America’s Cup: Erste Einblicke in das Protokoll des Cups – Valencia sieht sich gut positioniert

Zwischen Zwist und Zukunft

Die Neuseeländer und Briten des Challenger of Record gaben einen kleinen Einblick in das neue Protokoll für den 37. America’s Cup. So soll eine neue AC-Klasse etabliert werden, mit der im Vorfeld des Cups wieder Rennen für Jugend- und Frauenteams ausgetragen werden sollen.  

Schon vor dem letzten Cup sollte es eine Jugendklasse geben – die allerdings ne gebaut wurde. Jetzt folgt eine 40-Fluß-Klasse für den Nachwuchs

Noch ist es etwas hin, bis das Protokoll offiziell vorgestellt wird. Am 17. November 2021 soll die Öffentlichkeit erfahren, wie der nächste Cup aussehen soll. Eine Sache wurde bereits klargestellt: Es wird ein Multichallenger-Event werden und keine Einzelherausforderung. Auch gab es die Bestätigung, dass die AC75, die „Kraken-Foiler“, noch für mindestens zwei Ausgaben verwendet werden.

Doch das eigentliche Thema ist die neue AC40-Klasse. Ebenfalls ein foilender Monohull – nur etwas geschrumpft. Der Veranstalter spricht selber von einer „Mehrzweck-Klasse“, auf der langfristig Nachwuchs für das Cup-Geschehen herangezogen werden soll. In der Vergangenheit (2013 und 2017) gab es bereits den Youth-Americas-Cup, der in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer fiel. Das Konzept soll aber weitergeführt und ein fester Bestandteil des America’s Cup werden.

Der Kommodore des RNZYS, Aaron Young, sagte: “Die Schaffung von Wegen und die Erhöhung der Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und aufstrebenden Nationen ist etwas, das seit dem Sieg im Jahr 2017 eine Priorität darstellt. In der Tat wird dies allgemein als etwas angesehen, das allen im Segelsport zugutekommt, was sich in den 20 Anmeldungen für unseren Jugend-AC mit gemischter Besatzung zeigte, der ursprünglich für 2021 geplant war. Dass wir nun die AC40 als neue Klasse ankündigen, die von den AC-Teams für ihre Tests und Entwicklung, das Match Race-Training, die Vorbereitungsregatten und dann für die Frauen- und Jugendwettbewerbe genutzt werden wird, macht absolut Sinn.”

Die AC75 sollen für mindestens zwei Ausgaben beibehalten werden. Bild: COR / Studio Borlenghi

Grant Dalton, CEO des Emirates Team New Zealand, erklärt die Details hinter der Klasse und den Regatten: “Alle teilnehmenden Teams müssen mindestens einen AC40 erwerben, der in den Vorregatten eingesetzt wird und dann für die jeweiligen und unabhängigen Frauen- und Jugendregatten zur Verfügung gestellt wird, die am Austragungsort des AC37 Matches stattfinden. Die Yachtclubs der konkurrierenden AC-Teams müssen sich sowohl für die Frauen- als auch für die Jugendregatten anmelden, aber auch andere Länder und Yachtclubs können sich anmelden. Wir würden auf jeden Fall eine Anmeldung aus dem Gastgeberland erwarten, wenn dieses kein America’s-Cup-Team hat.“

Zwist in Neuseeland

Hier spricht Dalton außerdem das gegenwärtige Dilemma an, in dem das Team New Zealand derzeit steckt. Nach dem Ausstieg des Sponsors Emirates fehlt dem Team Geld für eine konkurrenzfähige Kampagne. Dalton pockerte hoch und stellte das Austragungsrecht zum Verkauf, um die Stadt Auckland und Neuseeland dazu zu bewegen, die Austragung im eigenen Land zu behalten – und das nötige Kleingeld bereitzustellen. Doch aus der Heimat kamen widersprüchliche Signale, sodass der 37. America’s Cup aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in Neuseeland stattfinden wird. Zuletzt hat es sich auf drei Bewerber eingegrenzt: Cork in Irland, Valencia in Spanien und Jeddah in Saudi-Arabien. Die Entscheidung soll am 17. September fallen.

