Americas Cup: Engländer testen und trainieren am Simulator

Ainslie foilt an Land

David 'Freddie' Carr and Paul 'CJ' Campbell-James trainieren am BAR-Simulator.  Foto: Harry Kenney-Herbert

David ‘Freddie’ Carr and Paul ‘CJ’ Campbell-James trainieren am BAR-Simulator. Foto: Harry Kenney-Herbert

Für die Piloten von Passagiermaschinen und Kampfjets ist es längst Standard der Aus- und Weiterbildung: Übungsstunden am Flugsimulator. Auch die Formel-1-Rennfahrer testen weniger auf der Straße als im Computerraum. Jetzt zieht diese Technologie in den America’s Cup ein. Das britische Syndikat Ben Ainslie Racing (BAR) hat mit dem Kat-Foiling an Land begonnen.

In einer Ecke im Erdgeschoss des BAR-Hauptquartiers im südenglischen Portsmouth flimmern zahlreiche Monitore, Rechnertürme surren vor sich hin, Lämpchen blinken und flackern wie in der NASA-Zentrale. Im Fahrstand des Simulators steht der runde Carbon-Lenker eines AC62 in Originalgröße. Der Haufen Technik spielt dem Fahrer das nächste Cuprevier von Bermuda vor. Er segelt auf dem Trockenen und sieht alles durch eine dicke 3D-Brille vom Typ Occulus Rift.

Kam von McLaren, um den Foiling-Simulator zu bauen: Dr. James Roche.  Foto: Harry Kenney-Herbert

Kam von McLaren, um den Foiling-Simulator zu bauen: Dr. James Roche. Foto: Harry Kenney-Herbert

„Der Simulator ist der direkte Link zwischen der Crew und dem Designteam“, erklärt Dr. James Roche, „die Segler können Konstruktionsideen und -veränderungen ausprobieren, bevor sie von den Bootsbauern umgesetzt werden.“ Der Ingenieur kam von McLaren Applied Technologies, wo er unter anderem den Skeleton-Schlitten der amtierenden Olympiasiegerin Lizzy Yarnold entwickelte. Schon während des Studiums in Southampton träumte Roche von seinem Einsatz im America’s Cup. Denn er ist selbst Segler, war im englischen 420er-Kader und gewann zweimal die nationale Jugendmeisterschaft im Matchrace.

Zu technikgläubig?

Studienkollege Andy Claughton, Technischer Direktor von BAR, mit dem er schon für die Organisatoren des 34. AC zusammengearbeitet hatte, holte Roches Knowhow aus dem Eiskanal aufs Wasser. Bei der Programmierung halfen der renommierte Designer Jason Ker sowie der Deutsche Johannes Mausolf, als Softwareentwickler für Speedprognosen von Beginn an bei BAR dabei. Außerdem wurde ein Graphikdesigner für Computerspiele angeheuert. „Ich kann flexibel zwischen Kodierung, Design und CAD hin und her springen und mich auch in die Lage der Athleten hineinversetzen“, sagt Roche über sich selbst.

BAR Racing

AC45 auf drei Beinen: Ainslies Designteam leistet ganze Arbeit. © BAR Racing

Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis könnte ein Schlüssel zum Erfolg sein. Denn beim vorigen Cup in San Francisco schienen die Segler anfangs zu technikgläubig. Besonders Steuermann Tom Slingsby und seine Mannschaft auf Oracle Racing trimmten und manövrierten ihren AC72 augenscheinlich eng nach den Vorgaben der Designer und ließen ihn erst in der zweiten Hälfte des Finals – mit verbesserter Foilingtechnik – richtig laufen. Solche Diskrepanzen sollen künftig verhindert werden.

Ainslie BAR

Das BAR Team beim Foiling Training im November vor England. © BAR

Der Simulator greife auf die gleichen Daten zu, mit denen die Designer bei der Konstruktion des Kats arbeiten, und werde von daher ständig weiterentwickelt. Von Feedback der Aktiven verspricht sich das Team vor allem, teure und zeitraubende Irrwege zu ersparen. Letztlich rechnen die Computer auch „nur“ Geschwindigkeitsvorhersagen (Velocity Prediction Programs/VPP) aus, wie sie bislang schon im Yachtdesign üblich waren, simulieren diese aber in einer virtuellen Welt. Und die kommt der Realität sehr nahe, wie in ausgereiften Computerspielen.

Geschockt über Realitätsnähe

Das gibt es in einer abgespeckten Version quasi als Promotionsprodukt und wurde der Öffentlichkeit schon auf der Londoner Bootsmesse Anfang Januar vorgestellt. Im BAR-Besucherpavillon steht es jedermann offen. Roche: „Alle wichtigen Effekte beim Steuern des Boots sind zu spüren. Das Tool nimmt jeden mit. Wer die Brille am Ende der Törns absetzt, ist meist geschockt, wie realitätsnah das war.“

Nur Kate, die Herzogin von Cambridge, durfte am Simulator schon einen exklusiven Blick durch die Teambrille werfen. Foto: Foto: Harry Kenney-Herbert

Nur Kate, die Herzogin von Cambridge, durfte am Simulator schon einen exklusiven Blick durch die Teambrille werfen. Foto: Foto: Harry Kenney-Herbert

Der Blick durch die Teambrillen wird der Außenwelt jedoch sicher lange verwehrt bleiben. Denn dem Simulator wird intern große Bedeutung zugemessen. Die Rede ist von einem großen Technologievorsprung gegenüber den anderen Kampagnen. Bekannt ist jedenfalls noch kein anderer Simulator. Jedoch scheint es kaum vorstellbar, dass ausgerechnet Oracle als Cupverteidiger des Softwaremoguls Larry Ellison so etwas nicht auch auf die Beine (ge)stellt (hat).

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