America’s Cup: Letzte Bastelarbeiten am Herausforderer-Kat „Artemis“

"Fast fertig!"

Der AC72 wurde gedreht und „auf dem Kopf“ obligatorischen Struktur-Belastungstests unterzogen. Regatta-Direktor erwartet „Playbook“ von den Teams.

Die „Artemis“-Techniker ackern derzeit rund um die Uhr. An dem gedrehten AC72 Katamaran werden Struktur-Belastungsstests vorgenommen, um Rumpf und Verstrebungen „auf Herz und Nieren“ zu überprüfen.

America's Cup, Artemis,

rund-um-die-Uhr-Job bei Artemis © AC

Wie im Video deutlich zu sehen, werden dafür Gewichte an den Rumpf gehängt und mit einem hydraulischen Druckkolben Teile des Rumpfes in alle möglichen Richtungen geschoben, gezogen und verbogen. Die dabei gewonnenen Daten bescheinigen der „Artemis“-Technik-Crew offenbar, dass ihre AC72 „Ready to sail“ ist. „Theoretisch sind wir jetzt sicher, dass die „Artemis“ auf dem Wasser allen möglichen Belastungen standhalten wird!“, ließ man in einer PM verlauten. Theoretisch.

In der Praxis wird sich „Artemis“ ab nächster Woche beweisen können – Montag oder Dienstag soll der AC72 aufs Wasser und in der darauf folgenden Woche endlich am Louis Vuitton Cup teilnehmen.

Steuermann Nathan Outteridge geht jedenfalls davon aus, dass sich die Artemis-Crew schon in Kürze in einem echten Matchrace vor San Francisco beweisen kann.

Über die bisher strittige Frage der richtigen, also regelkonformen Ruder ist momentan nur wenig zu erfahren.

Regatta-Boss Iain Murray sagt, für „Artemis“ stehen derzeit zwei Ruder-Sätze zur Verfügung: Ein Ruderdesign genügt den Anforderungen der AC72-Klassenregeln, das andere den „Sicherheitsempfehlungen“ des Regattadirektors.

Artemis, Americas's Cup

Es wird gezogen und gezerrt © AC

Letzte Woche entschied die Jury des 34. America’s Cup, dass die Regattaleitung nicht berechtigt sei, die AC72-Regeln zu ändern. Zumindest nicht ohne einhellige Zustimmung der Teams.

Murray hatte nach der Artemis-Kenterung, bei der Olympionike Andrew Simpson ertrank, tiefe Ruder mit vorgegebenen Minimal-Flächen für die „Flügel“ gefordert. Auch nach Ansicht der US-Küstenwache ein wichtiges Sicherheits-Feature, wenn das Heck der AC72 aus dem Wasser steigt bzw. beim Abfallen „oben“ bleiben soll.

Murray und die Küstenwache erwarten morgen ein „Playbook“ von den zur Zeit segelnden AC-Teams. Dieser Teil der zu befolgenden „Sicherheitsempfehlungen“ soll jeweils beweisen, dass die Teams ihre AC72 sicher segeln können und in jeder Situation beherrschen. „Natürlich ist Geschwindigkeit dein Freund,“ so Murray. „Aber wie ist die Crew im Manöver positioniert, wie wird das Rigg getrimmt, wie stehen die starren Flügelsegel, welche Mastkrümmung wird in welcher Situation gefahren… all dies sind wichtige Aspekte, um einen AC72 sicher über den Parcours zu segeln,“ meint Murray. „Wir  werden die jeweiligen Dokumentationen studieren und beurteilen und hoffen, dass sie unseren Sicherheitsempfehlungen genügen!“

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://nouveda.com

9 Kommentare zu „America’s Cup: Letzte Bastelarbeiten am Herausforderer-Kat „Artemis““

  1. avatar coist sagt:

    Haha, jetzt sollen die anderen Teams also ihre Daten offen legen? Klar, weil die auch niiiiiiiemals bei Oracle landen – auf welchen Wegen auch immer.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 3

    • avatar Schlaufuxx sagt:

