Americas Cup: Die Briten um Ben Ainslie kämpfen sich zurück und gewinnen beide Rennen

Britannia rule the waves

Die Briten vom INEOS Team UK setzten am ersten Renntag eine Duftmarke. Ist es doch möglich, dass Ben Ainslie den Cup zurück nach England holen kann?

Ungewohntes Bild: Die Briten segeln vorweg Bild: COR 36 | Studio Borlenghi

Gleich in den ersten beiden Rennen des Prada Cups, der Herausforderer-Serie des America’s Cup, mussten die Briten des INEOS Team UK auf die Startbahn vor Auckland. Der Druck auf das Team rund um Ben Ainslie war groß. Noch vor drei Wochen segelte die Britannia in den Rennen der America‘s Cup World Series allen Booten hinterher, musste teilweise aufgeben und gewann schließlich kein einziges Rennen. Eine kleine Blamage für den erfolgreichsten Olympiasegler aller Zeiten. Zumal sich die Geschichte zu wiederholen schien: Schon 2017 segelte das britische Boot auf den Bermudas nur hinterher. Mit einem neuen, potenten Sponsor sollte sich der Auftritt auf den Bermudas nicht wiederholen. Doch es kam schlimmer und die britische Presse unkte bereits, dass der AC75 Britannia wohl das schlechteste und langsamste britische Boot aller Zeiten sei. Doch an diesem 15. Januar 2021 bewiesen die Briten allen, dass sie es besser können und untermauerten ihren Wahlspruch „Bring the Cup home“ eindrucksvoll.

Im zweiten Rennen zwischen INEOS und Luna Rossa kam etwas Spannung auf Bild: COR 36 | Studio Borlenghi

Epische Wochen

Das gesamte Team habe drei „epische“ Wochen ununterbrochen an dem Boot gearbeitet, um es für den Prada Cup konkurrenzfähig zu machen, so Ainslie. Angeblich sei so fast alles, was geändert werden konnte, auch unter die Lupe genommen und verändert worden. So soll unter anderem das gesamte Rigg geändert und verbessert worden sein, die Foils und Ruder wurden ebenfalls angepasst. Obwohl die Foils vor drei Wochen in der Kritik standen, sind die Briten bei ihrem Design geblieben und haben sie lediglich angepasst. Die größten Änderungen fanden wahrscheinlich im Rigg statt, das es erlaubt mehr Druck aufzubauen. So konnten die Briten jetzt ihre Manöver wesentlich geschmeidiger fahren als noch vor drei Wochen. Hier muss allerdings auch angeführt werden, dass der Wind am ersten Tag des Prada Cups mit im Mittel 14 Knoten genau im Sweetspot des Bootes lag – Im Gegensatz zu den Leichtwind-Rennen im Dezember.

Unspektakulärer Start im ersten Rennen

So lastete auf den Schultern von Ben Ainslie hoher Erfolgsdruck, als er im ersten Rennen in die Startbox fuhr. Das Startduell mit American Magic mit dem Steuermann Dean Barker erfolgte erstaunlich passiv. Im Dezember segelte Ainslie noch ausgesprochen aggressiv, um wenigstens einen kleinen Vorteil zu erlangen. Heute segelten beide Boote auf die rechte Seite der Startlinie, American Magic wendet zuerst, sodass INEOS hinter den Amerikanern passieren kann und sich mit einer Wende in Luv positioniert. Von diesem Moment an kontrollieren die Briten von Luv aus das Rennen, wenden früh auf die rechte Seite des Kurses und gehen mit einem leichten Vorsprung um die Luvmarke. Hier entscheiden sich die Amerikaner für einen Split, segeln auf die linke Seite des Kurses und sorgen so für eine Vorentscheidung im Rennen. Denn die Briten haben rechts mehr Wind und können tiefer segeln, als American Magic auf der linken Seite. Mit zwei bis drei Knoten mehr ziehen die Briten rechts davon und bauen den Vorsprung am Lee-Gate auf 19 Sekunden aus.

Auf der zweiten Kreuz kontrolliert INEOS die Amerikaner noch aus Luv, aber nachdem sich Barker und sein Team vor der Luv-Marke verschätzen und eine zusätzliche Wende fahren müssen, beträgt der Vorsprung der Briten bereits 47 Sekunden. Die Briten können ihr Rennen jetzt zum Sieg fahren, konzentrieren sich auf ihre Manöver und den Wind. Am Ende beträgt der Vorsprung um Ziel eine Minute und 20 Sekunden. Für Ben Ainslie und sein Team eine riesen Erleichterung. Sie haben ein unglaubliches Comeback hingelegt und den ersten Sieg in der AC75-Klasse errungen. Der deutliche Vorsprung der Briten geht aber auch auf kleine taktische Fehler der Amerikaner zurück, die auf der linken Kursseite den Anschluss verloren. „Am Anfang (…) hätten wir viel lieber einen Sieg eingefahren, aber es ist eine lange Serie, in der wir uns weiter verbessern müssen. Wir werden das Rennen Revue passieren lassen und uns die entscheidenden Momente anschauen, um zu verstehen, wie wir das Rennen besser hätten gestalten können!“, sagte American-Magic-Steuermann Dean Barker nach dem Rennen.

