermittelt, weil Bedenken über die Verwendung der öffentlicher Gelder aufgetreten sein sollen.

In einer Email, die offenbar von den entlassenen Mitarbeitern lanciert wurde und auch neuseeländischen Medien vorliegt, wird behauptet, dass die Cup-Organisatoren vom ACE  einen Teil der Event-Investitionen für Kosten verwendet hätten, die nicht in Zusammenhang mit dem Management und der Durchführung der Veranstaltungen stehen.

Das Emirates Team New Zealand bewegt nach langer Zeit wieder seinen AC75 auf dem Heimatrevier. © ETNZ

Dabei ging es unter anderem um eine Überweisung von umgerechnet 1,7 Millionen Euro, die Grant Dalton nun peinlichst um die Ohren fliegt. Offenbar wurde das Geld auf ein Konto von Internet-Betrügern in Ungarn eingezahlt. Er habe die Rechnung genehmigt, aber die Nullen für die Kontoverbindung nicht überprüft. Man habe das Geld bisher nur zum Teil wieder zurückbekommen. Aber ein möglicher Missbrauch öffentlicher Gelder stehe außer Frage. Die Rechnung von einem europäischen Lieferanten sei korrekt gewesen.

Premierministerin glaubt an “fantastische Arbeit”

Inzwischen hat sich auch die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern bei einer Pressekonferenz zu dem Vorfall geäußert. Sie glaube nicht, dass die Angelegenheit die Organisation des America’s Cups nachhaltig beeinträchtigen werde, den Cup auszurichten.

“Wir alle haben uns verpflichtet, dafür zu sorgen, dass wir bei der Ausrichtung des America’s Cup eine fantastische Arbeit leisten. Darauf konzentrieren sich die Bemühungen aller. Natürlich gibt es einige Themen, die derzeit von MBIE untersucht werden, aber ich möchte nicht zu sehr darauf eingehen, denn im Moment ist Vieles spekulativ.”

Die unschöne Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt auf, als die America’s-Cup-Szene eigentlich ein wenig in Feierlaune ist. Denn nach den Lockerungen der Regierung kann die Regatta offenbar wie geplant stattfinden. Der Kiwi AC75 “Te Aihe” ist seit einer mehr als viermonatigen Frachter-Odyssee nach Europa und zurück erstmals in Auckland wieder in Betrieb genommen worden.

Amerikaner entladen AC75

Und auch der riskante Plan von Herausforderer American Magic ist aufgegangen, der seinen AC75 samt mehr als 20 Containern auf einen Frachter Richtung Auckland verladen hatte, als noch nicht klar war, dass er entladen werden würde.

Der amerikanische AC75 wird vom Frachter geladen. © American Magic

Das Schiff ist nun angekommen und das Gros des 145 Personen starken Teams hat sich in die geforderte Quarantäne begeben. Skipper und CEO Terry Hutchinson spricht von einem “Meilenstein für das Team” im besonderen aber auch für den America’s Cup allgemein.

American Magic im Hafen von Auckland. © American Magic

“Bald werden wir alle American Magic auf dem gleichen Fleckchen Wasser sehen wie den Verteidiger. Das ist definitiv ein aufregender Anblick für Segelfans weltweit. Für ist wird es eine tägliche Erinnerung an die riesige Aufgabe sein, die vor uns liegt. Jeder mögliche Trainingstag von jetzt an bis zum Prada Cup ist unbezahlbar, und wir konzentrieren uns darauf, so schnell wie möglich wieder segeln gehen zu können”.

Parallel werde intensiv am zweiten AC75 gebaut und es sehe jetzt schon “unglaublich” aus. Das Schiff werde im Herbst auf dem Luftweg nach Auckland gebracht.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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