America’s Cup: Die neuen AC75-Flieger in Aktion – Weitere Stapelläufe stehen bevor

Optisches Fernduell

Aus zwei AC75 werden vier. Am 2. Oktober stellt Luna Rossa seinen Monohull-Foiler der Öffentlichkeit vor, zwei Tage später folgt das INEOS Team UK. Ein neues Video folgt den ersten beiden Cuppern beim Fliegen.

In der nächsten Woche wird das Foiler-Feld komplett sein, wenn die verbliebenen beiden Herausforderer ihre Versionen der ersten AC75 Kraken-Foiler-Generation zu Wasser lassen (Stars&Stripes will – wenn überhaupt – nur ein Boot im nächsten Jahr bauen). Dann dürfte sich zeigen, ob die besten Yacht-Designer der Welt bei ihrer Interpretation der neuen America’s Cup Box Rule tatsächlich so weit auseinander liegen, wie es nach Ansicht der ersten Bilder den Anschein hat.

Der rot-schwarz-graue Kiwi-Cupper mit dem  Maori-Namen “Te Aihe” (Delfin) uterscheidet sich von der dunkelblauen “Defiant” nicht nur durch die Farbgebung.

Die verschiedenen Bug und Rumpfformen der beiden ersten AC75 im Vergleich. © ETNZ/Amory Ross

Die Neuseeländer setzen auf echte fast schon klassische Yacht-Formen mit wenig benetzter Fläche für den Low-Rider-Modus und das schnelle Erreichen der Flugphase. Der Unterwasserbereich weist eine ausgeprägte Längswölbung auf, die fast vom Bug bis zum Heck verläuft. Die Amerikaner dagegen scheinen sich nur für einen geringen aerodynamischen Widerstand beim Foilen zu interessieren. Ihr Unterwasserschiff ist flach und der Bug voluminös.

Tatsächlich kommt der Rumpfform aber kaum eine Bedeutung zu, wenn die Teams es wirklich schaffen, zu 100 Prozent über dem Wasser zu fliegen. Wieder einmal ist entscheidend, welches Team schließlich mit seinem Design die zu erwartenden Windbedingungen am besten trifft.

Welche Risiken gehen die Konstrukteure ein? Versucht man, mit einem Allrounder den Range komplett abzudecken, dann kann es große Defizite bei konstantem Wind einer bestimmten Stärke geben. Bereitet man sich auf ein zu schmales Wetterfenster vor, ist man in diesem Bereich maximal schnell und außerhalb maximal langsam.

Neuseeland (l.) und USA im optischen Fern-Duell. © ETNZ/Amory Ross

Deshalb werden die größten Leistungsunterschiede weniger von der Gestaltung des Rumpfes abhängen als von den Tragflächen und dem Rigg. Bei den Foils wird man noch viele Variationen sehen, aber die ersten Bilder der beiden Boote zeigen auch Differenzen beim Segelplan. Offenbar setzten die Amis auf einen breiteren Segelflügel. Der verspricht mehr Power hat aber Defizite in der Endgeschwindigkeit, wegen eines erhöhten Windwiderstandes.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Neuseeländer bezogen auf das Rigg noch mehr in der Testphase befinden als American Magic, da sie auf den Bau eines kleinen Testbootes verzichtet haben. In diesem Bereich bei der Entwicklung des neuen zweischaligen Großsegelkonzeptes werden aber noch viele Varianten erwartet.

So segeln die Amerikaner noch mit einem konventionellen Großbaum während die Kiwis ihr Großsegel schon auf das Deck heruntergezogen haben, wie bei den aktuellen A-Klasse-Katamaranen. Aber das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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