America’s Cup: Grant Dalton nimmt Stellung – “Keine Veruntreuung öffentlicher Gelder”

"Böser und gut koordinierter Angriff"

Das Emirates Team New Zealand und insbesondere sein Boss Grant Dalton kommen nicht zur Ruhe. Er versucht in einem persönliche Statement noch einmal, die Dinge einzuordnen.

Es war noch vor Weihnachten als der neuseeländische AC75-Cupper die letzten Meilen auf dem America’s-Cup-Kurs vor Auckland abriss. Dann wurde er auf einen Frachter Richtung Europa verladen, um dort Regatten in Italien und England zu segeln, die schließlich wegen der Corona-Krise ausfielen. Seit wenigen Tagen befindet sich das Schiff nun wieder in der Heimat, und die Crew versucht, verlorene Trainingszeit wieder aufzuholen.

Beobachter können keine Probleme beim Handling des AC75 durch die monatelange Abstinenz erkennen. Es bestätigt sich offenbar, dass die Simulator-Technik in diesem Cup-Zyklus einen weiteren deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. Die Teams müssen auch in den Wasserpausen nicht untätig sein. Sie üben virtuell. Segelzeit ist nicht mehr alles.

Ignorieren funktioniert nicht

Schlimmer mag sich für den Cup-Verteidiger die aktuelle Skandal-Berichterstattung auswirken. Sie lässt sich nicht so einfach ausblenden und bindet Kapazitäten im Team, die anderswo wichtiger eingesetzt werden.

Ignorieren funktioniert nicht für Grant Dalton, weil er und sein Team nicht nur finanziell von der Gunst der neuseeländischen Öffentlickeit abhängig sind. Der am 1. Juli 63 Jahre alt gewordene Teamchef, der noch im September mit neuer Partnerin zum vierten Mal Vater wurde (drei Kinder aus erster Ehe), meldet sich in der undurchsichtigen Affäre, die sich nun im Kern mehr und mehr um die mögliche Verschwendung von Steuergeldern dreht, erneut per Statement zu Wort:

“In dieser Woche haben Personen mit fragwürdigen Motiven einen Angriff auf unsere Integrität und Glaubwürdigkeit gstartet. Wir möchten all unseren Unterstützern, Sponsoren und Partnern versichern, dass es keine Veruntreuung öffentlicher Gelder gegeben hat. Wir arbeiten mit MBIE zusammen, um alle Anschuldigungen aufzuklären.

Grant Dalton (63) ist seit 2003 beim Team New Zealand. © TNZ

Dabei handelt es sich um einen lehrbuchmäßigen Fall von vorsätzlicher Rufschädigung. Es ist ein böser und gut koordinierter Angriff basierend auf anonymen Hinweisen, Aufzeichnungen und Datenlecks. ‘Informanten’ haben unfaire Anschuldigungen gut aufeinander abgestimmt, sie umgehen die normalen Abläufe und wenden sich direkt an externe Behörden.

Gezielte Rufschädigung

Diese gehen den Vorwürfen ganz korrekt nach. Sobald dieser Prozess beginnt, werden die Behauptungen an die Medien durchgesteckt, und so passiert eine Vorverurteilung, bevor die Zielperson eine Chance hatte, sich durch ein ordentliches Verfahren reinzuwaschen. Selbst wenn sich die Behauptungen dann als unrichtig oder falsch herausstellen, wird der Ruf geschädigt.

Das passiert nun alles zu einer Zeit, in der jede Stunde zählt. In der wir versuchen, uns auf die Organisation einer großartige Veranstaltung und die Verteidigung des America’s Cups zu konzentrieren. Der Zeitpunkt des Angriffs ist sehr gut gewählt, um unsere Aufmerksamkeit von diesen wichtigen Zielen abzulenken.

Eine große Ironie besteht darin, dass wir dafür kritisiert werden, keine streng vertraulichen und kommerziellen Informationen zur Verfügung gestellt haben. Der Grund dafür lag in ernsthaften Bedenken wegen des Mangels an Vertraulichkeit in diesem Prozess. Offensichtlich hatten wir damit völlig Recht.

Wettbewerbsvorteile für die Gegner

Wir waren ernsthaft  über die Medienberichterstattung über den ursprünglichen, unvollständigen und jetzt “durchgesickerten” Bericht besorgt, weil er unseren Gegnern auf dem Wasser bei dieser und der folgenden Kampagnen Wettbewerbsvorteile verschaffen wird. Wir mussten alle verfügbaren Maßnahmen ergreifen, um diese Informationen und unsere Position zu schützen.

Jeder fragt – was sind die Motive der ‘Informanten’? Für uns wird es immer klarer, aber wir werden jetzt nicht spekulieren und uns auf ihr Niveau herablassen. Unser Fokus muss jetzt woanders liegen.

Ich möchte wie schon die ganze Woche betonen, dass alle Ergebnisse der MBIE-Untersuchung aufgearbeitet werden, um sicherzustellen, dass wir eine großartige Veranstaltung und eine erfolgreiche Kampagne durchführen. Wir werden mit der Regierung und den Projektpartnern zusammenarbeiten, um dies zu gewährleisten.

Als Team wollen wir nur erfolgreich diesen America’s Cup im März 2021 verteidigen und auch durch eine erfolgreich organisierte und übertragene Veranstaltung der Welt zeigen, was für ein großartiges Land wir haben.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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