Grant Dalton (63) ist seit 2003 beim Team New Zealand. © TNZ

Zuletzt sorgte eine Äußerung des Neuseeländers Mark Dunphy, CEO von Greymouth Petroleum, für Aufsehen. Dunphy erklärte, dass er und weitere Geschäftsmänner das Geld zur Verfügung stellen würden, damit der Cup in Neuseeland ausgetragen wird. Jedoch unter der Bedingung, dass Dalton das Team sofort verlasse. Angeblich habe Dalton sich im Vorfeld nicht bereit erklärt mit Dunphy zu verhandeln.
Das Team New Zealand äußerte sich prompt und stellt sich geschlossen hinter „Dalts“, der das Team in den vergangenen 18 Jahren zu zwei Cup-Siegen führte und knapp 500 Millionen Dollar an Sponsorengeldern einsammeln konnte.
Dunphy gab seine Forderung bei dem Gegenwind schnell auf. Noch ist aber unklar, ob die 80 Millionen Dollar von Dunphy und Co. dennoch fließen sollen. Insider vermuten aber, dass es dafür bereits zu spät sei und der Cup Neuseeland verlassen wird.

Valencia mit Pluspunkten

Zuletzt hieß es, dass Valencia wohl eine Nasenlänge voraus sei. Grund sei die bereits vorhandene Infrastruktur aus dem Cup 2007, die nur leicht angepasst werden müsste, um den Teams gerecht zu werden. In Cork müssten entsprechende Strukturen erst noch geschaffen werden. Zumal wird zitiert, dass die Neuseeländer das Revier aufgrund der stabilen Windverhältnisse schätzen würden. Valencia erhofft sich, den Standort als neues nautisches Zentrum im Mittelmeer zu positionieren und auch langfristig als Austragungsort für große Segelevents infrage zu kommen. Es hapert nur an der Finanzierung, die in Cork anscheinend besser aufgestellt ist.

Valencia besitzt noch die nötige Infrastruktur für den Cup von Austragung 2007 © America’s Cup

Neue internationale Einheitsklasse?

Im Statement zur neuen AC40-Klasse versteckt sich zudem noch der bemerkenswerte Satz, dass gehofft wird, private Eigner könnten sich eigene AC40 kaufen, „um eine aufregende und zugängliche Klasse für die Zukunft zu schaffen.“

Spekulieren die Neuseeländer und Briten darauf, dass die Klasse zukünftig auch außerhalb des Cups auf den Regattabahnen der Welt zu sehen sein wird? Das wäre nach dem Zeitalter der 12er das erste Mal eine erfrischend neue Perspektive für die Bootsklasse. Und trägt dazu bei einen zukunftsträchtigen Talentpool zu bilden – und zwar in mehreren Nationen.

Der Teamchef des INEOS Team UK, Sir Ben Ainslie, sagte: “Der America’s Cup spielt eine wichtige Rolle bei der Erweiterung des Zugangs und der Einbeziehung aller Athleten in den Segelsport. Die Frauen- und Jugendregatten des America’s Cup sind ein wichtiger Schritt nach vorne und eine dringend benötigte Plattform, die es allen Nationen ermöglicht, die Vielfalt und Integration in unserem Sport zu verbessern.  Wir freuen uns darauf, in Großbritannien einen Weg zu schaffen, der beide Programme auf und abseits des Wassers unterstützt und unseren Athleten die Möglichkeit gibt, im Wettbewerb erfolgreich zu sein, und gleichzeitig hilft, die Lücke zum professionellen Segeln zu schließen.

Der AC schlägt einen Weg in die Zukunft ein. Doch bevor das Protokoll am 17. November vorgestellt wird, warten wir gespannt auf den 17. September. Auch die Vergabe ins Ausland könnte einen Zeitenwechsel darstellen. Zwar verlegte das Schweizer Alinghi-Team bereits den Cup ins Ausland, aber eine Austragung auf dem Genfer See schied aus.

 

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