America’s Cup: Der New York Yacht Club kommt zurück – Wer kann noch dabei sein?

America first

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Der New York Yacht Club greift wieder nach der Kanne, die 132 Jahre lang in seinen Räumen stand. Wer könnte noch dabei sein?

Artemis Steuermann Terry Hutchinson wurde gefeuert. © Kaenon

Terry Hutchinson gehört in der Rolle des Taktikers zu den Besten der Welt. © Kaenon

Heute soll die offizielle Verkündung erfolgen. Der New York Yacht Club (NYYC) bereitet sich auf eine Rückkehr in den America’s Cup Zirkus vor. Die Finanzierung soll durch die DeVos Familie erfolgen. Vater Richard DeVos (91) hat schon 1987 die America II Kampagne des NYYC unterstützt und Sohn Doug (52) ist der größte Investor bei der Quantum Sail Design Group. Er unterhält und steuert auch die TP52 “Quantum” bei der 52 SuperSeries.

So ist es kein Wunder, dass der Amerikaner Terry Hutchinson (49) als Führungsfigur des neuen Teams gehandelt wird. Der Amerikaner ist für das Quantum-TP52-Programm verantwortlich, und gilt als einer der besten Segler der Welt. Lange Zeit führte er das Team New Zealand als Taktiker zu Erfolgen – u.a. Louis Vuitton Cup Sieg 2007 – dann baute er das Artemis Team für 2013, trennte sich aber 1,5 Jahre vor dem Start der Regatta von den Schweden.

Seitdem gewinnt er abseits vom foilenden America’s Cup Zirkus alles, was es im Profi-Segelsport zu gewinnen gibt. Einem Team mit ihm an der Spitze und den Ressourcen der DeVos-Familie, die 200 Millionen Dollar für die Trump-Kampagne gespendet haben soll, dürfte auf Anhieb beste Sieg-Chancen eingeräumt werden. Ein passender Bootsname wäre vielleicht: “America first”.

TP52 SuperSeries

Bei Quantum übernimmt Taktiker Terry Hutchinson für die Starts das Steuer. © SuperSeries/Martinez Studio

Richard DeVos hat als Co-Gründer des Direktvertrieb-Unternehmens Amway das Imperium einer der reichsten US-Familien aufgebaut. Das Familien-Vermögen soll sich auf 5,1 Milliarden US-Dollar belaufen. DeVos ist unter anderem Besitzer des Basketballteams Orlando Magic. Betsy DeVos, Schwägerin von Doug, ist seit der US-Wahl Bildungsministerin im Trump-Kabinett.

Rückkehr von Larry Ellison?

Damit ist auch schwer vorstellbar, dass es eine Rückkehr von Larry Ellison geben könnte. Denn insbesondere die neue Nationalitäten-Regel würde sein bestehendes Oracle Team USA unter Druck geraten lassen. Zwar besitzt ein Tom Slingsby neben der australischen auch die US-Staatsbürgerschaft, aber der Oracle-Taktiker hat schon angekündigt, Geld für eine Aussie-Kampagne sammeln zu wollen.

In diesem Stadium befinden sich auch einmal wieder die Franzosen. Franck Cammas möchte nochmal mitmachen und sucht erneut nach Sponsoren. Dabei glaubt er, dass es diesmal 12 Millionen Dollar mehr kosten werde als die 25 Millionen, die das “konkurrenzfähige Budget” für Bermuda ausgemacht habe. Allerdings kann von “Konkurrenzfähigkeit” in Bermuda keine Rede sein. Schwer zu glauben, dass die Franzosen diesmal eine ernstzunehmende Kampagne auf die Beine stellen können.

Anders wäre das wohl bei Alinghi, und Ernesto Bertarelli hat auch bestätigt, sich das Protokoll genau anzusehen. Außerdem wäre sein Feind Larry Ellison endgültig vom Hof gejagt. Aber der Schweizer lässt in seinem ersten Statement durchblicken, dass sich Alinghi leichten Foiling-Booten verschrieben hätte und junge schweizer Segler entwickelt werden, damit zu segeln. Es ist wohl schwer vorstellbar, dass er noch einmal eine Monohull-Kampagne startet zumal er nicht wie damals auf die bewährten Kiwi-Fachkräfte zurückgreifen kann.

Macht Artemis weiter?

Damit bleibt die Zahl der potenziellen Herausforderer trotz der US-Ambitionen überschaubar. Das Artemis-Team segelt zwar fleißig mit zwei Booten bei der RC44 Serie und die Schlüssel-Segler scheinen noch in Lohn und Brot zu stehen, aber wird es genug Schweden geben, die Verantwortung übernehmen können? Schlägt nun die Stunde von Starboot-Olympiasieger Freddie Loof, der bei der Bermuda-Kampagne seltsam zurückgezogen nur im Hintergrund werkelte?

Und was ist mit den Japanern. Masayoshi Son hat als reichster Japaner sicher das nötige Kleingeld beisammen, aber der Weg zum Cup wurde ihm von seinem Freund Larry Ellison geebnet. Ist ohne ihn nun das Interesse erloschen? Und haben die Japaner genug Know How, um eine national geprägte Kampagne stemmen zu können?

Gut denkbar ist auch eine russische Kampagne. Bronenosec ist seit einiger Zeit in der 52 SuperSeries unterwegs und hat auch zahlreiche Russen an Bord eingesetzt. Know How und Geld sollte ausreichend vorhanden sein, wenn die Ressourcen gebündelt werden.

Deutsche Bemühungen

Ob sich für Deutschland eine Tür öffnet, scheint unwahrscheinlich. Mit Harm Müller Spreer spielt zwar ein Deutscher auch bei der 52 SuperSeries mit, aber deutsche Segler haben beim WM-Erfolg keine große Rolle gespielt. Das hätte bei einer Katamaran-Kampagne deutlich anders ausgesehen mit den starken Teams, die am Youth America’s Cup teilgenommen haben. Aber warum nicht?

Ob es noch einmal einen wie United-Internet-Chef Ralph Dommermuth gibt, der das deutsche Segeln 2007 auf die Weltkarte gebracht hat? Bisher ist ein solches Engagement nicht in Sicht.

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Der New York Yacht Club kommt zurück – Wer kann noch dabei sein?“

  1. avatar Imstau sagt:

    Unerträglich mit welcher Arroganz über die Cammas Kampagne geschrieben wird nur um an Ende dann auf die “stärken Teams vom Youth AC” zu verweisen.

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  2. avatar Smurf sagt:

    Wo ist das Problem mit der Nationalität? Nur 20% der Segler müssen einen festen Sitz im Herausfordererland haben, das sind 2-3 Segler, angenommen Harm und Wieser segeln = Job done. Die Schweden sollten wohl auch 2-3 Segler auf die Beine stellen können, die Regel hindert keinen daran eine erfolgreiche Campagne zu starten

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