Skipper Ben Ainslie hat geliefert und beide Rennen des Tages gewonnen Bild: COR 36 | Studio Borlenghi

Taktische Finessen in Rennen 2

Im zweiten Rennen des Tages mussten sich die Briten mit dem italienischen Luna-Rossa-Team messen. Jimmy Spithill und Francesco Bruni, die beiden Steuermänner, fuhren im Dezember mit die aggressivsten Starts in der Flotte. Ainslie agiert so auch im zweiten Start wesentlich aggressiver als noch im Rennen zuvor. Die Briten fallen kurz nach dem Eintritt in die Startbox ab, halsen und segeln bis zur virtuellen Grenze, während Luna Rossa leicht überrumpelt weiter auf die rechte Seite segelt. INEOS wendet, segelt mit von Backbord zur Linie, während Luna Rossa von Wind von Steuerbord und Wegerecht von rechts angerauscht kommt, um Ainslie den Weg zur Line zu versperren. Mit einer gut platzierten Wende schaffen es die Briten allerdings, sich in Luv vor die Italiener zu setzen. Allerdings reicht die Höhe bei beiden nicht aus, um über die Line zu kommen, sodass beide Teams am linken Ende der Startlinie abermals wenden. Bei diesem Manöver schafft es Luna Rossa zwar, sich leicht in Luv zu positionieren, aber die Briten laufen mehr Höhe und Luna Rossa sackt in den Abwinden deutlich nach Lee durch, sodass sie nur die Möglichkeit haben, zu wenden und auf die linke, schwächere Seite des Kurses zu segeln.

Die Briten kontrollieren jetzt von der starken rechten Seite aus das Rennen, und runden die Luv-Marke 15 Sekunden vor den Italienern. Spithill und sein Team haben allerdings aus dem Fehler der Amerikaner gelernt und suchen nicht den Split, sondern bleiben auf der rechten Seite – und lauern auf einen Fehler der Briten. Der erfolgt allerdings nicht, sodass INEOS den Vorsprung am Lee-Gate auf 22 Sekunden ausbaut. Auf der nächsten Kreuz verteidigen die Briten konsequent die rechte Seite, sodass Luna Rossa immer wieder auf die linke Seite gezwungen wird. So runden die Briten auch wieder als Erste die Bahnmarke in Luv und entscheiden sich wieder für die rechte Seite.

Die Italiener orientieren sich auch wieder nach rechts und warten auf einen Fehler, haben aber selber Probleme und schaffen es an der Bahnmarke nicht, rechtzeitig abzufallen. Am Lee-Tor setzen die Italiener alles auf eine Karte, suchen den Split und gehen gleich auf die linke Seite, während INEOS wieder auf der rechten Seite des Kurses segelt. Die Briten konzentrieren sich wieder darauf, ihre Seite zu verteidigen, geben diese Strategie aber kurz vor dem Luv-Tor auf, als Luna Rossa in der Mitte des Kurses auf die linke Seite wendet. Dieses Mal wenden die Briten mit, um den Angriff zu parieren. Am Luvtor schrumpft der Vorsprung der Briten auf 13 Sekunden und Luna Rossa entscheidet sich wieder für den Split – und die linke Seite. Kurz war das Rennen offen, doch auf der rechten Seite segelt INEOS wieder kurzzeitig zwei bis drei Knoten schneller und baut den Vorsprung bis zum Ziel wieder auf 28 Sekunden aus.

In der ersten Hälfte des Rennen lauerte Luna Rossa auf einen Fehler der Briten und blieb stets in der Nähe Bild: COR 36 | Studio Borlenghi

Ausblick

Der erste Renntag war geprägt vom Comeback der Briten, die nach dem misslungenen Auftakt im Dezember auf Augenhöhe segeln und beide Rennen souverän für sich entscheiden konnten. Doch die großen spannenden Matches hat es auch zum Auftakt des Prada Cups nicht gegeben. Doch positiv lässt sich sagen, dass die Rennen heute seglerisch entschieden worden sind. Ging es im Dezember noch darum, das Boot möglichst auf den Foils zu halten und bloß keinen Touchdown hinzulegen, konnten die Teams seitdem das Handling ihrer Boote weiter verbessern, sodass kein missglücktes Manöver über das Rennen entschied.

Die große Frage ist, ob die Briten auch bei Leichtwind konkurrenzfähig sind und wie sich die einzelnen Teams von Rennen zu Rennen weiterentwickeln. Denn der Sieger wird nicht am ersten Renntag entschieden  und der Cup 2013 hat gezeigt, wie sehr sich die Performance eines Bootes über einen längeren Zeitraum noch steigern lässt.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

siebzehn − fünf =