America’s Cup: Holland kurz vor der Meldung – Royale Vereine bündeln ihre Kräfte

"Nationale Angelegenheit"

Ein niederländisches Team um Volvo Ocean Race AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont will erstmals beim kommenden America’s Cup 2021 teilnehmen. Zwei königliche Vereine haben eine Initiative gestartet.

Simeon Tienpont

Simeon Tienpont auf dem AC72 beim Oracle Team USA in San Francisco © Guilain Grenier Oracle Team USA

Zwei Tage vor dem Ende der Nachmeldefrist zum 36. America’s Cup am 30. November hat sich ein niederländisches Syndikat aus der Deckung gewagt. Der älteste 171 Jahr alte Yacht-Club des Landes Koninklijke Nederlandsche Zeil- & Roeivereeniging (KNZ&RV) in Muiden und der mit 2000 Mitgliedern größte Verein Koninklijke Roei- en Zeilvereeniging De Maas (KR&ZV ‘De Maas’) aus Rotterdam haben den Verteidigern des Royal New Zealand Yacht Squadron eine Herausforderung für 2021 in Aussicht gestellt.

Die Initiative wurde von Simeon Tienpont gestartet, dem ehemaligen Volvo Ocean Race Skipper des Teams AkzoNobel und America’s Cup-Sieger mit Oracle USA 2013. Mit Tienponts Namen ist einer der größten America’s Cup Skandale eng verbunden. Und auch der Beginn des Volvo Ocean Races war für ihn sehr geräuschvoll gestartet, nachdem er zuerst als Skipper abgesetzt worden war, sich dann aber wieder eingeklagt hatte. Dafür gelang ihm noch eine beeindruckende wenn auch glücklose Leistung mit Gesamtplatz vier.

“Zum ersten Mal in der Geschichte”

Die Bemühungen um eine Cup-Teilnahme der Holländer wurden jetzt bekannt, weil die beiden Vereine ihre Mitglieder darüber informierten. 

So äußerte sich Tienpont: “Das ist für die Niederlande die Gelegenheit, zum ersten Mal in der Geschichte einen Herausforderer beim America’s Cup zu stellen. Das Design des AC75 und die technischen Spezifikationen sind geradezu auf die niederländische Schiff- und Luftfahrtindustrie zugeschnitten. Der America’s Cup hat schon immer als Nährboden für Technologien im Rennsegeln gedient, und mehr denn je ziehen diese Innovationen nun auch die maritime Industrie an.”

AkzoNobel Volvo OCean Race

AkzoNobel Skipper Simeon Tienpont bei der nächtlichen Volvo Ocean Race-Arbeit. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

In der Mitteilung der beiden Wassersportvereine, die dem Magazin Zeilen vorliegt, äußert sich der KR&ZV ‘De Maas’ Vorsitzender Jacob van der Goot: “Wenn man es richtig betrachtet, hätte es viel früher passieren sollen. Unsere Geschichte, die Stärke unserer maritimen Industrie sowie unsere sportliche Erfahrung und unser Talent sollte auf höchstem Niveau anerkannt werden”.

Michiel van Dis, Vorsitzender des KNZ&RV ergänzt: “Unsere Teilnahme am America’s Cup ist eine nationale Angelegenheit, es ist ‘Dutch Glory pur’. Es gibt eine große Chance für den niederländischen Wassersport”.

Sieg nicht so wichtig?

Bisher sind nur vier Teams offiziell am Start. Die Verteidiger vom Emirates Team New Zealand (NZL) und die drei Herausforderer Luna Rossa (ITA), American Magic (USA), INEOS Team UK (GBR).

Ob es aber Tienpont aber wirklich gelingt, zusammen mit dem KNZ&RV und dem KR&ZV den wohl nötigen Betrag zwischen 50 und 100 Millionen Euro für eine erfolgreiche Teilnahme zusammenzubekommen, ist längst noch nicht klar. Aber ohne eine echte Chance hätten sich die Vereine wohl nicht an ihre Mitglieder gewandt.

AC75

Das krakenartige Design des AC75. © America’s Cup Media

Einer oder mehrere Geldgeber werden wohl noch benötigt. Ihnen sollte der Sieg nicht so wichtig sein. Die Konkurrenz ist stark wie nie, die Zeit knapp und die Niederländer sind sehr spät dran. Gut sechs weitere Syndikate sollen sich in einer ähnlichen Situation befinden. Zwei US-Teams zwei weitere aus Italien und je eines aus Norwegen und China arbeiten hart daran, noch kurz vor dem Meldeschluss eine Herausforderung  zu finanzieren. Dabei hilft es nicht, dass jetzt schon die Nachmeldung mit einem Aufschlag von einer Millionen US-Dollar bezahlt werden muss.

Design-Paket vom Verteidiger

Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Organisatoren alles dafür tun, mehr Teams an die Startlinie zu bringen. Das technische Konzept für die spektakulären Kraken-Foiler ist durch die Testboote der Briten und Amerikaner inzwischen bewiesen, und es ist klar, dass die AC75 Tragflächenboote spektakulär segeln werden. Das einzige Manko des 36. America’s Cups ist die geringe Teilnehmerzahl.

Deshalb hat das Emirates Team New Zealand ein Design-Paket zusammengestellt, das Spätstartern noch einen Schnelleinstieg ermöglichen soll. Und die Nationalitäten-Regel für die Crewmitglieder scheint aufgeweicht worden zu sein. Ob das allerdings ausreicht, doch noch ein zahlenmäßig attraktives Teilnehmerfeld hinzubekommen scheint fraglich. Schließlich befinden sich die ersten AC75 Yachten schon im Bau.

Am 31. März 2019 darf das erste von zwei Yachten pro Team vom Stapel laufen. In der zweiten Hälfte des Jahres sind zwei Regatten geplant. Ab dem 1. Februar 2020 kann dann mit dem zweiten Neubau gesegelt werden. Alle potenziellen neuen Teams werden wohl mangels Zeit nur mit einem Schiff auskommen müssen. Schwer vorstellbar, dass ein solches Team noch Chancen hat, den Vorsprung der Konkurrenz aufzuholen, bis im Januar 2021 die ersten Rennen der Herausforderer-Serie zum Prada-Cup starten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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