America’s Cup: Holland-Kampagne fraglich – Die Deadline naht, und es fehlt noch Geld

"Das muss einfach funktionieren"

Die Zeit wird knapp für die niederländische America’s Cup Initiative DutchSail. Am 1. April wird das Startgeld fällig: Zwei Millionen Dollar plus eine Million Nahmeldegebühr.

Dutchsail

Branding des holländischen Cuppers. © Dutchsail

Offenbar ist das holländische America’s Cup Team finanziell weniger stabil aufgestellt, als man bisher glauben mochte. Am Wochenende soll sich entscheiden, ob DutchSail das Startgeld tatsächlich zahlt und mit dem Bau eines AC75-Foilers beginnt.

Am 1. April endet die endgültige Deadline, die nach einer Entscheidung der Schlichungskommission verlängert worden war. Der New York Yacht Club hatte den Fall vor die Jury gebracht, um Gewissheit über den Stand der drei Nachzügler-Teams zu erhalten.

Seitdem agieren die Holländer am lautesten in der Öffentlichkeit und versuchen, das nötige Geld zusammenzukratzen. Dafür starteten sie sogar eine Crowdfunding-Kampagne, in deren Rahmen Unterstützer 24 Monate lang je 100 Euro investieren sollen, um die Initative schnell auf den Weg zu bringen. Vorbild ist das Konzept von Peter Blake, der auf diese Weise die erste neuseeländische Teilnahme beim Whitbread Round The World Race 1981/82 finanzierte. 

400 Firmen, Vereine und Personen gingen damals darauf ein. Aber ist eine solche Begeisterung auch in den Niederlanden zu entfachen? Skipper und Initiator Simeon Tienpont glaubt, dass er und sein Team nur diese schwierige Anfangshürde nehmen muss, bis die Kampagne ins Rollen gerät. 

Fragile Aktion

Hinter den Kulissen werde fieberhaft daran gearbeitet, die Finanzierung der gesamten Kampagne zu sichern – mit der Regierung, Verbänden, Innovationspartnern, Institutionen und Privatpersonen. Tienpont sagt der niederländischen Zeitschrift Zeilen: “Es sieht alles toll aus, aber uns würde jetzt sehr helfen, wenn eine große Gruppe Privatpersonen sagt: Ich melde mich für DutchSail-Zertifikate an! Diese Menschen werden den Unterschied ausmachen.”

Volvo Ocean Race

AkzoNobel Skipper Simeon Tienpont hängt sich voll rein. © Richard Edwards / Volvo Ocean Race

Es ist allerdings sicher kein gutes Zeichen, dass die Holländer offenbar auf eine solch fragile Aktion angewiesen sind, um den Startschuss zu geben. Offenbar gibt es keine finanziell potente Einzelperson, die zuletzt für die Realisierung von Cup-Träumen immer wichtiger geworden ist.

Tienpont spricht aber in der Öffentlichkeit gar davon, dass er ein Gewinnerboot bauen könne. Realistisch ist das aber nicht. Die Gegner sind gegenüber einem spät startenden Team so übermächtig, wie selten zuvor in der Geschichte des America’s Cups.  Die reichsten Männer der Welt greifen diesmal in den Kampf um die Kanne ein. Briten, Amerikaner und Italiener sind so früh und so professionell mit ihren Herausforderer-Kampagnen, dass auch für die Neuseeländer schwer sein wird, ihren Vorsprung zu halten.

Gewinnerboot mit Hilfe der Gegner?

Der Sieg beim 36. America’s Cup dürfte deutlich mehr als 100 Millionen Euro kosten. Tienpont verkauft aber den niederländischen Medien, dass er nur nächsten Monat mit dem Bootsbau anfangen müsse, um ein Gewinnerboot liefern zu können.

Dabei will er mit einem Basisdesign der Neuseeländer starten, das sie den Nachzüglern angeboten haben, um das Starter-Feld und damit die Aufmerksamkeit für die Regatta zu vergrößern. Das zweite US-Team Stars&Stripes will ebenso vorgehen. Die Neuseeländer wollen die aus den erhobenen Daten resultierende neue Yacht im Juni vom Stapel laufen lassen und die Erfahrungen mit den Design-Käufern teilen.

Für die mehr als ein Jahr hinterher hinkenden Teams ist das sicher ein guter Deal.  Basierend auf der Konstruktion können sie ihr eigenes Boot bauen. Aber ein Siegerboot? Das scheint angesichts des zeitlichen Abstandes zu den großen Teams unmöglich.

Neuseeländer als Vorbild

Dennoch äußert Eelco Blok, der Chef von DutchSail, dass sein Team durch den Handel zu einem ernstzunehmenden Gegner werde. Er glaubt, dass gerade der Protest des New York Yacht Clubs bezüglich der Validität der neuen Herausforderer, diese Einschätzung bestätigt.

Er sieht die Neuseeländer als Vorbild, die jeweils mit einem deutlich geringeren Budget als die Konkurrenz dreimal den Cup gewonnen haben. Allerdings waren sie nie so deutlich von den stärksten Teams entfernt wie jetzt die Niederländer.

Tienpont behauptet, dass ein Budget wie beim Volvo Ocean Race benötigt werde. Dongfeng soll 21 Millionen Euro für den Sieg ausgegeben haben. Das Rennen wurde allerdings mit Onedesign-Yachten ausgesegelt. Die teuren Entwicklungskosten fielen vollkommen weg. Der Vergleich ist unseriös.

Eine konkurrenzfähige Kampagne ist diesmal eben nicht unter einem dreistelligen Millionenbetrag zu stemmen. Schließlich haben die Neuseeländer und Luna Rossa als Challenger of Record diesmal kaum Sparmaßnahmen in die Regel eingearbeitet. Nur wenige Elemente, wie die Schwenkmechanik für die Foils sind als Einheitsmaterial vorgeschrieben.

Beste Nation bei Olympiaklassen-WM

Vor diesem Hintergrund muss sich zeigen, ob die niederländische Kampagne wirklich eine Chance hat, an die Startlinie zu gehen. Das seglerische Potenzial haben die Nachbarn allemal. Zuletzt als beste Nation bei der Weltmeisterschaft der Olympiaklassen in Aarhus glänzten.

Und die Idee, der einheimischen Segel-Ikone Carolijn Brouwer als erster Frau das Steuer zu übergeben, hat sicher viel Aufmerksamkeit generiert. Auch der zweimalige Olympiasieger Dorian van Rijsselberghe ist ein echtes Zugpferd für die Kampagne. Allerdings hat er selten eine Schot in der Hand. Er verdient sich seine Meriten im Surfen.

So richtig ermutigend hört sich das alles nicht an, auch wenn es wohl besser läuft als bei den Maltesern. Nach wie vor gibt es kaum Informationen über das Team aus Malta, das vom ex Artemis Skipper Iain Percy angeführt werden soll. Die Teilnahme wurde schon selbst von den Organisatoren offen in Frage gestellt.

Dabei wäre es toll, wenn die Holländer dabei wären und die großen Cupper in Scheveningen auf und ab foilen. Ein World Series Event auf der Nordsee ist dann sehr wahrscheinlich. Tienpont sagt: “Das muss einfach funktionieren. Und wenn nicht, werden wir rechtzeitig zum nächsten America’s Cup da sein.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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