      Murray will ein “Playbook”, keine Daten.
      Dann wollen er und die AC 72 “Experten” der US Coastguard in der Theorie studieren, ob die Crews alle Eventualitäten handeln können.
      Lächerlich !
      Lass sie nen Disclaimer unterschreiben und Segeln.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

    • avatar hmitter sagt:

      na ja, oracle denkt wohl, mit etnz-playbook deren manoevervorsprung schneller aufzuholen als nur mit den ganzen ohnehin vorhandenen telemetrie- und video-aufzeichnungen; helicopter ist immer so weit weg und macht zu wenig zoom-aufnahmen…´;-)
      aber ich denke, etnz wird schlau genug sein, in das playbook nur gerade soviel blabla reinzuschreiben, auf dass die CG mal befriedigt ist;

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 2

  2. avatar ac pro sagt:

    Das Studium von z.B. der Mastbiegung durch die Wasserwacht und die damit verbundenen Diskussionen wären bestimmt ein Anblick für Götter 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  3. avatar 12er Enthusiast sagt:

    Ja, nach 6 bis 7 Wochen Bootsbau und statischen Belastungstest wird Artemis das foilen und “sichere” Segeln unter allen Bedingungen nach einer Woche sicherlich völlig beherrschen und ein “playbook” erstellen wo alle notwendigen Trimmanweisungen drinstehen…. nachdem die ersten zwei Versuche nach 1,5 jähriger Entwicklung mit ihren Tests auf dem Wasser dazu geführt haben, dass erst der Rumpf nicht gehalten hat und dann die Struktur völlig kollabiert ist und einen Toten gekostet hat (hat eigentlich irgend jemand einen Abschlussbericht gesehen, wo die Ursachen festgestellt worden sind???)…..
    Als Segler und Ingenieur kann ich nicht mehr nachvollziehen, wie sich Artemis, die Wettfahrtleitung, die Coastguard, etc. verhalten, wenn es um die angebliche Sicherheit geht… Wer trägt die Verantwortung, wenn Artemis sein Boot nicht beherrscht und es wieder Tote gibt???

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 3

    • avatar Sven sagt:

      Na, geben wir Artemis mal die Chance zu zeigen, dass sie aus all den Erfahrungen Ihre Lehren gezogen haben und nun besser wissen, was geht und was nicht.
      Üben muss man natürlich auch. Dafür haben sie super wenig Zeit. Deswegen werden Sie gegen LR kaum eine Chance und gegen etnz sowieso kein Stich sehen.
      Alles andere würde mich überraschen!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar 12er Enthusiast sagt:

        würde mich mal interessieren, was Andrew “Bart” Simpson zu der Chance sagen würde, wenn sie “aus all den Erfahrungen Ihre Lehren gezogen haben”… Bei den letzten Versuche hatten sie doch (hoffentlich???) auch gerechnet und Tests gemacht und sind zu dem Schluß gekommen, dass man mit den auseinandergefallenen Schiffen sicher segeln kann (ansonsten wäre es ja Vorsatz). Was haben sie den jetzt besser gemacht? Das Problem beim kollabierten Schiff waren sicherlich nicht statische Belastungen (oder tests), die hier gezeigt worden sind.
        Solange kein eindeutiges Untersuchungsergebnis vorliegt ist es jedenfalls aus Ingenieurtechnischer Sicht fahrlässig das gleiche nochmal zu versuchen. Und wenn man nicht weiß, was die URsache war, kann man diese auch nicht beseitigen – außer aus reinem Zufall. Ich denke hier hat Artemis ein erhebliche Verantwortung deinen eigenen Leuten und auch den Gegnern gegenüber….und wohl auch Andrew Simpson.

        Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Marc sagt:

    also ich gebe der DLRG bei jeder Regatta auch immer mein Mastfall und meine Genua Holepunkte durch. Dazu noch die Anzahl der Löcher die das Schwert nach hinten geschoben wird 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 3

  5. avatar liebersegeln sagt:

    Seit wann werden bei der Küstenwache Ingenieure beschäftigt, die vielleicht wirklich mit diesen Angaben aus dem Playbook was anfangen können (davon gibt es auch so viele)? Wenn ich damit was anfangen könnte würde ich in der Industrie ein schweine Geld verdienen und nicht bei der CG arbeiten.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *