America’s Cup Historie: Wie das junge Amerika die Alte Welt düpierte

"Es gibt keinen Zweiten, Majestät!"

Die “America” auf einer der wenigen Fotografien, die von ihr erhalten sind © america’s cup

Geschichten rund um Amerikaner, die mit Sport die Meere erobern wollten, die Arroganz der Alten Welt, eine Queen, die „not amused” war und um erste Rechtsstreits – alles wegen einer „potthässlichen Kanne“.

Es war einmal in Amerika… da saß ein gewisser John Cox Steven, Gründungsmitglied des noch taufrischen New York Yacht Clubs, gemeinsam mit einigen Clubkameraden zuhause vor’m Kaminfeuer. Wir sind im Jahre 1844 und das erste Clubhaus des heute legendären Vereins war noch nicht gebaut und doch fachsimpelte Cox Steven bereits von „Großem“, was man in der Welt der Yachten anstellen wolle. 

In diesen Zeiten war Geschwindigkeit besonders auf den Weltmeeren zu einem wichtigen Handelsfaktor geworden. Wer am schnellsten seine Waren über die Ozeane brachte, erzielte den besten Preis im Zielhafen. So waren etwa die Tee-Clipper-Rennen von China nach England zu einer Art Tradition geworden, wobei es nicht zimperlich zuging und der eine oder andere Knoten mehr Geschwindigkeit also guten Gewinn brachte. 

Gelder waren schon immer vorhanden

In diesem Kontext änderte sich damals auch das Verständnis rund um die Yachten der Reichen und Wohlsituierten. Nicht mehr „nur“ möglichst luxuriös und bequem entlang der Küsten segeln war „en vogue“, sondern es sollte bitteschön möglichst schneller „laufen“ als beim Nachbarschiff. Dabei versteht es sich von selbst, dass die britischen „Sports-Gentlemen“, ähnlich wie mit den Clippern in der Handelsschifffahrt, auch beim sonntäglichen Yachtie-Törn die Nase vorne hatten. Zumindest nahm das alle Welt an.

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Ankündigung der Regatta, bei der die “America” den Sieg gegen die Briten davontrug © america’s cup

Mittlerweile gab es aber entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika Werften und Yacht-Eigner mit dem nötigen „Kleingeld“, die diese britische Vorherrschaft beim Yachtbau nicht einfach so ungeprüft akzeptieren wollten. Einige Bootsbauer waren sich sogar sicher, schnellere Yachten als die britischen Schoner bauen zu können – nur, es fehlte an entsprechenden Aufträgen. 

Hier kommt nun wieder John Cox Steven ins Spiel. Der orderte mit Hilfe eines Finanzkonsortiums 1845 eine 140 Tonnen verdrängende Yacht, die dem einzigen Sinn und Zweck dienen sollte, während der Weltausstellung in London den „100 Souvereigns Cup“ rund um die britische Isle of Wight zu gewinnen.

Es kam, wie es kommen musste: Als die patriotisch auf den Namen „America“ getaufte, radikal geschnittene und in einem für damalige Verhältnisse „poppigen“ Grün schimmernde Yacht im August des Jahres 1851 tatsächlich gegen die „besten Segler und die schnellsten Yachten Großbritanniens“ antrat, düpierte sie dieselben.

“America“ zeigte den als hochnäsig und arrogant verschrieenen britischen Yachties, dass auch andere Nationen segeln und schnelle Schiffe bauen können. Und als die bereits weit in Führung liegende „America“ schließlich nah an der im Solent ankernden Yacht der britischen Königin Victoria vorbei segelte und drei Mal mit Dippen der Toppflagge freundlich grüßte, müssen die britischen Hinterhersegler sich vor Schmach in die Fäuste gebissen haben. 

“not amused”

Die begeisterte Regatta-Zuschauerin Victoria wiederum fragte königlich erstaunt und „not amused“ einen Vasallen ihres Hofstaates, welche Yacht denn an zweiter Stelle liege. „Es gibt keinen Zweiten, Majestät“ soll die Antwort damals gewesen sein. Ein zwar resigniert gemeinter, aber für die Zukunft des America’s Cup fast schon visionärer Satz, der wie kein anderer das zukünftige Ringen, Hauen und Stechen rund um den Cup beschreibt. Es kann eben nur einen Ersten geben! 

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Ob Queen Victoria dem Sieger tatsächlich gratulierte, ist historisch umstritten. Gemalt wurde die Szene jedenfalls © america’s cup

Doch dieser Sieg war weit mehr als „nur“ ein Regattaerfolg. Schon damals bezeichneten die britischen und amerikanischen Medien den Triumph der „America“ als einen „Sieg der jungen Demokratie USA gegen die alten, verknöcherten Traditionalisten Großbritanniens und der Alten Welt. Die „America“ hatte also in mehrfacher Hinsicht die Engländer und Europäer in ihre Schranken gewiesen. 

John Cox Steven verkaufte nach dem legendären Sieg die „America“ relativ zügig und überließ nach seiner Rückkehr die gewonnene Trophäe – eine potthässliche Kanne ohne Boden – seinem New York Yacht Club. Kurz darauf gab der Club bekannt, dass er die symbolträchtige Kanne für eine Regatta unter bestimmen Regularien (Deed of Gift) zur Verfügung stellen wolle, für den „friedlichen und freundschaftlichen Wettkampf zwischen den Nationen“.

So wurde der America’s Cup ins Leben gerufen – eindeutig benannt nach der ersten siegreichen Yacht in dieser Regatta und nicht nach der Nation! Und es sollte mehr als 100 Jahre dauern, bis es einer anderen Nation gelang, die Kanne aus New York zu „entführen“. 

Die ersten Herausforderer

Über die mitunter als „seltsam“, „unfair“ oder sogar „unsportlich“ bezeichneten, übrigens im Laufe der Jahrzehnte oft geänderten Regeln des America’s Cups, wurde schon reichlich lamentiert und gestänkert. Tatsache ist jedoch, dass die Amerikaner diese Regatta ins Leben riefen und sich die Regeln nach ihrem Gusto „schneiderten“. Was für die damalige Zeit ein völlig normaler Vorgang war. 

Eine der wichtigsten Regularien – seinerzeit und wohl auch noch heute – war die Wahl des Ortes, wo die Regatta stattfinden sollte. Meldete sich ein Herausforderer, so wurde im Revier des Cup-Verteidigers gesegelt. Sollte es einem Herausforderer gelingen, den Cup zu ergattern, wäre sein Heimatrevier zu nächsten Austragungsort erkoren worden. An dieser „Hürde” des Heimreviervorteils sollten sich viele Herausforderer im Laufe der America’s Cup Historie die Zähne ausbeißen. 

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Ein Stich der “America” hing viele Jahre im New York Yacht Club © new york yacht club

Wie etwa James Ashbury, der erste Herausforderer überhaupt. Der betuchte britische Geschäftsmann und begeisterte Segler wollte 20 Jahre nach der „schmachvollen Niederlage“ vor der Insel Wight, die britische Ehre im Yachtsport wiederherstellen und die „Kanne zurück ins United Kingdom bringen. Ein gut gemeinter und mit Sicherheit nicht aussichtsloser Versuch, der dennoch im Desaster für die Briten endete. 

Denn Ashbury musste mit seiner Yacht „Cambria“ vor Staten Island/New York gegen eine amerikanische Flotte segeln. Rang 10 unter 17 Yachten war verständlicherweise nicht nach seinem Gusto und der Brite erneuerte seine Herausforderung ein Jahr später. 

Doch zuvor bemühte er seine Anwälte und eröffnete somit einen „Reigen“ von unzähligen gerichtlichen Auseinandersetzungen, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte folgen sollten. Ashbury wollte nicht gegen eine in jeder Hinsicht übermächtige Flotte von amerikanischen Schiffen segeln, sondern nur gegen eine einzige Yacht. Doch das sahen (damals) die Regeln eben nicht vor und trotz erbitterter Gerichtsverhandlungen konnten die Amerikaner mit ihrer Regatta machen, was sie ursprünglich festgelegt hatten.Und das waren eben Flotten-Rennen, in denen Ashbury erneut keine Chance hatte.

Geschlagen kam der Brite nach Hause, beschwerte sich lautstark über die unsportlichen Amerikaner und behauptete mehrfach öffentlich, er hätte die „Kanne“ gewonnen, wenn er nur gedurft hätte, wie er wollte.

Im ausklingenden 19. Jahrhundert folgten noch mehrere Herausforderungen durch die Kanadier, die ebenfalls von den Amerikanern lässig souverän abgewehrt wurden. So kamen immerhin neun Wettkämpfe um den America’s Cup zustande, bevor überhaupt die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 abgehalten wurden.

Und nur kurze Zeit später sollte eine Ära des America’s Cup beginnen, die von einem gewissen irisch/schottischen Gentleman geprägt wurde: Sir Thomas Lipton. Von wegen „abwarten und Tee trinken“ – der legendäre Geschäftsmann heizte den Amerikanern als Erster gehörig ein. Nachzulesen in der nächsten Folge unserer kleinen Reihe mit America’s Cup-Geschichte(n).

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Auf “Rita” wollen es die Briten diesmal schaffen, die Kanne ins United Kingdom zurückzubringen. Ob das gelingen wird? © land rover bar

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Michael Kunst

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